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Wolf Uhrenbeweger und -boxen: Maßgeschneidert für eine herausfordernde Zeit

Wolf

Wolf blickt auf eine 186-jährige Geschichte zurück. Aber eine solche Zeit wie die aktuelle, hat der Hersteller für hochwertige Uhrenbeweger, -boxen und -rollen sowie Safes noch nicht erlebt. Dabei spürte das global agierende Traditionsunternehmen die Auswirkungen der weltweiten Covid-19-Pandemie bereits im Januar dieses Jahres.

Den Kopf in den Sand zu stecken, kam für Simon Wolf aber nicht in Frage. Er leitet in fünfter Generation das Unternehmen. Und obwohl alle drei Niederlassungen in Hongkong, Südengland und Los Angeles geschlossen werden mussten, verlor er nicht den Elan, sondern schaltete sofort in den Überlebensmodus um.

„In der ersten und zweiten Woche habe ich mir nur angesehen, wo wir Geld einsparen könnten. Wir gingen mit guten Lagerbeständen in den Lockdown, sodass ich mir keine allzu großen Sorgen um die Leiferungen während der Schließung unser Fabrik machte. Aber ich hab natürlich alle Kosten überprüft, um Einsparungen vornehmen zu können“, erinnert sich Simon Wolf. Es folgte die Schließung der drei Büros und Vertriebszentren des Unternehmens in Hongkong, Südengland und Los Angeles.

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Nach getaner Pflicht folgte die Kür und gemeinsam mit seinem Team überlegte er, wie es weitergehen könnte. Wohl wissend, dass seine Kunden in denselbem Dilemma des Lockdowns steckten wie Wolf 1834 selbst. Zunächst einmal stellte er aber fest, dass sich die Geschäfte besser entwickelten als erwartet. Ganz einfach deshalb, weil sich viele Endkonsumenten verstärkt dem E-Commerce zuwandten.

Und da Wolf nicht nur einen eigenen Online-Shop betreibt, sondern bereits seit vielen Jahren mit Online-Händlern zusammenarbeitet und einen überzeugenden Drop-Shipping-Service (Direkthandel) bietet, war das eigentlich gar nicht so verwunderlich. Bei diesem sogenannten Direkthandel hat ein Händler keinen physischen Kontakt zu der beim Hersteller erworbenen Ware. Die Lieferung an den Endkunden erfolgt direkt vom Lieferanten. Sobald also eine Bestellung zum Beispiel auf der Website eines Einzelhandelspartners aufgegeben wird, versendet Wolf das gewünschte Produkt direkt an den Kunden, der volle Verkaufspreis geht an den Einzelhändler.

„Wir haben schon immer online über unsere Partner operiert. Ich erinnere mich, dass ich vor 20 Jahren mit dem US-Kaufhaus Neiman Marcus zusammengearbeitet habe, um ein sehr gutes Online-Geschäft für sie aufzubauen. Mir gefiel einfach die Tatsache, dass wir all diese Bestellungen von Neiman Marcus-Kunden erhalten und direkt an sie liefern konnten. Wir haben diese Partnerschaften auf der ganzen Welt für Einzelhändler aufgebaut, die online verkaufen, und dieses Geschäft weiter entwickelt“, erläutert Wolf.

Und dieses Modell scheint nun wie maßgeschneidert für die Corona-Zeit zu sein. „Es ist perfekt. Die Einzelhändler stellen unsere
Produkte auf ihren Websites vor, aber sie müssen den Lagerbestand nicht kaufen und lagern, was Liquidität binden würde. Und sie müssen sich nicht mit den Kosten und der Komplexität des Versands der Produkte herumschlagen, weil wir das für sie tun, und sie den vollen Einzelhandelswert des Verkaufs erhalten“, beschreibt Simon Wolf und betont, dass dieses Modell für kleine Juweliere mit einer Filiale genauso gut funktioniert wie für internationale Ketten. Und zwar so gut, dass Wolf 1834 bereits im Juni von guten Umsatzsteigerungen in diesem Bereich gegenüber dem Vorjahr berichten konnte.

Ungeachtet dessen ziehen aber auch die Verkäufe von Wolf-Produkten in stationären Geschäften wieder an. Das gilt insbesondere für individuell gestaltete Produkte, die auf Bestellung für einen bestimmten Einzelhändler hergestellt werden.

„Ich war so überrascht von der Nachfrage unserer Kunden, vor allem derjenigen, die mit uns Sonderanfertigungen und Co-Branding-Produkte umsetzen. Es gibt hier eine längere Vorlaufzeit, sodass Bestellungen, die jetzt aufgegeben werden, im September/Oktober ausgeliefert werden. Für diese Sonderanfertigungen liegen die Bestellungen in diesem Jahr höher als zur gleichen Zeit des Vorjahres“, freut sich Wolf.

Aber Wolf produziert und liefert selbstverständlich nicht nur Sonderanfertigungen, sondern auch in großen Stückzahlen. Dabei orientiert sich das Unternehmen unter anderem an der Zahl der jährlich weltweit produzierten beziehungsweise exportierten Uhren. So exportiert in normalen Jahren beispielsweise die Schweiz rund 20 Millionen Uhren. Anhand solcher Zahlen berechnet Simon Wolf den potenziellen Markt für seine Uhrenbeweger und anderes Zubehör.

Die Zeit des Lockdowns hat das Unternehmen aber nicht zur Prüfung der eigenen Kostenstruktur genutzt. Man hat zudem die spannende Erfahrung gemacht, dass das Arbeiten im Homeoffice auch Vorteile hat.

„Das ganze Unternehmen hat bisher fern von zu Hause gearbeitet. Die drei Büros und Lagerhäuser haben dabei fantastische Arbeit geleistet. Wir haben damit begonnen, mit unseren 45 Mitarbeitern weltweit wöchentliche Zoom-Gespräche zu führen, was nicht einfach ist, wenn Leute aus LA, Hongkong und Großbritannien hinzukommen. Ich bin zweifellos ein Traditionalist, der der Meinung war, dass wir alle im Büro sein sollten. Aber alle Teams auf der ganzen Welt haben erfolgreich von zu Hause aus gearbeitet, und unsere Effizienz hat sich sogar noch verbessert. (…) Wir werden daher vermutlich nie wieder ausschließlich im vollständig im Büro arbeoten. Ich bin sicher, dass es jetzt eine Kombination von Heim- und Büroarbeit geben wird“, so Simon Wolf, der auch die Aspekte der Umweltschutzes beim Arbeiten im Homeoffice entdeckt hat.

„Ich bin ein großer Befürworter des Umweltschutzes, persönlich und als Unternehmer. Und es ist erstaunlich, was der Lockdown bewirkt hat. In Los Angeles ist es üblich, dass der Weg zur Arbeit zwei Stunden dauert und mit dem Auto zurückgelegt werden müssen. Jetzt pendeln meine Jungs nicht mehr, und das bedeutet eine massive Verringerung von Zeitverschwendung, der Abnutzung der Autos und der Verschmutzung der Umwelt. Hinzu kommt eine finanzielle Einsparung. Das ist phänomenal.“

Sorgen, dass die Wolf-Produkte nach über den Zeitraum des Lockdowns an Aktualität verloren haben, hat der Unternehmer übrigens nicht. Denn Artikel wie Uhrenbeweger und -boxen kommen nicht aus der Mode. Davon profitiert auch der Einzelhandel, dessen Wolf-Lagerbestand nicht saisonbedingt altert.

„Wir machen keine Sachen mit rosa Punkten“, lacht Herr Wolf. „Die Uhrenbeweger-Kollektion ‚Viceroy‘ für ein bis acht Uhren ist seit über einem Jahrzehnt bei uns erhältlich. Abgesehen von den technologischen Verbesserungen ist sie gleich geblieben, aber wir verkaufen jedes Jahr mehr davon, da wir als Marke immer bekannter werden. Wir haben das Design überhaupt nicht verändert. Für das Jahr 2020 haben wir die neue britische Uhrenbeweger-Kollektion ‚Racing Green‘, die gut in den traditionellen Lebensstils unsere typischen Kunden passt. Ich möchte, dass unsere Kunden eine emotionale Verbindung zu unseren Produkten haben. Sie halten lange, und ich möchte, dass sie in zehn Jahren klassisch aussehen“, erklärt er.

Schmuckaufbewahrung, Pflege- und Reiseaccessoires machen die Hälfte des Umsatzes von WOLF und mengenmäßig 70 Prozent der verkauften Produkte aus. Hier spielt Trend durchaus eine Rolle, aber auch hier geht Wolf nicht zu weit. Doch manchmal packt es Simon Wolf, und er entwirft ein extravagantes Design, das Aufmerksamkeit erregt. „Selbst wenn es sich nicht verkauft, spielt es keine Rolle, denn ich möchte zeigen, wozu wir fähig sind“, sagt er.

Mit Blick auf die Zukunft erwartet er übrigens eine V-förmige Erholung und glaubt, dass er die Chance hat, die für dieses Jahr gesetzten Ziele zu erreichen. „Wir sehen es so, als hätten wir drei Monate verloren, also müssen wir in neun Monaten das Geschäft von zwölf Monate machen. Wir haben unsere Umsatzziele für das Jahr in keiner unserer drei Regionen angepasst. Wir werden so hart arbeiten, wie wir können.“

Für das Jahr 2021 hofft Wolf, dass die Schweizer einen Weg für eine starke Messesaison finden werden, die nach außen strahlt.

„Ich hoffe, dass die Menschen in der Schweiz alles in einem Event zusammenfassen. Die Kosten für diese Ausstellungen belaufen sich auf Hunderttausende von Dollar für ein Unternehmen wie Wolf, und viele Millionen für die größten Marken. Es sind viele verschiedene Menschen, Unternehmen und Egos beteiligt, aber wir brauchen einen einzigen Ort, an dem wir alle zusammenkommen, um Geschäfte zu machen, zu lachen und etwas zu trinken. Ich muss alle meine Agenten aus der ganzen Welt erreichen, und das ist es, was eine großartige Schweizer Show für mich tut. Watches & Wonders von einer Richemont-Show auf etwas Größeres auszudehnen, ist eine große Bitte von mir.“

Tags : CoronaLockdownUhrenbewegerUhrenboxwolf
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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