close

Goldammer: „Wir wollen der weltweit größte Anbieter für klassische Vintage-Uhren werden.“

goldammer2

Neben – oder mit – den großen Plattformen für Pre-owned-Uhren wie beispielsweise Chrono24, Chronext und Watchbox finden auch kleinere Formate im Markt mit Secondhand-Uhren ihren Platz. Eines davon nennt sich Goldammer Vintage Watches und kommt aus Rostock.

Geführt wird Goldammer Vintage Watches von den Brüdern Felix und Marc Goldammer (Bild oben). Dabei begannen sie ohne jegliche Vorkenntnisse im Uhrenhandel. Felix ist eigentlich gelernter Physiotherapeut und Marc hat Event-Management studiert. Beide haben unter anderem mehrere Jahre als Area Manager für Red Bull Deutschland gearbeitet.

Uhren mit Seele und Geschichte(n)

Story continues below
Advertisement

Marc Goldammer war der erste der Brüder, der 2017 den Schritt in die Selbständigkeit wagte. „Ich blieb bis Anfang dieses Jahres bei den roten Bullen, aber freute mich dann darauf, bei meinem Bruder einzusteigen“, berichtet Felix. Denn bereits vorher vereinte beide die Leidenschaft für Uhren mit Geschichte(n). Dabei stehen solche Zeitmesser auch für ihre Lebensphilosophie, die viel mit Authentizität zu tun hat. „Vintage-Uhren verkörpern diese sehr gut im Gegensatz zu den meisten neueren Uhren, die eher eine bestimmte Außenwirkung erzielen sollen, die nicht unbedingt etwas mit dem Träger zu tun haben muss“, so Felix Goldammer.

„Vintage-Uhren haben eine Seele und erzählen Geschichten.“ Doch das alleine war nicht ausschlaggebend, um sich in ein Marktsegment zu wagen,von dem schon 2017 abzusehen war, dass es heiß umkämpft sein wird. „2015 wechselte ich von Red Bull zu Bacardi. Und das hatte natürlich einen Grund. Schon seit meinem Start bei Red Bull in 2010 hatte ich nie wirklich das Gefühl, mit meiner Arbeit glücklich zu sein. Ich arbeitete als eher introvertierter Mensch in einer extrovertierten Umgebung. Das hat mich über die Jahre sehr viel Energie gekostet, und ich beschloss, einen Schlussstrich zu ziehen. Ich nahm mir eine einjährige Auszeit und hatte nun endlich mehr Zeit, mich mit meinem Hobby, den Vintage-Uhren, zu beschäftigen. Durch die Zeit bei Red Bull und auch bei Bacardi habe ich sehr viele erfolgreiche Menschen kennenlernen dürfen. Dabei habe ich festgestellt, dass Erfolg kein Hexenwerk ist, sondern sich aus einer Kombination aus Leidenschaft, Kontinuität und Risikobereitschaft zusammensetzt. Ich glaube, dass sehr viele Menschen mit ihrer beruflichen Situation unzufrieden sind, aber nie wirklich den Mut haben, etwas zu verändern“, erläutert Marc Goldammer diesen couragierten Schritt.

Blauäugigkeit statt Business-Modell

Denn beide hatte am Anfang eigentlich keinerlei Ahnung vom Uhrenhandel. Mit dem Begriff „blauäugig“ bringt es Felix auf den Punkt. Ein ausgefeiltes Business-Modell? Fehlanzeige. „Stattdessen haben wir einfach gemacht.“ Und der „Plan“ ging auf – überraschenderweise ohne große Überraschungen.

„Im Grunde hat mich nicht wirklich viel überrascht, weil ich mir vorher einfach wenige Gedanken gemacht hatte. Allerdings hatte ich mir zu Beginn drei entscheidende Fragen gestellt, die sinnvoll beantwortet werden mussten: Wo kaufen wir ein? Wo verkaufen wir? Und wie werden Uhrenliebhaber auf uns aufmerksam?“, erinnert sich Marc Goldammer.

Das war es also, das Business-Modell, welches 2018 zur Gewerbeanmeldung führte, nachdem Marc Goldammer bereits seit 2016 privat mit dem Geschäftsfeld der gebrauchten Uhren Erfahrungen gesammelt hatte. In dieser kurzen Zeit konnten alle drei Fragen erfolgreich beantwortet werden. Zuvor wurde aber noch ein wenig Lehrgeld fällig. „Ich kaufte Uhren in einer Preisrange von 500 bis 1.500 € bei Ebay Kleinanzeigen ein und ließ sie dann von einem Uhrmacher revisionieren und aufbereiten, um sie im Anschluss gewinnbringend zu verkaufen. Letzteres klappte nicht und ich landete bei plus minus null im Jahr 2018. Der Umsatz zeigte mir aber, dass wir Kunden an uns binden können und dass das Geschäftsmodell grundsätzlich zukunftsfähig ist. Ich hatte viele Erfahrungswerte gewonnen, und die sind im Handel mit Vintage-Uhren Gold wert. Durch klassisches Learning by Doing lernte ich, welche Uhren auf dem Vintagemarkt gefragt sind und wie man dort erfolgreich, sprich gewinnbringend handeln kann“, berichtet Marc Goldammer.

Vertrauen als Erfolgsrezept

Und dazu gehört ganz viel Vertrauen. „Nur wenn der Kunde sich sicher sein kann ,dass alle Angaben zum Inserat der Wahrheit entsprechen und vertrauenswürdig sind, ist er auch bereit, einen angemessenen Preis zu zahlen. Dieses Vertrauen ist aber über Ebay und Kleinanzeigen kaum aufzubauen“, merkten die Brüder schnell. Und so begannen Sie, ihre Uhren über Chrono24 anzubieten, „da hier die Käufer die Möglichkeit haben, den VK bis ins Detail zu bewerten, zu vergleichen und Preise nachzuvollziehen. Für noch mehr Vertrauen war aber eine eigene Website mit eigenem Shop unumgänglich“, um Verkäufern und Käufern zu zeigen, wer die Goldammer-Brüder eigentlich sind. Und mit der Beantwortung der drei Fragen klappte es auch:.

Frage 1: Wo kaufen wir ein?

Felix und Marc Goldammer haben sich innerhalb kürzester Zeit ein Händler- und Sammler-Netzwerk aufgebaut, in dem sie Uhren aufkaufen. Dabei geht es ihnen in erster Linie um sehr klassische Vintage-Uhren. „Wir sind eine Nische in der Nische.“

Frage 2: Wo verkaufen wir?

Hauptsächlich über Chrono24 und den eigenen Webshop. „Mittlerweile verkaufen wir aber mehr Uhren über unseren Shop als über Chrono24, über die wir am Anfang alle unsere Uhren verkauft haben.“

Frage 3: Wie machen wir auf uns aufmerksam?

Auf Instagram, lautet die Antwort. Seit zwei Jahren beliefern sie ihre dortige, mittlerweile fast 32.500 Abonnenten starke Community mit Content rund um das Thema Vintage-Uhren. „Über Instagram versuchen wir, uns von der breiten Masse abzuheben, indem wir die Vintage-Uhren künstlerisch in Szene setzen. Dabei zahlt es sich aus, dass meine zweite Leidenschaft der Fotografie gilt“, erläutert Marc Goldammer.

Mittlerweile gibt es eine vierte Frage: Wo stehen wir jetzt?

„Lange Rede kurzer Sinn: wir verkaufen aktuell um die 250 Uhren pro Jahr und sind uns sicher, weiterhin mit einem guten Wachstum rechnen zu können.“

Nur ein Bruchteil geht übrigens an Uhrenliebhaber in Deutschland, nämlich lediglich fünf Prozent. Die meisten Abnehmer kommen aus den Vereinigten Staaten, gefolgt von Europa, China und Australien.

Gut die Hälfte der Uhren wird über den eigenen Shop verkauft, der Rest über Chrono24. „Unser Ziel ist es, so unabhängig wie möglich von sämtlichen Bezahl-Plattformen zu sein. Daran arbeiten wir jeden Tag, und wir sind der festen Überzeugung, dass uns dies aufgrund der vielen vertrauensvollen persönlichen Kundenkontakte auch gelingen wird“, erläutert Felix die Pläne des Brüderpaars. Dennoch schätzen sie Chrono24 sehr. „Wir sind große Fans von Chrono24, ohne die für uns der Einstieg in das Onlinegeschäft mit Secondhand-Uhren und der Aufbau von eigenen Kundenkontakten wahrscheinlich kaum möglich gewesen wäre.“

Authentisch, introvertiert, designliebend, perfektionistisch, klassisch

Der direkte Kontakt zu ihren Kunden ist beiden enorm wichtig, da sie so ihrer Meinung nach am besten auch die immer wichtiger werdende jüngere Zielgruppe erreichen und ansprechen können. Allerdings ist das Alter nicht die hervorstechendste Eigenschaft der Kundschaft von Goldammer Vintage Watches. „Ich habe das Unternehmen so aufgebaut wie ich es mir selbst als Kunde wünschen würden. Unsere Zielgruppe ist mir daher sehr ähnlich: authentisch, introvertiert, designliebend, perfektionistisch, klassisch. Einen genauen Altersdurchschnitt kann man dabei nicht festlegen, ich denke aber, dass er bei etwa Mitte Dreißig liegt“, so Marc Goldammer.

Wenn von einem direkten Kundenkontakt die Rede ist, meinen die Goldammer-Brüder aber nicht in erster Linie physische Geschäfte Über diesen Vertriebsweg verkaufen sie nur etwa zehn Prozent ihrer Uhren. Gemeint ist der direkte Kontakt im www.

„Unserer Meinung nach verschlafen viele größerer Händler den direkten Kundenkontakt im Internet, um so eine junge Zielgruppe zu erreichen. Hier sehen wir unsere Zukunft, denn die jüngere Zielgruppe wächst mit uns mit. Wir überlegen daher, weitere Social-Media-Kanäle zu bespielen, da wir uns nicht von einer Plattform abhängig machen möchten. Wir haben bis dato auch nicht einen Euro in Werbung gesteckt. Das bedeutet natürlich langsameres Wachstum, dafür aber eine sehr enge Kundenbeziehung.“

Langfristig habe Marc und Felix Goldammer durchaus ambitionierte und Pläne, die alles andere als bescheiden klingen: „Wir wollen der weltweit größte Anbieter für klassische Vintage-Uhren werden“, stellen die Brüder selbstbewusst klar.

Tags : Goldammerpre-ownedSecondhandvintage
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

Leave a Response