Home Galerien

Ebel: „Wir wollen auch in 2020 weiter wachsen!“

0

Hört man Ebel-Präsident: Flavio Pellegrini zu, bekommt man den Eindruck, dass es für Ebel richtig gut läuft. Das war nicht immer so. In den Nullerjahren schwächelte die Schweizer Marke und geriet aus dem Blickfeld vieler Juweliere. Doch Ebel ist wieder auf Kurs. Und Pellegrini ist fest entschlossen, die eingeschlagene Richtung fortzusetzen.

Das sagt Flavio Pellegrini, der seit 2012 an der Strategie der Marke feilt, seit 2014 als Präsident. Die Rückkehr zu den Wurzeln spielt dabei eine entscheidende Rolle. Im Interview mit WatchPro erläutert er, wie Ebel die schwierigen Nullerjahre hinter sich lassen konnte.

WatchPro: Würde Ebel heute noch ohne das berühmte Wellenarmband existieren?

Advertisement

Flavio Pellegrini: Starke Marken widerstehen immer. Aber dieses Armband mit Sechskantgehäuse, fünf Schrauben und der perfekten Integration in die Uhr machen den Unterschied aus. Es steht für die ganze Marke. Entfernt man dieses Symbol, entfernt man das Wesentliche. So wäre es bei anderen starken Marken auch. Der Verzicht auf das Wellenarmband würde Ebel vor eine ernsthafte Herausforderung stellen.

WatchPro: Das heißt, ohne das Wellenarmband ist Ebel gar nicht denkbar?

Flavio Pellegrini: Richtig, Ebel ohne dieses ikonische Armband – das wäre nicht mehr Ebel. Denn es hat nicht nur einen hohen Wiedererkennungswert, sondern steht auch für unsere Markenphilosophie: „Schönheit heiratet Funktion“. Dieses Armband ist nicht nur schön anzusehen, es ist auch eines der bequemsten Armbänder in der Branche. Diese Philosophie ist Teil unserer Geschichte. Wie Sie wissen, ist Ebel das Akronym unserer Gründer Eugène Blum und et (französisch für „und“) Alice Lévy. Alice war verantwortlich für die Ästhetik und Eugène war der Uhrmacher. Ihre Zusammenarbeit und Harmonie gaben all ihren Zeitmessern die perfekte Verbindung von Schönheit und Funktion.

WatchPro: In den Nullerjahren Jahre wurde es um Ebel ruhiger. Woran lag das?

Flavio Pellegrini: Der Hauptgrund ist die Tatsache, dass die Marke in weniger als zehn Jahren vier verschiedene Eigentümer hatte. Dies hat sich auf die Strategie der Marke und das Vertrauen der Partner ausgewirkt.

WatchPro: Wie ist es der Marke gelungen, an frühere Erfolge wieder anzuknüpfen?

Flavio Pellegrini: Unsere wichtigste und größte Herausforderung als Team war es, den Markenkern von Ebel zu identifizieren und zu kommunizeren. Antworten auf die Fragen zu geben: was macht Ebel einzigartig, warum ist die Geschichte der Marke eine ganz besondere? Dafür haben wir uns intensiv mit der Marke befasst, um die fünf einzigartigen Aspekte und Meilensteine klar zu bestimmen, die im Fokus der Entwicklungen der vorherigen vier Jahre lagen. Ein wichtiger Punkt war zweifellos die Ikone „Sport Classic“, die es nicht mehr in der Kollektion gab. Wir haben die Linie vor zwei Jahren relaunched und heute ist es unsere umsatzstärkste. Darüber hinaus haben wir unsere fünf Meilensteine genutzt, um unsere Geschichte und Geschichten neu zu erzählen. Das kommt sehr gut an. Zusammenfassend war es enorm wichtig, unserer DNA treu zu bleiben, damit der Erfolg authentisch und nachhaltig ist.

WatchPro: Ebel ist keine Marke, die auf aktuelle Trends aufspringt – weder in Sachen Design noch in technologischer Hinsicht. Das Design der Uhren ist entweder sportlich, klassisch oder elegant, es gibt keine Connected Uhren oder Smartwatches. Ist das nicht in Zeiten des rasanten Wandels und einer ganz neuen Endverbraucher-Generation sehr risikant?

Flavio Pellegrini: Es gibt Leute, die sich für die neuesten Modetrends und für smarte Uhren interessieren. Aber es gibt immer noch sehr viele Menschen, die nach zeitlosen und authentischen Produkten suchen. Und wir stellen fest, dass genau das wieder zu einem Trend wird. Und darum geht es doch in der Schweizer Uhrmacherkunst: Es geht um Produkte und Konzepte für die Ewigkeit und nicht für eine Saison. Genau deshalb bleibt Ebel seiner DNA treu und somit echt und glaubwürdig. In unserer Branche geht es um langfristige Konzepte auf der einen Seite und um kurzfristige Trends auf der anderen. Wir verfolgen bei Ebel ein Konzept, das auch in zehn Jahren noch funktioneren wird. Und zwar deswegen, weil wir – wie alle erfolgreichen Marken – mit unserer Positionierung im Einklang stehen und eine authentische Geschichte haben. Die Verbraucher sind schlauer als je zuvor und können dank Internet selbst recherchieren und genau überprüfen, welche Geschichten echt, und welche nur ein Marketinggag sind.

WatchPro: Und wie unterstützt Ebel den Juwelier dabei, fit für die Zukunft zu werden?

Flavio Pellegrini: Als Ebel und als Teil der Movado-Gruppe legen wir stets großen Wert darauf, unsere Partner zu respektieren und gemeinsam mit ihnen zu wachsen. Absolut grundlegend ist es, unseren Partnern das richtige Produkt zur Verfügung zu stellen. Ein weiteres Element ist es, sicherzustellen, dass wir die Nachfrage nach unseren Produkten schaffen, um Umsatz für unsere Partner zu generieren. Wir helfen unseren Handelspartnern auch beim Einstieg in die digitale Revolution. Das wirkt sich auf den Vertrieb aus, steigert aber zugleich auch die Nachfrage nach unseren Uhren.

WatchPro: Welches sind für Ebel aktuell und langfristig die größten Herausforderungen?

Flavio Pellegrini: Wir hatten jetzt drei Jahre lang ein solides Wachstum, und das trotz eines schwierigen Umfelds in unserer Branche. Wir freuen uns daher sehr über diesen Trend, der zeigt, dass die bestehende Strategie funktioniert. Die aktuelle Herausforderung besteht vor allem in der globalen, geopolitischen Situation, die die Stimmung der Endverbraucher zunehmend beeinträchtigt. Es werden neue Herausforderungen hinzukommen, aber Ebel wird immer Ebel bleiben – mit der ausdauernden Kraft einer zeitlosen Luxusmarke.

WatchPro: Welche konkreten Ziele haben Sie sich für 2020 gesetzt?

Flavio Pellegrini: Wir werden die Umsetzung unseres strategischen Fahrplans fortsetzen. Ein wichtiger Punkt für 2020 wird die Verbesserung der Quantität und Qualität unseres weltweiten Vertriebsnetzes sein. Und natürlich wollen wir auch in 2020 weiter wachsen.

WatchPro: Anstelle der Baselworld entschied sich Ebel für die Inhorgenta mit dem vergleichsweise kleinen Uhrensegment. Warum?

Flavio Pellegrini: Wir, die Movado-Gruppe, haben uns entschlossen, die Baselworld zu verlassen. Stattdessen veranstalten wie einmal im Jahr einen eigenen globalen Summit. Dort können wir für unsere Distributoren in einem stilvollen Umfeld die Marke Ebel erlebbar machen. Hinzu kommt die Inhorgenta. In der Tat haben wir festgestellt, dass viele unserer Einzelhändler die Inhorgenta besuchen und haben deshalb beschlossen, daran teilzunehmen.

WatchPro: Auf welche Ebel-Neuheiten dürfen wir uns in 2020 besonders freuen?

Flavio Pellegrini: Wir haben großartige Neuheiten für 2020. Die meisten Neuheiten wird es in der „Sport Classic“-Familie mit spannenden Erweiterungen und neuen Größen geben. Wir werden auch weiterhin unsere erfolgreiche sportlichen Modelle „Discovery“ und unsere rechteckige Damenlinie „Brasilia“ ausbauen.

WatchPro: Und welche Rolle wird die klassische Uhr im Jahr 2100 spielen? Oder tragen wir dann alle nur noch Smartwatches?

Flavio Pellegrini: Ich denke, die heutigen traditionellen Uhren wird es im Jahr 2100 noch geben. Sie gibt es schon so lange und sie wird es auch weiterhin geben. Das ist die Stärke unserer Branche – dieses zeitlose Produkt. Natürlich werden wir im Jahr 2100 viele andere nützliche Produkte an unseren Handgelenken tragen, aber diese werden dann nicht mehr als Smartwatches bezeichnet.

Zum 75-jährigen Jubiläum im Jahr 1986 erwarb Ebel die berühmte Villa Turque, die vom Schweizer Architekten Le Corbusier im Herzen von La Chaux-de-Fonds entworfen und gebaut wurde. Heute ist es die Maison Ebel.

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here