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International Luxury Group: „Wir hatten ein gigantisches erstes Quartal.“

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Die International Luxury Group ist ein weltweit agierendes Unternehmen im Bereich lizenzierter Luxusprodukte, darunter auch Uhren, welche entweder in der Schweiz entstehen oder in der eigenen Produktionsstätte in China.

Das Portfolio umfasst neben Uhren auch Schmuck und Parfüm und wird in 90 Ländern in über 33.000 PoS (Europa 14.000) verkauft. Das Vertriebs- und Logistiknetzwerk mit über 800 Mitarbeitern erstreckt sich über Amerika, Europa, Afrika, Asien, Australien und den Nahen Osten. In Deutschland ist die ILG Germany GmbH als Tochter der ILG of Switzerland dafür verantwortlich und setzt dabei vor allem auf ein partnerschaftliches Miteinander mit dem Handel.

Dazu gehört unter anderem das Angebot eines 2-zu-1-Umtauschrechts, um das Sortiment beim Juwelier stets aktuell zu gestalten. Das bedeutet, dass der Händler Langsamdreher gegen aktuelle Kollektionen oder Topseller tauschen kann. Im Gespräch mit WatchPro erläutern Claudia Kühn (Marketing & Communication) und Matthias Zarbock (Sales & Marketing Director) ihre Rolle als Partner des Handels – vor, während und nach der Corona-Krise.

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WatchPro: Vor knapp vier Jahren haben Sie die Position des Sales and Marketing Directors bei der TWC Uhren GmbH, jetzt ILG Germany, übernommen. Was hat Sie daran besonders gereizt?

Matthias Zarbock: Nun, zum einen die ausgezeichnete Markenvielfalt und zum anderen die enorme Stärke der ILG mit weltweitem Engagement und aufregenden Eigenmarken sowie Lizenzmarken in den Bereichen Uhren, Schmuck und Accessoires, von Brille bis Optik. Insgesamt verfügt die International Luxury Group über ein Markenportfolio von 20 Uhrenmarken, sechs Marken im Bereich Accessoires, 21 Brillenmarken und elf Parfümmarken.

Mit einem logistischen Netzwerk, das Amerika, Europa, Afrika, den Mittleren Osten und Asien abdeckt, erreicht sie höchste Effizienz. So profitieren auch unsere Handelspartner von unserem breit gefächerten Angebot: von klassischen Sportuhren der Qualitätsmarke Swiss Military Hanowa bis hin zu Fashion- und Lifestyle Marken wie Police, IceWatch, Timberland und vielen mehr.

WatchPro: Damals sagten Sie: „Der Ausbau der Markenpräsenz in den Social-Media-Kanälen wird unter anderem im Fokus meines neuen Aufgabenfeldes stehen.“ Ist es dabei geblieben, oder welche anderen Schwerpunkte haben sich ergeben?

Matthias Zarbock: Ja, selbstverständlich. Das Thema Social Media ist nach wie vor sehr wichtig für uns. Wir haben sehr viele positive Erfahrungen gesammelt und bauen unsere Online-Aktivität gemeinsam mit den einzelnen Marken weiter aus.

Natürlich stärken wir auch unsere Point Of Sales mit besonderen Dekorationen und kostenloser Schaufensterbeklebung und ansprechenden Banneraufmachungen oder Leuchtreklamen. Wir berücksichtigen jede Idee unserer Fachhändler und versuchen stets, jegliche Wünsche für Werbung zu erfüllen.

WatchPro: Wir haben uns das letzte Mal auf der Inhorgenta 2020 gesprochen. Damals schien Corona noch weit weg. Wie ist die ILG mit dieser Herausforderung umgegangen?

Claudia Kühn: Seit Beginn von Corona sind wir zu jeder Zeit für unsere Kunden erreichbar. Trotz vorübergehend kleinerer Belegschaft ist unser Office an jedem Werktag besetzt, Lieferungen verlassen unser Lager in gewohntem Tempus, und Anfragen per E-Mail oder über unsere Homepage werden wie üblich rasch und sorgfältig bearbeitet. Das ist uns sehr wichtig. Viele unserer Kunden konnten wir sogar mit einer Verlängerung des Zahlungsziels unterstützen.

Uns kam zugute, dass wir bis zum Lockdown am 18. März 2020 ein wirklich gigantisches erstes Quartal erreicht haben. Gerade auf der Inhorgenta durften wir viele neue Kunden für uns gewinnen. Deshalb hat uns die Krise bis heute weniger hart getroffen als einige andere Firmen, welchen wir eine gute und schnelle Erholung wünschen.

Jedoch mussten wir wie fast alle Firmen in unserer Branche den Außendienst zu 100 Prozent in Kurzarbeit gehen lassen, um Kosten zu senken. Trotz dieser Kurzarbeit stehen wir eng im Kontakt zu unseren Außendienstmitarbeitern, die uns regelmäßig über die Entwicklung der Geschäfte in der aktuellen Situation informieren.

Leider wird unsere Branche wohl noch viel Zeit benötigen, um auf das Niveau von vor Corona zurückzukehren. Daher gilt es nun, noch mehr als zuvor, zusammenzuhalten und das Beste aus diesen und zukünftigen Zeiten zu machen und kleine sowie große Hürden gemeinsam zu meistern.

WatchPro: Welche Rückmeldungen haben Sie in den letzten Wochen von Ihren Partnern aus dem Handel bekommen? Überwiegt eher Pessimismus oder Optimismus?

Matthias Zarbock: Beides. In den Geschäften an der Küste und in den deutschen Urlaubsregionen sowie in den großen Top-Shopping-Centern ist die Stimmung ausgesprochen optimistisch. Auch ländlich gelegene Juweliere sind guter Dinge und sehr zuversichtlich. Trauringe und Service sind hier ein großes Thema, Fashion Produkte bis 250 Euro sind ebenfalls gut gefragt. Aber das ist leider nicht überall so.

WatchPro: Was benötigt die Branche aktuell, um die Krise zu überwinden? Was macht ILG, um gemeinsam mit den Handelspartnern wieder auf Kurs zu kommen?

Claudia Kühn: Als erstes brauchen beide Seiten – Industrie und Händler – viel Geduld und Ausdauer. Niemand weiß, wie lange die wohl schwerste Krise, die wir derzeit durchmachen, noch andauert.

Die Industrie sollte Vorgaben wie „Neuheiten nur als Paket zu verkaufen“ unbedingt vermeiden. Wir sollten alle gemeinsam enger Zusammenrücken und Zugeständnisse machen. Das war uns bei der ILG schon immer wichtig, und hier werden wir uns auch sicherlich noch verbessern.

Ich sehe hier keine Pauschallösung für alle unsere Kunden, wichtig ist es jetzt, jedem einzelnen Kunden mehr Aufmerksamkeit zu schenken und zu versuchen, auf seine individuellen Wünsche einzugehen. Das wird unser Weg sein.

Matthias Zarbock: Darüber hinaus nutzen wir alle Möglichkeiten, die zum Beispiel im Rahmen des Konjunkturprogramms der Bundesregierung unseren Kunden Erleichterungen bringen können. Ganz aktuell haben wir eine Kampagne rund um die Mehrwertsteuersenkung gestartet. Für fast alle unsere Marken haben wir die UVPs um zehn Prozent bis zum Ende des Jahres reduziert, natürlich bei entsprechender Anpassung der Einkaufspreise für den Juwelier, sodass dieser seine Marge behält. Ausgenommen davon sind nur Augner und Ice-Watch.

Hintergrund ist der Gedanke, dass eine Vergünstigung um drei Prozent nicht unbedingt ausreichen wird, um die Lust auf Uhren ordentlich anzukurbeln beziehungsweise zusätzliche Verkäufe zu generieren. Flankiert wird das ganze von einer kleinen Marketingaktion für das Schaufenster, mit der der Endkunde auf diese temporäre Mehrwertsteuer-Kampagne hingewiesen wird.

WatchPro: Mit September letzten Jahres wurde die TWC Uhren GmbH nach 18 Jahren zur ILG Germany GmbH. Was hat sich dadurch geändert?

Matthias Zarbock: Eigentlich nur der Name. Das Team ist das gleiche. Seit September 2019 schmückt die Marke Ice-Watch unser Portfolio, was aber nichts mit der Namensänderung zu tun hat. Für die ILG Group war es sehr wichtig, dass alle Niederlassungen wie die TWC Uhren GmbH, die Ende 2015 von der ILG Group gekauft wurde, nun auch in ILG umbenannt werden. So gibt es jetzt die ILG Germany, die ILG Switzerland und so weiter.

WatchPro: Die ILG zeichnet sich durch eine enorme Markenvielfalt aus. Kommt es da nicht unweigerlich zu Überschneidungen hinsichtlich Preissegment, Design, Qualität, Zielgruppe usw.?

Claudia Kühn: Wenn Sie unser Markenportfolio in Deutschland genau betrachten, so können Sie feststellen, dass wir uns klar durch unterschiedliche Verkaufspreise, Designs und Zielgruppen abtrennen.

WatchPro: Im Herbst vergangenen Jahres kam der Vertrieb für Ice-Watch hinzu. Die Marke löst eigentlich bei jedem in der Uhrenbranche eine reflexartige Reaktion aus – von negativ bis positiv. Können Sie das verstehen?

Matthias Zarbock: Glücklicherweise hören wir nur sehr selten Negatives über die Marke. Viele Händler sind sehr glücklich darüber, dass der Vertrieb nun in unseren Händen liegt.

Die Marke Ice-Watch ist nach wie vor sehr stark im deutschen Markt und hat sich neben Swiss Military Hanowa und Police zu einem dritten Standbein entwickelt. Ice-Watch hat ein gigantisches Image beim Endverbraucher – das sorgt dafür, dass viele unserer Ice-Watch-Kunden zwischen 150 bis 200 Uhren im Jahr verkaufen.

WatchPro: Was haben Sie seit März getan, um möglichst nur noch positive Reaktionen auf IceWatch zu bekommen?

Claudia Kühn: Neben wirklich starken Kampagnen in allen Social-Media-Kanälen haben wir bei unseren Ice-Watch-Partnern Lagerbereinigungen durchgeführt. Im Verhältnis 2. zu 1, also zum Beispiel 500 Euro Rücksendung und 1.000 Euro neue Bestellung. Das kam sehr gut an.

WatchPro: Ist die Rechnung aufgegangen? Welches Feedback bekommen Sie vom deutschen Fachhandel auf Ice-Watch?

Matthias Zarbock: Ja, voll und ganz. Wenn ich ehrlich sein darf, habe ich so ein großes Potenzial absolut nicht erwartet.

WatchPro: Solar, Nachhaltigkeit und Ice-Watch – wie passt das zusammen?

Claudia Kühn: Die ganze Welt wird aufmerksamer, nachhaltiger. Der Kunde von heute erwartet das auch in Bezug auf Fashion und Lifestyle. Mit den Solar-Uhren von Ice-Watch erfüllen wir diesen Wunsch nach Nachhaltigkeit in Kombination mit Mode, Farben und Styles in einer angemessenen Preisklasse von 99 Euro.

WatchPro: Seit der Inhorgenta gehört auch die Marke Ducati zum Portfolio der ILG. Wodurch zeichnen sich die Uhren aus?

Matthias Zarbock: Das Design der Ducati-Uhren orientiert sich an der Technologie der Fahrzeuge und schenkt uns ein sportliches Modeaccessoire mit der Ducati-DNA. Eine einzigartige Uhrenkollektion zur Ergänzung der aktuellen Linie der Motorradmarke.

WatchPro: Gibt es weitere Veränderungen im ILG-Portfolio?

Claudia Kühn: Im Moment optimieren wir unser Portfolio und haben vor kurzem unsere Kunden darüber Informiert, dass wir den Distributionsvertrag mit Morellato für Lederbänder nicht verlängern werden. Das ermöglicht uns mehr Zeit für unser aktuelles Markenportfolio und für unsere Kunden.

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Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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