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Wie kriminell war das Branchenjahr 2019?

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Das Kriminal-Präventionsnetzwerk für die europäische Uhren- und Schmuckbranche, der Internationale Juwelier-Warndienst WD, wertet jährlich die Taten und Taversuche auf Uhren- und Schmuckfachgeschäfte aus

Die aktuelle Kriminalstatistik für 2019 weist erfreulicherweise einen Rückgang der Taten und Tatversuche in Höhe von knapp 15 Prozent aus, nach einem Rückgang von gut 20 Prozent in 2018.
Die Gesamtrückgang ist vor allem auf über 27 Prozent weniger Einbrüche in 2019 gegenüber dem Vorjahr zurückzuführen, die Zahl der Raubüberfälle blieb in etwa identisch, Diebstähle nahmen hingegen um über zehn Prozent zu.

Trotz des starken Rückgangs bei Einbrüchen, verdoppelte sich die Zahl der Blitzeinbrüche mit PKW. Die anhaltend niedrige Anzahl an Raubüberfällen ist vermutlich auf den Fahndungsdruck der Polizeien in Europa und die weltweite Zusammenarbeit mit Europol und Interpol zurückzuführen.

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Außerdem haben viele Geschäfte in die Absicherung investiert. Ein Großteil der vom WD ermittelten Taten (57 %) wurde in Orten bis 100.000 Einwohner begangen, am häufigsten wurde an einem Mittwoch eine Tat begangen.

Einbrüche erfolgten meistens zwischen drei und vier Uhr nachts, Raubüberfälle zwischen 11 und 13 Uhr und Diebstähle zwischen 15 und 16 Uhr. In den Monaten Februar wurden die meisten Taten begangen, am stärksten betroffen war NRW.

Die aktuelle Lage in 2020

Auch in diesem Jahr setzt sich der rückläufige Trend mit einem vermutlich erheblichen Rückgang der Taten und Versuche, weiter fort. Verstärkt wird dieser positive Trend im Zuge der Corona-Krise noch zusätzlich durch die zeitweilige Schließung der Grenzen beziehungsweise die strengen Grenzkontrollen, den wochenlangen Lockdown der Bevölkerung und den Shutdown der Geschäfte.

Da die meisten Täter in unserer Branche aus Ost- und Südosteuropa kommen, entfielen so die schnelle Ein- und Ausreise- beziehungsweise Fluchtmöglichkeit via PKW, Reisebus etc. Durch den Shutdown der Geschäfte waren nur noch Einbrüche möglich. Da viele Geschäfte die offenen Auslagen erheblich verringert hatten, ging auch dies zurück.

Stattdessen werden immer häufiger ältere Menschen um Schmuck, Uhren und Ersparnisse gebracht. Professionelle, organisierte, ausländische Banden wenden dazu den Enkeltrick und Varianten davon an und geben sich als Polizisten, Stadtwerke- oder Telekommitarbeiter usw. aus.

Mit dem Ende des Shutdowns und der aktuellen Maskenpflicht im Einzelhandel muss sich die Branche auf „maskierte Kunden“ einstellen. Dies wird vermutlich auch von Tätern genutzt werden, die dann nicht nur eine Mund-Nase-Maske, sondern zusätzlich noch eine Kopfbedeckung und/ oder auch noch eine (Sonnen-)Brille zur Maskierung tragen.

Wir gehen davon aus, dass das Risiko für Juweliere Opfer einer Straftat zu werden mit Öffnung der Grenzen beziehungsweise dem Wegfall der verstärkten Kontrollen wieder erheblich steigen wird, da die Täter/ Gruppen fast zwei Monate keine „Einnahmen“ hatten!

Martin Winckel, Juwelier-Warndienst


Methode der 13. Kriminalitätsstatistik für die Uhren- und Schmuckbranche in Deutschland

Grundlage sind die vom Warndienst WD recherchierten und archivierten Straftaten, die im Jahr 2019 in der Branche für die Bundesrepublik Deutschland. Ausgewertet wurden nicht nur vollzogene Straftaten, sondern auch Tatversuche, da auch bei Versuchen zum Teil hohe Schschäden verursacht werden.

Es flossen all vorkommenden Desliktarten wie Diebstahl, Einbruch, Raub und Betrug in die Auswertung ein. Quellen des WD sind geschädigte Juweliere, die dem internationalen Netzwerk angehören. Sicherheitsunternehmen, die tatörtliche Polizei, Landes- und Bundeskriminalämter im In- und Ausland sowie Pressedienste im Internet. Ergänzt werden diese Quellen durch die Zusammenarbeit mit gleichartogen Diensten wie der WD in den Niederlanden, Frankreich, England, Kanada und den USA sowie Sicherheitsmanagern weltweit präsenter Unternehmen der Uhren- und Schmuckbranche.

Ausgewertet wurden für die Statistik 391 (375 ohne Betrug) Straftaten und Tatversuche auf Uhren- und Schmuckgeschäfte in Deutschland, Betrug wird in der grafischen Darstellung nicht mit aufgeführt.

Die Hauptaussagen der Statistik lassen sich – mit geringen und auch zeitlichen Verschiebungen – für die benachbarten Länder Österreich und Schweit übernehmen, da dort die gleichen Taten – zum Teil durch dieselben Täter und Tätergruppen – begangen werden.

Tags : BranchenkriminalitätDiebstahlEinbruchKriminalitätRaubTrickdiebstahlÜberfallWinckel
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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