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WatchPro-Trend-Prognosen 2021, Teil 5: Blockchain, Entscheidungen und Verschiebungen

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WatchPro hat die Entwicklungen 2020, die durch die Pandemie beschleunigt wurden, unter die Lupe genommen und wagt einen Ausblick auf das Jahr 2021.

Pantone hat für 2021 gleich zwei Farben zu den Colors of the Year gekürt: Illuminating (Gelb) und Ultimate Gray (Grau).

Man kann aber getrost davon ausgehen, dass die Uhrenhersteller vor allem Gelb eher als Akzentgeber verwenden und weiterhin in erster Linie Zifferblätter in den Farben Blau, Schwarz und Weiß auf den Markt bringen werden. Mit anderen Worten: Die wohlüberlegte Wahl der Farbexperten des Pantone Color Institutes ist eher als ein Symbol zu verstehen und als eine Reaktion auf ein Jahr voller Dramatik und Katastrophen. Sie ist weniger eine Vorhersage auf neue Stilrichtungen – zumindest was die Uhrenindustrie anbelangt.

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Das bedeutet aber nicht, dass sich die Uhrenindustrie nicht anderweitig bewegen und entwickeln wird. Dabei hat sie sich bereits im zurückliegenden Jahr stärker verändert als in jedem anderen Jahr seit der Quarzkrise in den 1970er-Jahren.

Zehn dieser „erzwungenen“ Trends stellen wir hier vor.

Hier finden Sie Teil,1 Teil 2, Teil 3 und Teil 4:

Teil 1: E-Commerce und Clienteling

Teil 2: Monobrand Stores und Alternativen zu Konzernmarken

Teile 3: Pop-ups und lokale Kunden

Teil 4: Influencer und Nachhaltigkeit


Blockchain

Teil der starken Nachhaltigkeitsgeschichte der Uhrenindustrie ist die lange Lebensdauer ihrer Produkte, und dass diese selbst nach Jahrzehnten wieder in einen einwandfreien Zustand versetzt werden können. Dies ist eine der wichtigsten Grundlagen für den gesamten Gebraucht-Uhrenmarkt mit einem geschätzten Wert von bis zu 20 Milliarden US-Dollar pro Jahr.

Je älter eine Uhr wird, desto unwahrscheinlicher ist es jedoch, dass Originalverpackung und -papiere mit einer eindeutig zuzuordnenden Seriennummer noch vorhanden sind, um die Echtheit und Herkunft zweifelsfrei belegen zu können. Beides ist aber von entscheidender Bedeutung für die Wertermittlung.

Auch Herstellern ist daran gelegen, dass ihre Gebrauchtuhren hohe Preise erzielt, weil dies häufig die Begehrlichkeit ihre neuen Uhren steigert. Außerdem möchten manche Marken auch schlicht und ergreifend direkt vom großen CPO-Kuchen profitieren.

Eine Möglichkeit, die sich zunehmend in der Uhrenbranche breit macht, um den Echtheits-Nachweis einer Uhr über Jahrzehnte nahezu fälschungssicher führen zu können, ist die Blockchain. Vacheron Constantin gehörte 2019 zu den Vorreitern in Sachen Blockchain, und Breitling stattet alle seine neuen Uhren seit Mitte Oktober 2020 mit einem digitalen Blockchain-Zertifikat aus.

Daneben kommen Dienstleister wie Adresta auf den Markt, die Blockchain-Zertifizierungen für Hersteller, Händler und Privatpersonen anbieten. Blockchain-Zertifikate schützen „den Markt vor Fälschungen und stärken das Vertrauen in die Uhrenindustrie – besonders im CPO-Markt, der ja immer mehr auch online stattfindet“, so Adresta-CTO Leonie Flückiger.


Verschiebungen & Entscheidungen

Bei allem Optimismus muss man davon ausgehen, dass 2021 ein Jahr der schwierigen Entscheidungen werden wird, und zwar darüber, wer in der Uhrenbranche überlebt und wer nicht. Denn 2020 war geprägt von Hochs und Tiefs, von Lockdowns und einem vorübergehenden Anziehen der Nachfrage im Sommer bis zum nächsten Lockdown im Dezember.

Aufgrund eines starken Uhrenjahres 2019 und eines guten Starts in das Jahr 2020 erwiesen sich viele Unternehmen der Branche – aus Handel und Industrie gleichermaßen – als überraschend robust, auch Dank der Möglichkeiten der Kurzarbeit und anderer staatlicher Unterstützungsmaßnahmen.

Natürlich mussten auch Federn gelassen werden, wie zum Beispiel bei der Schweizer Juwelierskette Bucherer, die im zurückliegenden Jahr über 200 Mitarbeiter entlassen musste. Laut einer Umfrage im Oktober 2020 unter Fürungskräfte der Schweizer Uhrenindustrie rechneten damals rund 85 Prozent mit trüben Aussichten.

Nichtsdestrotrotz wurde investiert und/ oder wurden Zukunftststrategien entwickelt. Omnichannel, Clienteling und Digitalisierung sind hier die die Schwerpunkte. Hinzu kommt, dass immer mehr Marken den Pre-owned-Markt nicht Plattformen wie Chrono24 oder Chronext allein überlassen wollen.

So hat beispielsweise Juwelier Bucherer neben gesonderten CPO-Bereichen in seinen Boutiquen im September letzten Jahres sein erstes Geschäft eröffnet, in der auschließlich Pre-owned-Uhren angeboten werden (Bild). Und Cartier nimmt seit Herbst 2020 Uhren der Marke beim Kauf eines neuen Cartier-Zeitmessers in Zahlung.

2021 wird völlig anders als das Jahr 2020 werden. Zum einen sind die öffentlichen Fördertöpfe nicht mehr allerorten prall gefüllt. Und nicht nur niemand weiß, wann das öffentliche Leben genau wieder losgehen wird, auch wie es sich gestalten wird und wie Menschen sich verhalten werden, ist kaum vorhersehbar.

Bezogen auf die Uhrenbranche heißt das, dass niemand weiß, ob tatsächlich ein Nachholbedarf besteht beziehungsweise, ob dieser sofort befriedigt wird. Wenn ja, stellt sich die nächste Frage: Wo und mit welchen Prioritäten wird gekauft werden? Nach den Lockdowns verstärkt wieder offline im stationären Geschäft, verbunden mit dem Wunsch nach persönlichen Kontakten? Oder, da es doch eigentlich ganz gut geklappt hat, weiterhin online?

Und verschieben sich tatsächlich dauerhaft die Vorlieben tatsächlich von Prestige hin zu Nachhaltigkeit und Zeitlosigkeit, wie es so viele prophezeien? Sicher weiß das niemand.

Eines aber ist sicher: das durch dieses unvergleichliche Corona-Jahr veränderte Konsumentenverhalten wird sich zeitversetzt in Verschiebungen bei Industrie und Handel widerspiegeln. Dabei wird es auf beiden Seiten Gewinner und Verlierer geben.

Georges Kern zählt dabei die Nischenanbieter und kleineren Marken nicht dazu. „Eine (…) Corona-Folge wird sein, dass es viele kleine Nischenanbieter schwer haben werden. International und breit aufgestellte Marken werden gewinnen.“

Loek Oprinsen hat eine ganz andere Sichtweise und widerspricht damit auch Branchen-Urgestein und -kenner JeanClaude Biver: „Mit großem Interesse habe ich das Interview mit Jean-Claude Biver gelesen, in dem er erklärte, dass die großen Uhrenmarken während dieser von Covid-19 betroffenen Zeiten Marktanteile von den kleineren Marken übernehmen können. Ich respektiere Biver und seine Arbeit sehr, aber in dem Punkt stimme ich überhaupt nicht ihm überein, im Gegenteil. (…) Große Marken/ Gruppen konzentrieren sich auf ihre eigenen Boutiquen, Franchise-Boutiquen, ihre eigenen Online-Portale und im Fachhandel nur auf die großen Filialisten. Die kostspielige Großhandelsstruktur wird verringert. Das Vakuum, das sie durch den Rückzug aus dem unabhängigen Einzelhandel erzeugen, wird von kleineren Uhren- und Schmuckmarken übernommen werden.“

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