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Watchmaster-CEO Tim-Hendrik Meyer: „Lange Wartelisten spielen bei uns keine Rolle.“

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Watchmaster, 2015 als Start-up gegründete Berliner E-Commerce-Plattform für certified pre-owned Luxusuhren, hat Ende letzten Jahres erstmals die Gewinnzone erreicht, nachdem das Coronajahr 2020 dem Unternehmen ein Umsatzwachstum von 50 Prozent beschert hatte.

Nun hegt Watchmaster Expansionsstrategien und streckt die Fühler nach dem Retail-Geschäft aus. Was es damit auf sich hat, verriet CEO Tim-Hendrik Meyer im Gespräch mit WatchPro.

WatchPro: Sie haben im Krisenjahr 2020 ein deutliches Umsatzwachstum erwirtschaftet. Worauf führen Sie das zurück?

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Tim-Hendrik Meyer: Viele Menschen erkennen in so unsicheren Zeiten Sachwerte als sichere Geldanlage an. Wir haben davon profitiert, dass das stationäre Geschäft für rund drei Monate geschlossen war. So konnten wir klassische Offline-Käufer von den Vorteilen eines Online-Kaufes überzeugen.

Zusätzlich spielt uns die Spezialisierung auf ausschließlich certified pre-owned Luxusuhren in die Karten: Anders als bei Neuware können wir auf Marktentwicklungen deutlich besser reagieren. Wir sind nicht auf die Überproduktion der Hersteller angewiesen und können für unsere Kunden gezielt präferierte Modelle beschaffen.

Lange Wartelisten spielen bei uns keine Rolle. Und auch der Preisunterschied sollte nicht unerwähnt bleiben: Wie beim Autokauf ist es bei den meisten Luxusuhren so, dass ein paar Jahre alte Modelle qualitativ so gut wie neu sind, aber deutlich weniger kosten.

Diese Kunden – ich nenne sie Smart Buyer – haben erkannt, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis bei gebrauchten Luxusuhren besser ist.

WatchPro: Nach dem Überschreiten des Break-Even ist Watchmaster nun mitten in einer Expansionsphase. Als Folge des Brexit haben Sie zum Beispiel in London eine Niederlassung eröffnet. Wie wichtig ist für Watchmaster des Geschäft mit Großbritannien und warum ist es nach dem Verlassen der EU so massiv eingebrochen?

Tim-Hendrik Meyer: Großbritannien ist für uns neben Deutschland und Frankreich einer der drei wichtigsten Märkte. Der Brexit führte dazu, dass der Handel von gebrauchten Gütern zwischen dem Vereinigten Königreich und EU-Ländern aufgrund der nicht mehr geltenden Differenzbesteuerung quasi zum Erliegen kam.

Zwei Zahlen vor und nach dem Brexit veranschaulichen den Unterschied sehr deutlich: Im ersten Quartal 2020 trug UK mit 30 Prozent zum Gesamtumsatz bei, im ersten Quartal dieses Jahres waren es null Prozent.

Um für unsere britischen Kunden wieder attraktiv zu sein, bieten wir als erster Händler aus der EU ein eigenes Sortiment vor Ort an. Die zusätzliche Besteuerung entfällt. Nicht nur der unabhängige Binnenmarkt UK an sich ist für uns interessant.

Wir haben darüber hinaus die Hoffnung, dass sich neue Märkte durch künftige Handelsabkommen mit anderen Ländern auftun.

WatchPro: Zeigt sich schon ein Positiv-Trend durch Ihre Präsenz in Großbritannien?

Tim-Hendrik Meyer: Auf jeden Fall. Im Juli 2021 konnten wir 70 Prozent des Vorjahres-Umsatzes in UK erwirtschaften, und das trotz eines noch viel kleineren Inventars als im Vorjahr.

WatchPro: Zur Expansionsstrategie gehört auch die Eröffnung stationärer Geschäfte wie in London und Paris. Sie begründen das damit, dass Sie mit lokaler Präsenz das Wachstum in den jeweiligen Märkten beschleunigen wollen. Aber spielt sich der Secondhand-Markt mit Uhren nicht in erster Linie online ab?

Tim-Hendrik Meyer: Mit unserer lokalen Präsenz möchten wir unseren Kunden die Möglichkeit bieten, die Uhr vor dem Kauf live zu erleben und sich beraten zu lassen. Außerdem erreichen wir damit neue Zielgruppen, die weniger online-affin sind und traditionell ein Ladengeschäft bevorzugen.

Mit einem Multichannel-Ansatz haben wir die Möglichkeit, unsere Kunden entlang der Customer Journey zu begleiten und zu informieren: Ob bei einer Recherche im Internet, unterwegs per Smartphone oder neuerdings vor Ort im Geschäft. Stationärer Handel und E-Commerce ergänzen sich an vielen Schnittstellen.

WatchPro: Wie sieht eigentlich der typische Watchmaster-Kunde aus? Männlich und mittelalt?

Tim-Hendrik Meyer: Der typische Watchmasterkunde ist männlich (84 Prozent), spricht Englisch (45 Prozent) oder Deutsch (33 Prozent) und hat ein Durchschnittsalter von 46 Jahren. 66 Prozent geben laut einer internen Umfrage ein Einkommen von 4.500 Euro oder mehr an.

WatchPro: Eine der Top-Marken im Secondhand-Bereich ist Rolex. Wie sieht die Preisentwicklung hier aus?

Tim-Hendrik Meyer: Wir glauben, dass sich das Wachstum des pre-owned Luxusuhren-Marktes in den nächsten zwölf Monaten weiter beschleunigt. Das Gerücht, dass Rolex die Primärmarkt-Produktion erhöht, dürfte zu einer Preisanpassung bei pre-owned Modellen führen.

Wir gehen davon aus, dass die Preise für gebrauchte Rolex-Uhren stagnieren oder sogar leicht sinken, was zu einer größeren Ziel-Kundenbasis und damit zu einem wachsenden Gesamtmarkt führt.

WatchPro: Wie beurteilen Sie die zum Teil irrwitzen Preise, die auf Secondhand-Plattformen, aber vor allem auch auf Auktionen für Pre-owned-Uhren erreicht werden. Droht da eine Blase, die irgendwann platzen könnten?

Tim-Hendrik Meyer: Wir gehen davon aus, dass sich die Preise auf den Top-Sellern mit steigender Produktion wieder normalisieren. 1.2 mal Listenpreis beim Verlassen des Ladens wird langfristig keinen Bestand haben. Hohe Preise bei Vintage-Modellen werden bleiben und noch weiter steigen.


Watchmaster

Die Watchmaster ICP GmbH mit Sitz in Berlin wurde 2015 gegründet und beschäftigt rund 70 Mitarbeiter. Mitglieder des Managements sind Tim-Hendrik Meyer, Michael Loretz, Robert Morlock und Ronny Ahlswede.

Das E-Commerce Unternehmen für certified pre-owned Luxusuhren prüft jedes Modell in der hauseigenen Uhrmacherwerkstatt auf Funktion und Echtheit.

Mit über 2.000 Modellen ist das Unternehmen einer der Hauptakteure Europas im Handel mit zertifizierten und gebrauchten Luxusuhren. Neben einer großen Auswahl an Luxusuhren aus zweiter Hand von namhaften Herstellern umfasst das Angebot begehrte Sammlerstücke und seltene Vintagemodelle.

Im Dezember 2020 erreichte das Unternehmen den Break-even-Point. Im Juni hat Watchmaster ein Büro und im August einen Showrrom in London eröffnet. Im Juli wurde außerdem das Unternehmen Montres Modernes et de Collection (M.M.C) mit stationärem Ladenlokal in Paris übernommen. Seit 30 Jahren führt M.M.C High-end-Luxusuhren aus zweiter Hand von Marken wie Rolex, Patek Philippe oder Audemars Piguet. Hinzu kommt ein Showroom in französischen Hauptstadt.

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