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Unbestechliches Grundbuch und digitaler Safe für Luxusuhren

Blockchain

Blockchain – alle haben schon einmal davon gehört oder gelesen. Manche verstehen, was damit gemeint ist, manche glauben es zumindest und andere winken bei dem Begriff gleich ab. Mittlerweile hat diese digitale Technologie auch die Uhrenwelt erreicht.

Zu den markenunabhängigen Vorreitern gehört das Unternehmen Clockchain Systems GmbH, das geich die ganze Branche ins Visier genommen hat: Marken, Hersteller, Handel und Uhrenenthusiasten. Geschäftsführer ist Torsten Bonikowski, der als selbständiger Berater, Projektleiter und Interim-Manager IT-Erfahrung seit 1988 mitbringt und das Internet seit der ersten Minute in Deutschland miterlebt und zahlreiche Projekte mitgestaltet hat.

Im Gespräch mit WatchPro Deutschland erläutert er, was die Blockchain überhaupt ist: „Die Blockchain bezeichnet eine neuartige Technologie, mit der es möglich wird, jegliche Art von Information in einer öffentlich einsehbaren Datenbank zu speichern, zu verarbeiten, zu teilen und zu verwalten. In einer kontinuierlichen Liste von Datensätzen, den sogenannten Blocks, werden diese mittels der Kryptographie verkettet. Manipulationen sind nicht möglich.“

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Bonikowski hält die Blockchain für die größte wirtschaftliche Innovation der jüngsten Zeitgeschichte und unterstreicht dies mit einem Zitat aus dem Buch „Die Blockchain-Revolution“:

„Die Blockchain ist ein unbestechliches digitales Hauptbuch von wirtschaftlichen Transaktionen, das so programmiert werden kann, dass es nicht nur finanzielle Transaktionen, sondern praktisch alles von Wert erfasst.“

Also auch Uhren. Und so wurde Ende 2018 die Idee für Clockchain geboren. Bonikowski betont ausdrücklich, dass es dabei nicht um das Thema Bitcoin oder Bitcoin-Schürfen geht, sondern um die industrielle Anwendung der Blockchain-Technologie im Sinne des Industrie-4.0-Gedankens. Sprachlich analog zum Immobilienmarkt ist so ein „Grundbuch für Luxusuhren“ entstanden, welches „die digitale Zertifizierung von Uhren ermöglicht, ein vertrauenswürdiges Register für Käufer und Verkäufer bietet und Marktineffizienzen eliminiert“, so Torsten Bonikowsi.

Warum ist Blockchain überhaupt für den Markt mit Luxusuhren interessant? „Zur Zeit gibt es keine zentrale und fälschungssichere Datenbank“, stellt er klar. „Selbst große Marken sind hier erstaunlich weit zurück. Die Digitalisierung ist in der Uhrenbranchen nicht wirklich angekommen.“

Clockchain sei eine der ersten Aktivitäten, die die technische Umsetzung auf Basis der Blockchain-Technologie angegangen ist, führt Bonikowski weiter aus. Ziel ist eine markenübergreifende, zentrale Datenbank.

„Die Grundlagen sind geschaffen und verfügbar, selbst kleinere Hersteller und Händler könnten ohne nennenswerte Investitionen am für alle Markteilnehmer vorteilhaften Projekt teilnehmen.“

Der Vintage-Markt mit seinen zum Teil abenteuerlichen Preisen ist einer der Ansatzpunkte.

„Für den Markt mit Vintage-Uhren kann Clockchain eine fälschungssichere Dokumentation gewährleisten und so den Wert der Uhren „extrem“ steigern.“ Eine solche Dokumentation würde zum Beispiel Vorbesitzer, Wartungen oder Reparaturen zuverlässig erfassen. Sinnvoll ist dies vor allem für Uhren oberhalb der 1.000 €-Grenze, so der IT-Experte. Dies ist eine Erkennntnis aus der Datenerhebung von Responsio (WatchPro Feb./2020).

Das Clockchain-Konzept umfasst Nutzungs-Möglichkeiten für Hersteller, Off- und Onlinehändler und private Uhrenbesitzer. Grundsätzlich steht das Produkt also jedem zur kostenlosen Registrierung einer Uhr im digitalen Clockchain-Datentresor zur Verfügung, inklusive des Hochladens von Originaldokumenten wie Kaufbelege und Zertifikate sowie Bildern. Auch das Suchen nach einer Uhr ist in der „Gratis“-Variante möglich.

Darüber hinaus gibt es die kostenpflichtigen Versionen „Gold“ und „Diamant“.

Bei „Gold“ können fünf Uhren angelegt, Originaldokumente sowie Bilder hochgeladen werden, und man kann nach einer bestimmten Uhr suchen. Hinzu kommt die Clockchain-Zertifizierung, der Zugriff auf Clockchain-Meisterwerkstätten und ein Versicherungsschutz.

All das bietet die „Diamant“-Version auch, außerdem das Registrieren beliebig vieler Uhren und die Mitgliedschaft im Clockchain-Ownersclub mit Events und exklusiven Angeboten. Hier geht es also um weit mehr, als die bloße Registrierung.

„Hersteller können mittels Clockchain ohne große Investitionen und zeitlichen Vorlauf ein zentrales Luxusuhren-Register etablieren und so gemeinsam mit anderen Marken den Kampf gegen Plagiate aufnehmen, um so das Vertrauen in die Luxusuhrenindustrie wieder zu stärken“, erläutert Bonikowski.

Seiner Meinung nach kann die Blockchain so nicht nur dem einzelnen Vorteile bringen, sondern der ganzen Branche.

„Je mehr Hersteller, Händler und Privatbesitzer Clockchain nutzen, desto einfacher wird es, die Produktion und den Verkauf von Fakes zu minimieren, da durch die hinterlegte Historie einer Uhr der gesamte Markt transparenter wird.“ Zudem könnten Hersteller über Clockchain ihren Kunden schnell und unkompliziert Zertifikate digital „nachliefern“. Dafür benötigt man keine gesonderten IT-Kenntnisse, verspricht Torsten Bonikowski. Auch die Einrichtung eines individualisierten Owners-Club ist möglich, exklusiv nur für die Kunden der Marke.

Was für die Hersteller gilt, gilt im Prinzip auch für Händler. Kundenbindung und -gewinnung durch das Angebot der Clockchain-Zertifizierung ist dabei ein wichtiger Aspekt. Und Verifizierungen von Uhren bei Transkationen auf dem Marktplatz der Plattform bringt dem Händler zusätzlichen Umsatz. Selbstverständlich können sie diesen auch selbst für Käufe und Verkäufe nutzen.
Bei einem Diebstahl kann die betreffende Uhr als solche gekennzeichnet werden, was das Aufdecken der Tat erleichtert, da man bei einem verdächtigen Angebot die Uhr sofort in der Blockchain überprüfen kann.

Je nach Version werden also eine Menge mehr oder weniger persönliche Daten in der Blockchain registriert. Im Falle von Clockchain im sogenannten Stellar-Netzwerk, einem Open-Source-Protokoll, bei dem sich verschiedene Server verbinden und miteinander kommunizieren. So entsteht ein globales Netzwerk von Servern. Jeder speichert einen Datensatz aller Accounts im Netzwerk. Diese Datensätze werden wiederum in einer Datenbank namens Ledger, dem Hauptbuch, gespeichert und alle zwei bis vier Sekunden mit den Datensätzen auf den vernetzten Servern abgeglichen. Dieser Prozess wird Consensus genannt und macht eine Daten-Manipulation nahezu unmöglich.

Es gibt verschiedene Blockchain-Typen, von solchen, bei denen die Daten für alle einsehbar sind bis hin zu zugangsgeschützten Versionen. Bei Clockchain sind nur wenige Informationen öffentlich sichtbar. Der registrierte Nutzer kann selbst entscheiden, welche Daten seiner Uhr ein anderer Marktteilnehmer einsehen darf beziehungsweise welche Daten beim Verlauf der Uhr sozusagen mitgegeben werden.

„Hier werden wir im Laufe des Projektes noch interessante Features entwickeln.“

Tags : BlockchainClockchainIndustrie 4.0pre-ownedSecondhandvintage
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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