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Uli Glaser: „Es gibt Zeitmesser und es gibt Uhren.“

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Von Normen à la, so macht man das eben, hält der Hamburger Designer, Goldschmied und Uhrenkreateur Uli Glaser nicht viel. Er arbeitet nicht nach vermeintlichen Konventionen, die besagen, wie ein Uhr zu sein hat oder wie eine historische Uhr restauriert werden sollte.

Uli Glaser arbeitet nach seinen ganz eigenen Vorstellungen und Prinzipien. Und die haben nicht allzu viel mit der Wiederherstellung des ursprünglichen Originalzustandes einer Uhr zu tun, wie es in der Regel bei historischen Exemplaren der Fall ist.

Bei ihm entsteht aus historischer Werktechnik etwas ganz Neues und definitiv Außergewöhnliches. Und das ist eigentlich viel komplizierter, als den Ursprungszustand nach klaren Vorgaben wieder herzustellen. Denn Alt passt nicht immer zu Neu, und damit ist nicht (nur) das Optische gemeint, sondern es geht vor allem auch um Technik, Materialien und deren Eigenschaften.

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Jede Uhr hat zwei Kennungen: Zum einen die des vom Original-Hersteller signierten und mit Nummer versehenen Uhrwerks. Zum anderen erhalten die von Glaser gefertigten Gehäuse eine separate Signatur. Um Fälschungen vorzubeugen, sichert außerdem ein offizielles Ursprungszertifikat des Herstellers die Echtheit. Bei seiner Arbeit ist Respekt immer die oberste Leitlinie:

„Die wahre Wertschätzung für Uhrwerke meisterlicher Manufakturen aus längst vergangenen Zeiten ist für uns der Anspruch, um mit Ambition sowie Respekt und in handwerklicher Perfektion einzigartige Neuinszenierungen zu schaffen.“

Das Ergebnis sind die unvergleichlichen Zeitmesser seine Uhrenmarke JTP unique.

„Unser Anspruch ist es nicht, Vergleichbares zu schaffen, sondern Einzigartiges“, lautet die selbstbewusste Devise von Uli Glaser. Dabei spricht er bei seinen Kreationen eigentlich nicht gern von Zeitmessern.

„Es gibt Zeitmesser und es gibt Uhren. Uhren sind mechanisch“, betont er. Und um letztere geht es ihm ausschließlich.

Und dafür greift er weit zurück in die Geschichte der Uhrmacherei. 100 Jahre dürfen die Uhrwerke gern schon auf dem Buckel haben, bevor sie ihre neue Heimat in einem von Uli Glaser designten Gehäuse bekommen. Außerdem schätzt er die Provenienzen renommierter Manufakturen wie Jaeger-LeCoultre, IWC, Zenith, Bulova, Glashütte Original, Patek Philippe und Lange & Söhne.

Deren ehemaligen schützenden Gold-Gehäuse existieren in der Regel nicht mehr, da sie in der Weltwirtschaftskrise und im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen wurden.

„Es gibt kaum Taschenuhren der legendären Meistermanufaktuen, die diese Zeit als ganzes im Original überlebt haben. Zum Glück blieben uns aber zumindest die Werke der damals in kleinsten Serien produzierten Uhren mit ihrer überragenden Qualität erhalten“, erläutert Glaser.

Und diesen verleiht er ein neues, maßgeschneidertes Gewand in Form eines individuellen Gehäuses und entsprechenden Armaturen. Dabei verwendet er gerne ebenfalls historische Zifferblätter und passt die Werktechnik entsprechend an. Diese uhrmacherische Verbindung von Technik und Materialität verschiedener Epochen machen die Uhren von Uli Glaser so besonders – und zugleich kompliziert in der Herstellung.

„Die Arbeit mit diesen historischen Schätzen stellt einen Designer vor ganz neue Herausforderungen. Es ist mir ein großes Anliegen, die Uhrwerke durch die Gestaltung der Gehäuse zu würdigen und nicht mit extravagantem Design zu verfremden.“

Die so aufbereiteten Kunstwerke der Zeit werden mit einer fünfjährigen Garantie an ihre neuen Besitzer übergeben. Diese können sich dank der kompletten Revision der Uhrwerke auf eine Ganggenauigkeit zwischen fünf und 30 Sekunden pro Tag verlassen, je nach Alter des Uhrwerkes.

Jetzt mag man das ein oder andere Modell aus der Hamburger Uhrenschmiede durchaus als extravagant empfinden, aber das ist immer auch eine Frage der Sehgewohnheiten und des Geschmacks. Zumal die meisten Uhren auf Wunsch in enger Absprache mit den Kunden entstehen.

Fraglos beeindruckend ist jedoch das Können bei der Umsetzung dieser Wünsche und Vorstellungen. Denn ein jahrzehntealtes Werk lässt sich nicht so ohne weiteres mit einem Gehäuse aus der Gegenwart oder einem individualisiertem historischen Zifferblatt samt neuem Zeigersatz kombinieren.

Die Anzeige der richtigen Uhrzeit würde dabei jedenfalls meistens nicht herauskommen. Denn ein Werk von damals war beispielsweise für ganz spezielle Zeiger mit einem ganz spezifischen Gewicht gedacht. Und auch das Achsenkreuz 12, 6, 3, und 9 ist bei historischen Zifferblättern nicht immer exakt, das gilt auch für deren Radius, Kreisform und Wölbung.

„Diese Zifferblätter, zum Beispiel von Tarts, Graham oder Isaac Thompson, sind wunderschön und echte Kunstwerke, aber wenn du sie mathematisch nachmisst, sind sie alles andere als perfekt. Da muss man jedes Gehäuse von Hand an der Drehbank fertigen.“

Zudem handelt es sich in der Regel um Werke aus alten Taschenuhren, die dank Uli Glaser ihr zweites Leben in einer Armbanduhr verbringen – mit einer völlig anderen Anordnung der Funktionen. All das muss in aufwendiger Handarbeit angepasst und justiert werden.

„Das ist manchmal ganz schön tricky“, erläutert er diese Arbeit, die er auch als Time Fusion bezeichnet. „Wenn man eine historische Uhr beziehungsweise ein historisches Werk vor sich hat, muss man sich klar machen, dass zum Beispiel die Federstähle am Ende des 18. Jahrhunderts ganz andere waren als die, die wir heute verwenden. Das heißt, dass man nicht einfach eine Uhrfeder von heute einbauen kann, denn die Stähle von heute haben eine ganz andere Konsistenz und dementsprechend eine andere Spannkraft. Da fliegt dir im schlimmsten Falls das ganze Uhrwerk um die Ohren. Ein anderes Beispiel ist Messing, das bei alten Modellen nicht immer so exakt legiert wurde wie heute, was dazu führt, dass irgendwann die Zahnräder blockieren, dann geht nichts mehr.“ All das und noch vieles mehr muss er bei seinen Uhren berücksichtigen. Dabei ist er kein gelernter Uhrmacher.

„Das sind alles Spezifiken, die ich seit meiner Kindheit über die ur- und großväterliche Generation erlebt und über meine Schmuckausbildung, das Studium und die Selbstständigkeit erlernt habe. So konnte ich viele Spezialkenntnisse erwerben. Das ist wichtig, denn man muss seine Kunden genau darüber informieren, was auf sie zukommt, dass aus einem 600-Euro-Werk schon mal eine 10.000-Euro-Uhr werden kann.“

Aber allein auf seine Erfahrung und autodidaktischen Fähigkeiten verlässt Glaser sich dann doch nicht. „Ich habe einen Partner, der Uhrwerktechnik gelernt hat und ein echter Freak diesbezüglich ist. Mein Part ist eher Produktdesign, Ergonomie, Optik, Haptik und Ästhetik.“

Jedes Uhrwerk wird mit Hilfe langwieriger Detektivarbeit ausfindig gemacht und im Hamburger Studio in aufwendiger Kleinarbeit restauriert und aus seinem „Dornröschenschlaf” geweckt.
Anschließend werden die verjüngten Meisterstücke in außergewöhnliche Gehäuse gesetzt. Diese fertigte er aus 950 Platin, 18karätigem Gold oder reinem Titan und kennzeichnet sie mit seinem JTP-unique-Logo.

Wenn Uli Glaser seine Uhren präsentiert, beschreibt und erläutert findet er kaum ein Ende, so viele spannende Details bieten seine Kreationen, die immer mehr als nur eine Uhr sind. Sie sind kunstvolle Konglomerate mehrerer uhrmacherischer Elemente, Epochen, Materialien und auch Techniken des Goldschmiedes. Es scheint, als ob er die gesamte Historie der Uhrmacherei und der Goldschmiedekunst zu seiner ganz persönlichen Spielwiese auserkoren hat, auf der nur seine eigenen Regeln und die Naturgesetze Gültigkeit haben.

Uli Glaser redet schnell und entpuppt sich dabei als wandelndes Lexikon der Uhrenhistorie und -technik. Wenn er aber von seinen Uhren spricht, legt er noch mal einen Zacken zu. Doch wie kommt man darauf, solch ungewöhnliche Zeitmesser zu bauen?

„Ich habe im Rahmen der Familienerbfolge irgendwann von meinem Urgroßvater eine goldene Taschuhr bekommen, und der wollte ich gerne neues Leben einhauchen und dachte, dass die wieder laufen und dass daraus wieder eine neue Uhr werden muss – am besten fürs Handgelenk“, lautet Glasers Antwort.

Viele Uhrenmanufakturen kaufen ihre alte Uhren aus der Jahrhundertwende zurück und legen sie ins Museum. Das ist seine Sache nicht, er möchte diese alten Schätze wiederbeleben und erneuern. Und so entstehen seit 2011 Uhren der Marke JTP uniques, und zwar gerade einmal zwei bis vier Modelle pro Jahr. Dabei fertigt er zwar meist auf Bestellung, aber auch auf eigene Kosten.

„So etwas macht man bei dem finanziellen und zeitlichen Aufwand für eine Uhr nur dann, wenn man es sich a) leisten kann, b) wahnsinnig viel Freude an dem hat, was man tut, und c) ein wenig verrückt ist.“

Dem ist nichts hinzuzufügen.


Über den Uhrenbauer Uli Glaser

Uli Glaser folgte als Goldschmiedemeister zunächst der Familientradition in vierter Generation. Sein Studium an der University of Industrial Arts in Helsinki stärkte sein kreatives Potenzial und war der Impuls zur innovativen Produktentwicklung.

Im November 1988 gründete der Designer das Unternehmen Uli Glaser Design. Die Realisierung seiner Schmuckentwürfe erfolgt seitdem in der integrierten Werkstatt seines Hamburger Ateliers. Seit 1992 wurden Vertrieb und Kooperationen mit Juwelierpartnern kontinuierlich ausgebaut.

1993 wird Glaser zum Pionier für Titan Schmuck und gilt heute als Spezialist in diesem Bereich. Die Schmuckkollektion TITAN-pur präsentiert sich in Europa, besonders in Nachbarländern wie Dänemark und Schweden, aber auch im fernen Japan. Auch seine exklusive Trauring-Kollektion findet inzwischen weltweite Anerkennung.

Mit JTP uniques macht Glaser seit 2011 neue Käuferschichten auf sich aufmerksam. Dem Produktionsstandort Hamburg und seinem Qualitätsanspruch „Made in Germany’’ ist der Designer dabei stets treu geblieben. “

Tags : GlaserUli Glaservintage
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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