close

Uhrmacherhandwerk: Keine Rückführung in die Anlage A

AnlageA

Uhrenwerkstätten können auf zukünftig ohne Meistertiztel eröffnet und geführt werden.

Albert Fischer (Präsident des Zentralverbandes für Uhren Schmuck und Zeitmesstechnik) macht keinen Hehl aus seiner Enttäuschung über die aktuelle Entscheidung des Bundeswirtschaftsministeriums zur Handwerksordnung. Zwölf Handwerke wandern demnach von der Anlage B (zulassungsfreie Handwerke) wieder in die Anlage A (Handwerk mit Meisterpflicht). Das Uhrmacherhandwerk gehört nicht dazu.

„Wir hatten nochmal alles in die Waagschale geworfen und zum Referentenentwurf eine sehr umfangreiche, detaillierte und schlüssige Stellungnahme abgegeben. Diese hat aber leider keine Änderung mehr herbeigeführt.“

Story continues below
Advertisement

2004 wurde das Uhrmacherhandwerk in die Anlage B verschoben. Seitdem kann auch ohne Meistertitel ein uhrmacherischer Handwerksbetrieb eröffnet werden. Und das wird auch weiterhin so bleiben.

Albert Fischer sieht dadurch das Image des Berufsstandes gefährdet.

„Den wenigsten Verbrauchern ist überhaupt bewusst, dass es 2004 diese HWO-Novelle gab und sich seither jeder ohne den geringsten Befähigungsnachweis im Uhrmacherhandwerk selbstständig machen kann. Die meisten denken doch, wenn draußen „Uhrenwerkstatt“ draufsteht, sitzt auch ein „echter“ Uhrmacher drin. Die vielen negativen Erfahrungen, die Kunden seither mit Nicht-Fachbetrieben gemacht haben, werden somit leider oft auf das Uhrmacherhandwerk im Allgemeinen projiziert.“

Und auch das Thema Nachwuchs bereitet ihm Sorgen.

„Als direkte Konsequenz brach nach 2004 die Zahl der Meisterschüler drastisch ein und hat sich inzwischen auf etwa der Hälfte des Durchschnitts vor der HWO-Novelle eingependelt. Allein dadurch fehlen uns bereits jetzt etwa 300 Meister und damit potenzielle Ausbilder. Ein Umstand, der den seit etlichen Jahren bestehenden Nachwuchsmangel natürlich noch weiter verschärft.“

Uhrmachderverband ergreift Maßnahmen

Der Zentralverband für Uhren Schmuck und Zeitmesstechnik lässt sich jedoch nicht entmutigen.

„Wir werden aber weiter Maßnahmen ergreifen, den Wert und das Ansehen des Meisters in unserem Beruf zu stärken. Vor ein paar Monaten haben wir diesbezüglich alle unsere Mitgliedsbetriebe mit Plaketten für die Ladentüren und Schaufenster ausgestattet, mit denen ganz besonders auf den besonderen Status ‚Meisterbetrieb des Uhrmacherhandwerks‘ hingewiesen wird. Dieses werden wir in Zukunft auch verstärkt über alle Online- und Social-Media-Plattformen kommunizieren“, erläutert Fischer.

„Ansonsten kann man nur sagen: nach der Entscheidung ist vor der Entscheidung!“

Denn in fünf Jahren soll die Liste der zulassungsfreien Gewerke hinsichtlich einer Rückführung in die Anlage A erneut auf den Prüfstand gestellt werden.

„Dann werden wir definitiv wieder alles unternehmen, um unser Uhrmacherhandwerk wieder zurück zur Meisterpflicht zu bringen.“

 

Tags : HandwerksordnungUhrmacherhandwerkUhrmacherverband
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

Leave a Response