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Trotz Shutdown steht die Branche nicht still: Seiko arbeitet an Konzepten, um den Handel nach der Wiedereröffnung der Geschäfte zu unterstützen

Deckert

Das öffentliche und wirtschaftliche Leben steht still? Nicht ganz. Angesichts frühlingshafter Temperaturen zieht es viele in die Natur und Parks. Aber auch die Lieferanten und Marken unserer Branche sind trotz des verordneten Shutdowns nicht ins Nichtstun verfallen.

Im Interview mit WatchPro Deutschland berichtet Frank Deckert (Geschäftsführer Seiko Deutschland), wie das Unternehmen mit der herausfordernden Situation umgeht.

WatchPro Deutschland: Geht es Ihnen und Ihren Mitarbeitern gut?

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Frank Deckert: Ja, bei Seiko geht es allen gut, sowohl in Deutschland als auch international.

WatchPro Deutschland: Hatten Sie mit dem Shutdown in diesem Ausmaß gerechnet? Waren Sie vorbereitet?

Frank Deckert: Auch uns, wie wohl alle in der Welt, hat die Corona-Epidemie überraschend getroffen. Niemand hat mit einem solchen globalen Ausmaß gerechnet und dementsprechend war auch niemand wirklich darauf vorbereitet. Dies betrifft sowohl die Ausbreitung der Pandemie als auch die damit verbundenen Konsequenzen für alle Bereiche des Lebens. Der Shutdown kam letzten Endes nicht gänzlich überraschend, er hat sich zumindest wenige Tage vorher schon angekündigt. Erfahrungen im Umgang mit einer solchen Pandemie haben wir alle nicht, insofern ist die weitere Entwicklung nicht sicher vorhersehbar. Es ist also wichtig, kurzfristig zu entscheiden.

WatchPro Deutschland: Wie haben Sie die Arbeitsabläufe und Produktion an die Krise angepasst?

Frank Deckert: Konkret heißt das für Seiko Deutschland, dass wir auch unseren Geschäftsbetrieb angepasst haben. Mit Schließung der Geschäfte haben wir einen Teil unserer Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, während vor allem in der Kundenbetreuung und Buchhaltung Mitarbeiter den Kunden weiterhin zur Verfügung stehen.

Anfragen gibt es vor allem zu Rechnungen und Rechnungsfälligkeiten, die individuell mit unseren Kunden abgestimmt werden. Vereinzelte Warenbestellungen werden bearbeitet und ausgeliefert, unser Lager arbeitet weiterhin. Dies betrifft ebenfalls Reparaturen. Der automatische Warenversand ist allerdings gestoppt, es wird nur ausgeliefert, wenn die Juweliere die Zusendung wünschen und eine Abnahme der Pakete gewährleisten können.

WatchPro Deutschland: Wie beurteilen Sie das Angebot an staatlichen Hilfsmaßnahmen? Wie sind Ihre Erfahrungen damit?

Frank Deckert: Bezüglich der eingeleiteten Maßnahmen von Seiten der Regierung begrüßen wir die schnelle Verabschiedung und Umsetzung vielfältiger Maßnahmen. Inwieweit diese Maßnahmen ausreichend sind, ist sicher individuell zu und hängt auch vom weiteren Verlauf der jetzigen Ausnahmesituation ab. Persönlich kann ich mir vorstellen, dass eventuell ab Mai eine schrittweise Rückkehr in ein normales Leben möglich sein kann.

WatchPro Deutschland: Wie bereitet sich Seiko darauf vor?

Frank Deckert: Ich denke, dass wir gemeinsam die Probleme der Krise meistern können. Wir arbeiten schon jetzt an vielfältigen Konzepten, um den Handel zu unterstützen. Wichtig ist, dass die Verkäufe schnellstmöglich wieder in Gang kommen und Endverbraucher entsprechend stimuliert werden. Dennoch wird es aber auch für einzelne Unternehmen kritische Situationen geben. Den verloren gegangenen Umsatz wieder aufzuholen, wird schwierig sein. Allerdings besteht auch einiger Nachholbedarf.

WatchPro Deutschland: Wie wirkt sich dies auf den zeitlichen Ablauf der Neuheiten-Präsentation aus?

Frank Deckert: Die übliche Neuheitenvorstellung und -einführung im Frühjahr wurde auch bei uns, wie auch bei vielen unserer Mitbewerber, verschoben und wird sicher bei Wiederöffnung der Geschäfte für eine Belebung sorgen. Dennoch ist mittelfristig mit einem schwierigen Geschäftsverlauf zu rechnen. Die Welt wird nach Corona eine andere sein.

WatchPro Deutschland: Gibt es etwas, was Sie trotz allem positiv in die Zukunft blicken lässt?

Frank Deckert: In jeder Krise steckt ja bekanntlich auch eine Chance und ich sehe da durchaus viele positive Ansätze. Viele Menschen haben in den letzten Wochen gemerkt wie wichtig soziale Kontakte und Zusammenhalt in der Gesellschaft sind. Dinge, die selbstverständlich sind und über die man nicht weiter nachgedacht hat, wie die Arbeit von Ordnungskräften, Verkäufern im Handel, von Kräften im Gesundheitswesen und in Pflegeberufen. Diese erfahren eine neue Bewertung und eine neue Wertschätzung.

Die Schließungen von Geschäften, Gaststätten und Kultureinrichtungen zeigt, wie wichtig ein gut funktionierendes öffentliches Leben ist und wie dringend wir funktionierende Innenstädte und Gemeinden mit diesen Einrichtungen brauchen. Es würde mich freuen, wenn der örtliche Einzelhandel damit auch eine neue Wertschätzung erhält.

Die Krise zeigt, alles ist über das Internet erhältlich und der Online-Einkauf ist auch praktisch, gerade in einer solchen Krise. Der Online-Einkauf ersetzt aber nicht den persönlichen Kontakt und das persönliche Gespräch, quasi die soziale Komponente des Einkaufserlebnisses. Die Kombination aus beidem wird in der Zukunft eine noch größere Rolle spielen.

Tags : CoronaDeckertinterviewSeiko
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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