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Trotz Shutdown steht die Branche nicht still: Juwelier Thilo Schmidt nutzt die Krise für neue Möglichkeiten

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Das öffentliche und wirtschaftliche Leben steht still? Nicht ganz. Angesichts frühlingshafter Temperaturen zieht es viele in die Natur und Parks. Aber auch die Juweliere sind trotz des verordneten Shutdowns nicht ins Nichtstun verfallen.

Im Gespräch mit WatchPro Deutschland berichtet Juwelier Thilo Schmidt aus Westerstede, wie man das Beste aus der Krise machen kann und warum er gerade jetzt so froh ist, Teil der Diaoro-Verbundgruppe* zu sein.

WatchPro Deutschland: Wie geht es Ihnen und Ihren Mitarbeitern.

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Thilo Schmidt: Wir sind zum Glück alle gesund!

WatchPro Deutschland: Konnten sie sich geschäftlich irgendwie auf den Shutdown vorbereiten?

Thilo Schmidt: Da wir zur Diadoro-Verbundgruppe gehören, die ihren Hauptsitz in Österreich hat, wussten wir durch den Kontakt zu den österreichischen Kollegen schon früh, was auf uns zukommen könnte. Informiert man sich dann noch über seriöse Nachrichtenkanäle, konnte man absehen, was passieren wird. Und so konnten wir sehr schnell reagieren. Meine fünf Mitarbeiter sind seit Mitte März in Kurzarbeit, und auch die Soforthilfe habe frühzeitig aufgrund einer Liquiditätsplanung beantragt und auch bereits erhalten. Ich kann sagen, dass wir bei den staatlichen Hilfsangeboten keine Lücken festgestellt habe und dass es eigentlich auch nicht schneller hätte gehen können. Und da der Staat uns so unterstützt, ist es für uns nicht ganz so schlimm.

WatchPro Deutschland: Das heißt, sie werden die Krise überstehen?

Thilo Schmidt: Davon gehe ich aus. Wir sind ein alteingesessenes Geschäft, uns gibt es seit 100 Jahren, und ich selbst habe über 30 Jahre Berufserfahrung. Zudem haben wir das große Glück, dass wir die ganz großen Darlehen bereits abbezahlt haben. Bei den jungen Kollegen, die vor zehn Jahren angefangen haben, sieht das vermutlich ganz anders aus. Es können zwar manche Zahlungen gestundet werden, aber gezahlt werden müssen sie am Ende ja trotzdem.

WatchPro Deutschland: Welche Vorteile bringt es gerade in einer Krise mit sich, Teil einer Gruppe wie der Diaoro zu sein?

Thilo Schmidt: Mit dem Diaoro-Beirat hatten wir gerade erst eine Zoom-Konferenz, so bleiben wir im ständigen Kontakt. Der große Vorteil dieser Verbundgruppe ist, dass die Zentrale im österreichischen St. Florian mit Herrn Probst schon gewisse Dinge vorgearbeitet hatte, als es bei uns in Deutschland mit dem Shutdown losging. Gerade auch die Marketingabteilung hat viel geleistet. Vieles, was Sie aktuell auf meiner Website an Slidern und ähnlichem sehen, habe ich von der Diaoro bekommen – quasi auf Zuruf innerhalb kürzester Zeit.

WatchPro Deutschland: Welche Unterstützungsmaßnahmen können Sie Kollegen empfehlen, die nicht Teil der Diaoro sind?

Thilo Schmidt: Mir hilft zum Beispiel das Kompetenzzentrum Handel sehr, dort gibt es tolle Angebot in punkto Digitalisierung. Zum Beispiel Webinare zu den Themen Social Media und den Abverkauf über digitale Plattformen. So kann man aktuell die Krisenzeit trotz Kontakt- und Ausgangssperren nutzen, um über den Tellerrand zu schauen. Was macht der Möbelhändler, was macht der Schuhverkäufer anders, wie gehen die mit dieser Situation um. Dabei kann man viel lernen und neue Möglichkeiten für sich selbst entdecken. Das macht außerdem richtig Spaß. Aktuell probiere ich Dinge im Bereich Social Media aus und entwickele meinen Auftritt entsprechend weiter – auch für die Zeit nach Corona. Durch diese Krise hat der vielbeschworene Wandel im Handel noch mal an Fahrt aufgenommen, gerade auch in punkto Digitalisierung. Ich nutze jetzt die Zeit, um mich fit zu machen.

WatchPro Deutschland: Apropos Digitalisierung. Die Diaoro bietet ihren Mitgliedern ja auch einen Onlineshop.

Thilo Schmidt: Richtig. Es gibt den globalen Onlineshop, in dem die Läger der 55 Mitglieder zusammengefasst sind. Jedes Mitglied hat aber auch auf der eigenen Website einen Onlineshop, in dem das jeweilige Lager abgebildet ist. Und daraus kann man natürlich online bestellen und sich die Ware liefern lassen. Aber wir bieten auch Click & Collect an. In beiden Fällen klären wir in der aktuellen Zeit telefonisch ab, wie die Zustellung oder Übergabe erfolgen soll. Das kann kontaktlos und per Kartenzahlung vor dem Geschäft erfolgen oder ich bringe die Ware zu den Kunden nach Hause.

Es ist gerade jetzt ein großer Vorteil, dass wir bereits vor Corona einen Onlineshop hatten. Natürlich generiert man darüber nicht riesige Umsätze, aber es ist ein ganz wichtiges Marketinginstrument. Wer im Moment keine Onlineoption hat, der hat meiner Meinung nach ein riesiges Problem. Dessen Tür ist wirklich zu.

WatchPro Deutschland: Was denken Sie, wann die Geschäft wieder öffnen können?

Thilo Schmidt: Im Moment ist bei uns in Deutschland ja vom 20. April die Rede. Und auch hier profitieren wir von der Zugehörigkeit zur Diaoro, von der wir bereits Listen zur Vorbereitung zugeschickt bekommen haben. Außerdem ist der Erfahrungsaustausch mit den österreichischen Kollegen sehr hilfreich, da diese ja vermutlich vor uns wieder öffnen dürfen. Wenn ich aber an die voraussichtlichen Vorgaben zu Beginn denke – zum Beispiel maximal eine Person auf 20 Quadratmetern, Desinfektionsspender, Maskenpflicht –, dann wird das gar nicht so einfach.

Die eine Frage ist, wann wir wieder öffnen werden, die andere, ebenso wichtige Frage ist jedoch, wann es wieder mit dem Umsatz losgehen wird.


*Diadoro ist ein Zusammenschluss von mittelständischen Juwelierbetrieben in ganz Österreich, der deutsche Ableger nennt sich Diaoro.

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Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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