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Trotz Shutdown steht die Branche nicht still: Garmin wird alle Neuheiten wie geplant oder nur mit geringer Verzögerung präsentieren

tutschke

Das öffentliche und wirtschaftliche Leben steht still? Nicht ganz. Angesichts frühlingshafter Temperaturen zieht es viele in die Natur und Parks. Aber auch die Lieferanten und Marken unserer Branche sind trotz des verordneten Shutdowns nicht ins Nichtstun verfallen.

Im Interview mit WatchPro Deutschland berichtet Kai Tutschke (Geschäftsführer Garmin Deutschland), wie das Unternehmen mit der herausfordernden Situation umgeht.

WatchPro Deutschland: Geht es Ihnen und Ihren Mitarbeitern gut?

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Kai Tutschke: Vielen Dank Frau Heepmann. Unseren Teams im deutschsprachigen Raum geht es gut. Garmin als globales Unternehmen mit 15.000 Mitarbeitern ist sehr um seine Mitarbeiter besorgt, sehr viele Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter wurden umgesetzt und die Kommunikation in dieser Krisenzeit funktioniert sehr gut. Ich hoffe, Ihnen und Ihrem Redaktionsteam geht es ebenfalls gut.

WatchPro Deutschland: Ja, meinen Kollegen in London und mir geht es zum Glück gut, mittlerweile arbeiten alle im Homeoffice. Vielen Dank. Hatten Sie mit dem Shutdown in diesem Ausmaß in Deutschland gerechnet? Waren Sie vorbereitet?

Kai Tutschke: Im Februar dieses Jahres haben wir angefangen, annähernd alle 230 Mitarbeiter im deutschsprachigen Raum für das Arbeiten von Zuhause vorzubereiten. Als dann in Österreich die Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung zügig umgesetzt wurden, haben wir stark damit gerechnet, dass auch in Deutschland identische Maßnahmen verordnet werden. Am Tag des Ausrufs des Katastrophenfalls in Bayern haben wir sofort entschieden, alle drei Büros im deutschsprachigen Raum runterzufahren und die Leute nach Hause zu schicken. Das hat innerhalb weniger Stunden sehr gut funktioniert. Mittlerweile arbeiten wir seit vier Wochen aus dem Homeoffice.

WatchPro Deutschland: Wie haben Sie die Arbeitsabläufe und Produktion an die Krise angepasst?

Kai Tutschke: Zum Glück ist die Stärke unseres Unternehmens die vertikale Integration, das heißt sämtliche Arbeitsabläufe von dem Engineering über die Produktion bishin zum Vertrieb und Customer Support steuern wir Inhouse. Aus diesem Grund können wir auch in dieser Krisenzeit unsere Arbeitsabläufe wie bisher durchsteuern.

WatchPro Deutschland: Wie wirkt sich dies auf den zeitlichen Ablauf der Neuheiten-Präsentation aus?

Kai Tutschke: Zum Teil laufen Produkteinführungen wie geplant weiter. So haben wir beispielsweise letzte Woche unsere neue ‚Marine Smartwatch Quatix 6‘ gelauncht. Andere Neuheiten werden sich zeitlich verschieben. Glücklicherweise bisher in der Dimension von wenigen Wochen.

WatchPro Deutschland: Welche Unterstützung haben Sie Ihren Händlern angeboten?

Kai Tutschke: In dem Moment als klar wurde, dass persönliche Termine schwierig werden, haben wir reagiert und beispielsweise die Frequenz unserer Webinare vervielfacht. Viele Händler nutzen diese Chance und nehmen an den Webinaren teil, um unsere Uhren noch besser kennenzulernen. Produkt-Know-How und Beratungskompetenz sind die wichtigsten Aspekte in jedem Verkaufsgespräch. Hier unterstützen wir kontinuierlich. Für alle weiteren Bitten und Wünsche seitens unserer Händler zeigen wir uns offen und sind, wie immer, im direkten Austausch.

WatchPro Deutschland: Wie beurteilen Sie das Angebot an staatlichen Hilfsmaßnahmen? Wie sind Ihre Erfahrungen damit?

Kai Tutschke: Ich denke, die Politik geht besonnen und gut mit der Situation um. Wie effektiv Hilfsmaßnahmen sind, wird die Zukunft zeigen. Garmin selbst hat bisher keinerlei Hilfsmaßnahmen beantragt. Wir sind überzeugt, als gesundes Unternehmen die Krise aus eigener Kraft meistern zu können.

WatchPro Deutschland: Was denken Sie, wie lange die Branche benötigen wird, um die Krise einigermaßen überwunden zu haben?

Kai Tutschke: Das wird sicherlich einige Zeit in Anspruch nehmen und von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein. Wir sehen derzeit, dass einige kreative Händler den Kontakt mit ihren Kunden erfolgreich aufrecht erhalten und Beratung individuell über das Internet vornehmen. Wir wünschen allen unseren Handelspartnern, dass sie diese Krise durchstehen und gestärkt daraus hervorgehen werden.

WatchPro Deutschland: Denken Sie, dass der jetzt ausfallende Umsatz wieder reingeholt werden kann? Wenn nicht, was dann?

Kai Tutschke: Ja, wir glauben, dass der Umsatz, über einen längeren Zeitraum betrachtet, wieder ausgeglichen werden kann. Gerade nach einer überstandenen Krise wollen viele Menschen etwas nachholen. Dazu gehört der schöne Urlaub ebenso wie der Erwerb einer tollen Uhr, von der man vielleicht schon länger geträumt hat. Nach jedem Abschwung erfolgt glücklicherweise ein Aufschwung.

WatchPro Deutschland: Denken Sie, dass sich die Uhrenbranche und das Konsumverhalten nachhaltig durch die Krise verändern werden?

Kai Tutschke: Wir stellen verstärkt den Trend nach einem bewusst gesünderen Lebensstil fest. Vermehrt viele Menschen betrachten ihre Gesundheit als das wichtigste Gut und richten ihr Leben danach aus. Dazu gehören eine gesündere Ernährung und mehr Aktivitäten und Sport. Nach wie vor denken wir, bleibt die Uhr Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Viele Menschen werden beide Aspekte miteinander kombinieren.

WatchPro Deutschland: Was werden Sie nach der Krise anders machen?

Kai Tutschke: Wir werden nach wie vor mit unserem motivierten Team unsere Kunden inspirieren, ein aktives und erfülltes Leben zu leben. In dieser Zeit der Krise hat sich unser Team noch stärker auf das Wesentliche konzentriert und wir haben verstanden, wie fragil das für uns normal erscheinende Leben ist.

WatchPro Deutschland: Gibt es etwas, was Sie trotz allem positiv in die Zukunft blicken lässt?

Kai Tutschke: Wir sehen positiv in die Zukunft. Garmin ist, wie auch andere Unternehmen und Industrien, bereits durch die ein oder andere Krise gegangen. In dieser Zeit fokussieren wir uns auf das Wesentliche: das ist das Wohlergehen unserer Mitarbeiter und die verstärkte Zusammenarbeit mit unseren Handelspartnern. Ich bin stolz auf die Leistung unserer Mitarbeiter und Partner. Beispielsweise arbeiten unsere 64 Mitarbeiter in der Abteilung Customer Support alle von Zuhause und haben bis zu 1.500 Kontakte mit Endkunden jeden Tag. Dieses hohe Kommittent auch in der Krise jeden Tag für unsere Kunden da zu sein, macht mich besonders stolz.

Tags : CoronagarmininterviewsmartwatchTutschke
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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