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Tissot-CEO Sylvain Dolla: „Tissot soll die Nummer 1 bleiben.“

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Im Sommer drehte sich das Personalkarussel der Swatch Group und viele Positionen in der Konzernleitung, der Erweiterten Konzernleitung und in der Geschäftsleitung von sechs Marken wurden neu besetzt. Dabei setzte der Konzern auf Kompetenzen, die bereits im Unternehmen vorhanden waren. Dazu gehörte unter anderem Sylvain Dolla, der nach 16 Jahren Hamilton die Funktion des CEO von Tissot übernahm.

Sylvain Dolla begann seine Karriere in der Telekommunikationsbranche und arbeitete für Unternehmen in Paris, Dubai, London und Atlanta. 2004 führte ihn sein Weg als Head of High Tech & Access bei Swatch in die Welt der Uhren. Ein Jahr später wechselte er als Head of Sales International zu Hamilton, wo er für die Weiterentwicklung wichtiger Schlüsselmärkte wie China, Korea, Großbritannien und Russland verantwortlich war und 2011 die Funktion des CEO übernahm.

Am 1. Juli 2020 folgte er nun als CEO bei Tissot auf François Thiébaud, der über 20 Jahre lang die Marke geprägt hatte.

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Im Gespräch mit WatchPro Deutschland berichtet Sylvain Dolla über seine Pläne für die Marke und erläutert die Besonderheiten der neuen „T-Touch Connect Solar“, an deren Entwicklung er bereits während seiner Zeit bei Hamilton beteiligt war.

WatchPro: Sie waren vor Tissot 16 Jahre bei Hamilton. Wie schwierig war die Umstellung für Sie?

Sylvain Dolla: Der Übergang von Hamilton zu Tissot verlief reibungslos, zumal ich in den letzten vier Jahren bereits am Projekt der „Tissot T-Touch Connect Solar“ mitgewirkt hatte. So habe ich schon während meiner Zeit bei Hamilton viele Leute von Tissot kennengelernt.

WatchPro: Wo sehen Sie die größten Unterschiede zwischen den beiden Marken?

Sylvain Dolla: Ich denke, dass die Hauptunterschiede geografisch sind. So sind beispielsweise Deutschland, China und Indien für Tissot sehr wichtig. Tissot ist außerdem ein größeres Unternehmen. Aber beide Marken haben auch Gemeinsamkeiten wie die Berücksichtigung von feinen Details bei der Uhrenherstellung.

WatchPro: Bei Tissot haben Sie die Nachfolge von Francois Thiebaud angetreten, der über 20 Jahre lang die Entwicklung der Marke geprägt hat. Inwieweit geht dieser Wandel, der auch ein Generationswechsel ist, auch mit einem Strategiewechsel einher?

Sylvain Dolla: Ich bin nicht hier, um die gesamte Strategie zu ändern und eine Revolution zu beginnen. Tissot war unter der Führung von Herrn Thiebaud äußerst erfolgreich. Das Team ist leidenschaftlich und talentiert. Warum sollte ich größere Änderungen vornehmen?

Meine Aufgabe besteht eher darin, die Innovationsstrategie von Tissot fortzusetzen und die Digitalisierung der Marke durch Großprojekte in den Bereichen E-Commerce, CRM, digitale Aktivierung der Garantien und die Entwicklung vernetzter Uhren zu stärken, um nur einige Schlüsselprojekte zu nennen. Vor allem will ich, dass Tissot auch weiterhin die Nummer-1-Marke hinsichtlich Volumen bei den traditionellen Schweizer Uhren bleibt.

WatchPro: Werden Sie auch etwas anders machen?

Sylvain Dolla: Ich werde sicher bei dem ein oder anderen Thema einen anderen Ansatz verfolgen, aber ich werde mit Sicherheit versuchen, den leidenschaftlichen und pragmatischen Ansatz beizubehalten, der Teil der Tissot-Kultur ist.

WatchPro: Wie sehen Ihre konkreten Ziele aus?

Sylvain Dolla: Ich werde die Digital- und E-Commerce-Bereiche weiterentwickeln, die bei Tissot bereits gut implementiert wurden. Die Marke war vor sechs Jahren eine der ersten, die in die Entwicklung des E-Commerce investiert hat. Und natürlich werde ich daran arbeiten, das Tissot seiner Marken-DNA treu bleibt.

WatchPro: Warum ist Tissot im Vergleich zu anderen Uhrenmarken erst jetzt mit einer Smartwatch auf den Markt gekommen? Aufgrund der „T-Touch“ hatten viele Tissot als geradezu prädestiniert für die Rolle des Pioniers unter den Uhrenmarken in diesem Segment angesehen.

Sylvain Dolla: Tissot wollte sich Zeit nehmen, um eine schöne, feine Uhr mit einigen connected Funktionen auf den Markt zu bringen.

Wir wollten nicht in die Welt der Unterhaltungselektronik einsteigen, sondern eine echte Uhr schaffen, die man lange trägt und an der man lange Freude hat. Ein großer Vorteil der „Tissot T-Touch Connect Solar“ ist, dass sie für eine lange Lebensdauer entwickelt wurde und dass sie nie oder nur sehr selten, etwa einmal im Jahr, aufgeladen werden muss.

WatchPro: Wie unterscheidet sich die Tissot Smartwatch noch von anderen Smartwatches in der entsprechenden Preisklasse?

Sylvain Dolla: In Bezug auf die „T-Touch Connect Solar“ gibt es drei Hauptpunkte, durch die sie sich von anderen Smartwatches unterscheidet:

Zum einen ist sie in erster Linie eine Uhr. Wenn Sie die „T-Touch“ betrachten, sehen Sie eine Uhr mit Zeigern und erst dahinter ein Display, auf dem Benachrichtigungen angezeigt werden.

Wir wollten dem Kunden die Möglichkeit zu geben, die ganze Funktionalität einer Uhr zu nutzen, auch wenn sie nicht mir dem Handy verknüpft ist.

Unterschied Nummer zwei ist die Autonomie. Da in das Zifferblatt Solarzellen integriert sind, ist die Uhr bis zu sechs Monate lang autonom. Das ist für jeden sehr interessant, denn man muss sich nicht jeden Tag um das Aufladen kümmern.

Und schließlich ermöglicht das von der Marke in Zusammenarbeit mit anderen Swatch-Group-Unternehmen und dem CSEM entwickelte SwALPS-Betriebssystem, dass die Marke unabhängig ist. Unabhängig zu sein bedeutet auch, die Daten unter Kontrolle zu haben und somit den Kunden die Privatsphäre zu garantieren. Diese Uhr zielt nicht darauf ab, personenbezogene Daten zu sammeln, um sie weiterzuverkaufen. Unser Betriebssystem ist dabei mit den drei Hauptbetriebssystemen iOS, Android und Harmony kompatibel.

WatchPro: Werden Smartwatches in Zukunft einen festen Platz im Tissot-Sortiment haben? Und wird es auch eine Damen-Version geben?

Sylvain Dolla: Ja. Die neue „T-Touch Connect Solar“ wird ab sofort unsere „T-Touch“-Kollektion ersetzen. Wie bereits erwähnt, kann die Uhr in einem mit dem Handy verbundenen Modus, aber auch in einem getrennten Modus verwendet werden. Frauen kaufen bereits dieses Modell, aber wir arbeiten an einer feminineren Version in Bezug auf Farbe und Material.

WatchPro: Wie schlägt Tissot die Brücke zwischen Tradition und den Herausforderungen einer sich schnell verändernden Gesellschaft mit einer völlig neuen Generation von Endverbrauchern, die beispielsweise mal online und am nächsten Tag im Geschäft einkaufen wollen? Dazu gehört auch die Generation Z beziehunsgweise Generation Greta, die besonderen Wert auf Nachhaltigkeit und Glaubwürdigkeit legt.

Sylvain Dolla: Tissot war schon immer eine Marke für junge Generationen, für wichtige Momente des Lebens wie Abschluss oder Verlobung. Für entscheidende Momente des Lebens schätzt die Generation Z qualitative Dinge, die von Dauer sind und die nicht für einige Monate oder Jahre hergestellt werden. Genau das ist Teil der Tissot-DNA und erklärt, warum die Marke für diese Schlüsselmomente als erste Wahl gilt.

In Bezug auf den Vertrieb hat Tissot bereits vor sechs Jahren in den E-Commerce investiert, um jedem die Möglichkeit zu geben, seine Uhren entweder in einem physischen Geschäft oder im Internet zu kaufen. Wir haben dies auch mit der Unterstützung unserer Einzelhandelspartner kombiniert, beispielsweise durch Click & Collect, um den Traffic in den Geschäften zu fördern.

In Bezug auf Nachhaltigkeit macht die Tatsache, dass unser „T-Touch Connect Solar“ keine Unterhaltungselektronik ist, den großen Unterschied aus. Wir wollen eine Uhrenmarke bleiben, die überdauert. Zudem besteht die Uhrenbox aus nachhaltigen Materialien, das war uns sehr wichtig.

WatchPro: Apropos verändertes Verbraucherverhalten: Es wird allgemein angenommen, dass Corona hier als Wendepunkt oder Beschleuniger fungiert. Wie werden sich Ihrer Meinung nach die Verbrauchergewohnheiten ändern und wie kann eine Marke wie Tissot am besten darauf reagieren?

Sylvain Dolla: Ich denke, es ist eine Chance für authentische, echte Marken, die Produkte produzieren, die langlebig sind. Dieses Jahr ist offensichtlich nicht das aufregendste Jahr des letzten Jahrzehnts, und die Menschen wollen Dinge konsumieren, mit denen sie sich besser fühlen. Bei Tissot haben wir seit Juli in den meisten Märkten eine drastische Verbesserung des lokalen Konsums festgestellt, was das Bedürfnis der Menschen bestätigt, qualitativ authentische Marken zu kaufen.

Auf der Vertriebsseite werden Marken natürlich ihre Präsenz auf digitalen Plattformen und im E-Commerce verstärken. Wie bereits für Tissot erwähnt, waren wir vor sechs Jahren eine der ersten Marken in der Branche, die in E-Commerce investiert haben. Diese Krise stärkt nun unsere digitalen Plattformen.

WatchPro: 2020 war von Anfang an ein schwieriges Jahr für die Uhrenindustrie. Von den anhaltenden Unruhen in Hongkong bis zur globalen Corona-Pandemie, die noch nicht überwunden wurde. Was denken Sie: Wann findet die Schweizer Uhrenindustrie ihren Weg zurück in ruhigere Gewässer?

Sylvain Dolla: Zweifellos hat die Pandemie die Uhrenindustrie weltweit sehr herausgefordert und belastet, aber das hat Tissot nicht aus der Bahn geworfen. Tissot läuft heute gut und mit der Einführung der „T-Touch Connect Solar“ kann die Marke ihren Anspruch als Innovators by Tradition unter Beweis stellen. Ja, 2020 wird kein Rekordjahr, aber die Basis der Marke ist so gut, dass ich zuversichtlich bin, dass wir 2021 starke Ergebnisse zeigen werden.

WatchPro: Welche Strategien halten Sie für sinnvoll, um die Schweizer Uhrenindustrie in Zukunft besser auf solche Krisen vorzubereiten?

Sylvain Dolla: Aus meiner Sicht ist die digitale Transformation heute der wichtigste Punkt.

WatchPro: Schon vor der Corona stellte sich heraus, dass die Exportzahlen der Schweizer Uhrenindustrie an Wert zu-, aber an Volumen abnahmen. Was bedeutet das für eine Marke wie Tissot, die auch im weniger starken Preissegment von bis zu 500 Euro zu Hause ist? Werden Sie die Kollektionen in diesem Bereich verkleinern?

Sylvain Dolla: Ihre Aussage trifft nicht auf Tissot zu. Wir hatten in den letzten drei Jahren einen sehr stabilen Umsatz. Tissot hat die Chance, DIE multispezialisierte Schweizer Uhrenmarke zu sein, die traditionelle Uhren von Taschenuhren über Quarz, Mechanik bis hin zu Connected Watches herstellt. In Bezug auf die Kollektion werden wir unsere Neuheiten daher nur leicht reduzieren. Dadurch kann sich das Produktteam noch mehr auf jedes einzelne Detail jeder Uhr konzentrieren.

WatchPro: Die Blockchain erreicht zunehmend auch die Uhrenindustrie. Beispielsweise sind alle Breitling-Uhren seit September mit einem Blockchain-Zertifikat ausgestattet. Welche Strategie verfolgt Tissot?

Sylvain Dolla: Wir arbeiten derzeit an einem ähnlichen Projekt, verwenden jedoch nicht unbedingt Blockchain…

 

WatchPro: Welche Produktinnovationen plant Tissot als nächstes?

Sylvain Dolla: Die Einführung der neuen „T-Touch Connect Solar“ ist bereits ein echter Innovationsschritt, da wir viele neue Technologien in das Produkt integriert haben, wie zum Beispiel optisch attraktive Solarzellen, unser eigenes Betriebssystem, taktiles Saphirglas, Keramiklünette, Titangehäuse und so weiter.

Die „T-Touch Connect Solar“ wird sich natürlich Stück für Stück weiterentwickeln und neue Funktionen werden voraussichtlich im nächsten Jahr präsentiert werden. Wir arbeiten hier auch an weiteren Sport-Funktionen, da wir der offizielle Zeitnehmer verschiedener Wettbewerbe und beispielsweise der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA sind.

Tags : connected watchsmartwatchswatch groupsylvain dollat-touchtissot
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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