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Tickend durch die Galaxis – mit Meister Kramer und Fortis auf Mars-Mission

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Zugeben, die Universen, die Uhrmachermeister Georg Kramer während seiner eigenen Entdeckungsmissionen „durchfliegt“, sind ungleich kleiner als die uns bekannten Sonnensysteme. Dennoch bergen sie mindestens ebenso viele Geheimnisse.

Und von denen lässt sich selbst jemand wie Meister Kramer – der mit seinen 88 Jahren noch immer jeden Tag in Werkstatt und Geschäft in Hamburg-Winterhude steht – noch überraschen. Aber es gibt auch eine Menge Gemeinsamkeiten zwischen Uhr und All.

Uhrmachermeister Georg Kramer (rechts) mit seinem Uhrmacher Sezgin Yavuz vor dem Geschäft in Winterhude. Foto: David Goltz

Denn so wie in den unendlichen Weiten des Universums seit vielen Milliarden Jahren alles miteinander im Einklang schwingt und präzise aufeinander eingespielt ist, so geht es auch bei dem Werk einer mechanischen Uhr zu. Allerdings auf wesentlich begrenzterem Platz. Tanzt ein Teil aus der Reihe, sei es noch so klein und scheinbar unbedeutend, dann kommt das ganze System der Zeit aus der Balance.

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Zeitmesser und Planeten

Auch aufgrund dieser Parallelen widmet Georg Kramer aktuell einem ganz besonderen, neuen Zeitmesser eine exklusive Ausstellung in seinem Geschäft und im Schaufenster. Gemacht für alle, die schon immer von den Geheimnissen der Zeit, den unendlichen Weiten des Universums und perfekt harmonierender Feinmechanik fasziniert waren.

Dabei ist die Verbindung von Mond und Uhr in Form wunderschöner Mondphasenanzeigen durchaus bekannt. Und spätestens seit der Mondlandung der Apollo 11 im Jahr 1969 war der Erdtrabant zum Objekt der Designer und Trendsetter geworden.

Meister Kramer betrieb damals bereits seit sieben Jahren sein Geschäft am heutigen Standort in der Winterhuder Gertigstraße. Und er erinnert sich noch ganz genau an den damaligen Mond-Hype.

„Damals waren es die Furnituristen, die Händler von Ersatzteilen, die zu jener Zeit in ihren Katalogen neben Neuigkeiten rund um Uhrentechnik auch über Innovationen und besondere Werke berichteten.”

Und die damaligen Moonwatches, allen voran die im amerikanischen Raumfahrtprogramm als feste Größe geltende „Speedmaster“ von Omega, waren technisch „State of the Art“. Die „Speedmaster“ ist seitdem immer wieder neu aufgelegt und aktualisiert worden und gehört nach wie vor zu den Topsellern der zur Swatch Group gehörenden Marke.

Aber auch sonst waren die 1950er- bis 1970er-Jahre geprägt von vielen Innovationen und Neuentwicklungen rund um die Armbanduhr, weiß der Rolex-Experte. Vor allem die sogenannte Quarzkrise wirbelte die ganze Branche durcheinander. „Plötzlich galten Zeitmesser mit einer Batterie und einem schwingenden Quarz als moderner und präziser als solche mit mechanischem Werk.“ Die erste serienmäßige Quarzarmbanduhr brachte übrigens Seiko 1969 auf den Markt. 1970 folgte Omega, und die erste deutsche Batterieuhr fürs Handgelenk kam 1971 aus dem Hause Junghans.

Die erste Junghans Quarz-Armbanduhr „Astro-Quartz aus dem Jahr 1971: Das Design spiegelt die Quarz-Kristallform wider.

Diese Uhren waren praktisch und tatsächlich äußerst präzise – faszinieren konnten und können sie mit ihrer Technik aber nicht. „Nach der zähen Quarz-Ära der 1980er-Jahre kehrte mit Ende des 20. Jahrhunderts die mechanische Uhr zurück zu ihren Wurzeln. Es ist ein paar wenigen Personen zu verdanken, dass von der Renaissance der Mechanikuhr bis zur Neuentwicklung neuer mechanischer Spitzenwerke nur wenige Jahre vergingen“, berichtet Meister Kramer.

Und auch der Weltraum wurde wieder zum Thema in der Uhrenwelt. „Ich war fasziniert und begeistert als die russische Raumfahrt in den 1990er-Jahren mit der Schweizer Traditionsmarke Fortis die Geschichte der Moonwatches fortschrieb”, erinnert sich der Uhrmachermeister.

Fortis und der Weltraum

So war die erste Uhr, die der Weltraumorganisation der Russischen Föderation im All eingesetzt wurde, der legendäre Kosmonauten-Chronograph von Fortis. „Seitdem schreibt die Marke Weltraumgeschichte und ist zu Gast bei den wichtigen Missionen und Raumfahrtstationen wie der ISS.“

„Und die Marke zeigt noch immer, dass der Weltraum viel Inspiration für die moderne Uhrentechnik parat hält“, freut sich Meister Kramer als überzeugter Fortis-Fan, der die Entwicklung des Traditionunternehmen sehr genau verfolgt.

Und das wagt sich nun mit dem „Official Cosmonauts Chronograph Amadee-20“ einen gewaltigen Schritt weiter in die unendlichen galaktischen Weiten vor, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat – zumindest bis vor kurzem. Denn im Rahmen der US-Marsmission wird mittels eines unbemannten Mini-Hubschraubers und des Mars-Rover Perseverance der rote Planet auf seine Lebensfreundlichkeit für den Menschen erforscht.

Sollte es jemals zu einer bemannten Mission kommen: die passende Uhr dafür gibt es mit der „Amadee-20“ schon – natürlich mit mechanischem Antrieb. Und die wird nicht nur einfach dabei sein, um wie auf der Erde Dienst nach Vorschrift zu machen. Dank der Mission-Control-Lünette hilft sie bei der Kommunikation zwischen der Erde und dem Mars. „Durch die riesige Entfernung dauert es nämlich im Schnitt zehn Minuten, bis das Funksignal und damit eine Nachricht übermittelt wird“, erklärt Georg Kramer. Aber mit einem einfachen Dreh an der Lünette wissen die Astronauten genau, wann ihre Nachrichten bei Mission Control ankommen.

Foto: David Goltz

Bis es so weit ist, und ein Mensch den Mars betritt, ergibt diese Funktion aber auch auf der guten alten Erde Sinn. „Ich bin in zehn Minuten da” oder „Ich rufe dich in zehn Minuten zurück” – verzögerte Kommunikation gibt es schließlich auch hier.

Dass sich Fortis mit diesem Modell auf Marsmission begibt erklärt sich dem Time Traveller Georg Kramer als logische Konsequenz aus kontinuierlicher Pionierarbeit und Innovationskraft. „Die Konstrukteure haben geziehlt ein besonderes Material verwendet. Titan ist unverwüstlich und für unbekannte raue Bedingungen ideal. Ebenso werden Mensch und Maschine unter unvorhersehbaren Bedingungen gleichermaßen belastet werden. Aber zweifellos zeugt diese Uhr von Beständigkeit.”


„Wir haben aber zudem festegestellt, dass der Titan-Chronograph ‚Amadee-20‘ auch einfach wegen seiner tollen Optik gekauft wird. Sehr oft haben wir gehört: ‚Ich nehme die Uhr, weil sie so schön ist“, berichtet Sezgin Yavuz, Uhrmacher bei Meister Kramer. Und er weiß auch, warum das so ist:

„Zum einen wirkt die Satinierung sehr nobel. Zum anderen ist Titan zeitgemäßer den je, wie man in vielen anderen Produktsegmenten sieht. Sei es im Breich Einrichtung, Elektro, Automobile oder eben Uhren. Titan ist ein Ausdruck des aktuellen Zeitgeistes und sorgt für Furore im Produktdesign.“

Foto: David Goltz

Daher ist er sich sicher, dass Titan gerade auch im Bereich Luxus zunehmen wird. Denn anders als in den 1990er-Jahren wird das Material nicht in erster Linie aufgrund seiner antiallergenen Eigenschaften geschätzt, „sondern aufgrund seiner Leichtigkeit und Robustheit, einhergehend mit einer edlen Optik.“

Nachdem Edelstahl mittlerweile im Luxusbereich erfolgreich angekommen ist, geht Yavuz fest davon aus, dass Titan der nächste Material-Step der Top-Uhrenmarken sein wird, denn „Titan ist ein zukunfstweisendes Material.“

„Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und behaupte, dass Rolex innerhalb der nächsten zwei Jahre eine ‚Submariner‘ aus Titan herausbringen wird.“

Die Kompetenz in Sachen Titan wäre mit der „Pelagos“ von Tudor ja bereits vorhanden.


Härtetest auf der Erde

Entstanden ist die „Amadee-20“ in Partnerschaft mit dem Austrian Space Forum. Das Amadee-Forschungsprogramm findet zwischen 2018 und 2028 statt, um Hardware und Arbeitsabläufe bei zukünftigen planetaren Oberflächenmissionen von Mensch und Roboter zu entwickeln.

Im Oktober 2021 wird dabei die Uhr dafür einem ultimativen Härtetest in der israelischen Wüste Negev unterzogen. Diesem blickt der Meister fieberhaft, interessiert, aber gleichzeitg auch gelassen entgegen: „Die ‚Amadee-20‘ wird die Negev Wüste überleben. Da bin ich mir zu hundert Prozent sicher.”

Mit dabei in der Negev ist auch die deutsche Analog-Astronautin Anika Mehlis.

Dass über 50 Jahre nach der ersten Mondlandung und der seitdem alle Lebensbereiche vereinnahmenden Digitalisierung die mechanische Uhr noch immer Teil einer solchen Mission ist, überrascht Meister Kramer übrigens nicht. „Es ist der anhaltende Sigeszug der feinen Präzision.“

 

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