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Swatch Group Bilanzpressekonferenz: Für CEO Nick Hayek ist 1+1=3

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Auf der gestrigen Blianz-Pressekonferenz zum Geschäftsbericht 2020 der Swatch Group zeigte sich CEO Nick Hayek in guter Stimmung, trotz eines deutlichen Verlustes im vergangenen Jahr. Seine Optimismus führt er vor allem auf die wieder gut laufenden Geschäfte in Asien und den USA sowie den wachsenden Onlinehandel zurück.

Der Umsatz der Swatch Group ist 2020 um 32,1 Prozent auf 5,6 Milliarden CHF gefallen. Das Betriebsergebnis beträgt 52 Millionen CHF (2019: 1,02 Mrd. CHF). Der Konzern weist nach einem Gewinn von 748 Millionen CHF in 2019 für das zurückliegende Jahr einen Verlust in Höhe von 53 Millionen CHF aus. Analysten hatten mit einem insgesamt etwas weniger schlechten Ergebnis gerechnet. Ohne den Geschäftsbereich Calvin Klein, welcher im Laufe von 2021 aufgegeben wird, hätte das Betriebsergebnis 99 Millionen CHF betragen, hieß es außerdem auf der gestrigen digitalen Pressekonferenz zum Geschäftsbericht.

„Hilflose Politik des totalen Lockdowns“

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Für das negative Ergebnis hatte bereits Swatch-Group-CEO Nick Hayek im NZZ-Interview die Corona-Politik mit verantwortlich gemacht.

Seine Schwester Nayla Hayek, Präsidentin des Verwaltungsrates der Swatch Group bestätigt im Geleitwort zum Geschäftsbericht 2020 diese Einstellung: „Dafür machen wir nicht Fehler des Managements oder eine Änderung des Konsumverhaltens verantwortlich, sondern die hilflose Politik des totalen Lockdowns. Alle unsere Boutiquen und die unserer Partner mussten wochenlang geschlossen bleiben. Bis zum heutigen Tag haben wir versucht, so viele unserer Läden am Leben zu erhalten, was leider nicht zu 100 Prozent durchführbar war. Auch unsere Produktion hat durch die erzwungenen Maßnahmen nur in sehr dezimiertem Maß weiterarbeiten können. Aber wir sind ja mit unserer Firma nicht nur für die nächsten ein oder zwei Jahre da, sondern langfristig. Wir sind unserer Strategie der Langfristigkeit weiter gefolgt.“

Und auch Nick Hayek ging in der Bilanzpressekonferenz noch einmal auf den Umgang der Regierungen mit der Corona-Krise ein:

„Der erste Teil 2020 war natürlich etwas völlig anderes als der zweite Teil. (…) Das hat harte Spuren auch in unseren Geschäften hinterlassen. Nicht, weil sich die Gewohnheiten der Menschen geändert haben, sondern weil Regierungen beschlossen haben, die ganze Welt herunterzufahren. Obwohl es natürlich auch einige vernünftige Gründe dafür gibt. In der zweiten Hälfte des Jahres gabe es sofort wieder eine Beschleunigung und vieles hat sich in einzelnen Ländern wieder normalisiert, aber nicht in allen Ländern.“

Retail und E-Commerce

Im Corona-Jahr wurden 384 Retailgeschäfte der Swatch Group geschlossen und zugleich in Wachstumsmärkten 55 neue Geschäfte eröffnet. Zugleich gab es im Bereich E-Commerce mit einem Wachstum der eigenen Onlineumsätze in Höhe von 70 Prozent einen massiven Schub , welcher die Verluste im traditionellen Retail jedoch nicht kompensieren konnte.

In etwa gleich hoch ist der Anstieg des Onlineumsatzes auf den Drittplattformen. Insgesamt macht der E-Commerce nun 5,5 Prozent (2019: 2,6 %) des Gesamtumsatzes aus.

Wenn man nur auf die Marken blickt, die auch tatsächlich online aktiv sind, dann beträgt der Onlineanteil mittlerweile zwölf Prozent und hat sich somit ebenfalls innerhalb eines Jahres verdoppelt. Besonders hoch ist mit 29 Prozent der Onlinanteil bei Swatch.

Dabei geht Nick Hayek davon aus, dass sich nach dem Ende von Pandemie und Lockdowns dieser Online-Zuwachs nicht wieder umkehren oder vollständig in die physischen Geschäfte zurückverlagern wird, sodass man am Ende wieder aufs Gleiche herauskommt. Seine Rechnung lautet: 1 + 1 = 3.

„Natürlich haben wir gelernt, mit der Situation der geschlossenen Läden umzugehen, mit E-Commerce zum Beispiel. Denn auch die Gewohnheiten der Konsumenten haben sich geändert, nicht nur in den Läden einzukaufen, sondern auch online. Aber wenn sich die Situation wieder normalisiert, wird es dazu kommen, dass 1 + 1 = 3 ist und nicht nur 2. (…) Wenn ich Länder anschaue, in denen der Retail total offen ist und der Konsum stark ist wie in China, sehe ich, dass der Onlineumsatz – zum Beispiel bei Tissot – on Top kommt. Da gibt es keine Kannibalisierung zwischen dem Händler und dem Onlinekanal. Das ist ein zusätzliches Business. E-Commerce ersetzt nicht die Stores, sondern beide zusammen, das ist 1 + 1 = 3. (…) Das übt natürlich auch Druck auf den Händler aus. Er muss wettbewerbsfähig sein, er muss die richtigen Produkte haben, sonst wird er konkurrenziert vom E-Commerce.“

Als Beispiel wird in der Konferenz Omega genannt. Die Marke liegt in den USA in den physischen Geschäften in den ersten zwei Monaten des Jahres 2021 20 Prozent über dem Vorjahr. Dazu kommt das Onlinegeschäft, das aktuell größer ist als die fünf größten Stores zusammen.

Marken

Gefragt nach der Performance einzelner Marken berichtet Hayek: „Wenn wir im unteren Segment anfangen, dann sehen wir, das zum Beispiel Flik Flak sehr gut läuft. Die Leute sind zu Hause, sie wollen etwas für die Kinder kaufen, also kaufen sie über E-Commerce. Flik Flak hat einer super Performance. Swatch leidet wegen des fehlenden Tourismus und Airportbusiness am meisten. Dann kommen die Marken oberhalb von Swatch, die sehr gut performen. Hamilton, Mido und Tissot machen unglaubliche Performances. Longines ist auch eine Super-Lokomotive und hat viel Erfolg mit ihren neuen, aber auch mit den traditionellen Produkten. Da kommt uns die Stärke in China zugute. Die Stärke dieser Marke in Asien wird immer noch unterschätzt. Dann kommt Omega, da gibt es lange Wartelisten. Natürlich hat Omega, da der Start des James-Bond-Films und die olympischen Spiele verschoben wurden, das Programm ein wenig verändern müssen. Das heißt, die großen Innovationen und neuen Produkte werden jetzt zusätzlich lanciert, die sind jetz t in der Pipeline. Aber auch hier übersteigt die Nachfrage die Möglichkeiten der Produktion. Und wenn wir noch höher gehen, da macht Harry Winston eine sehr gute Performance. Blancpain ist sensationell. Ich glaube, da ist die Warteliste die längste von allen Marken in der Gruppe. Breguet ist eine Welt für sich. Breguet steht nicht im Wettbewerb, um Rekorde beim Umsatz zu machen, das ist ein sehr selektives, fantastisches Produkt. Und jeder, der Breguet kennt, (…) weiß, dass Breguet nicht auf einem Marktplatz ist, um zu schreien ‚Wir sind die Größten und die Schönsten und die Besten‘.“

Ausblick

Die Konzernleitung erwartet für 2021 einen starken Nachholbedarf des Konsums von Uhren und Schmuck weltweit, wie dies schon in Mainland China nach der Normalisierung der Gesundheitssituation festgestellt wurde. Die Nachfrage werde sich zusätzlich verstärken, sobald die Reisebeschränkungen gelockert oder aufgehoben werden können.

„Unser Ziel ist es, im laufenden Jahr mit dem Umsatz so nahe wie möglich an des Niveau aus dem Jahr 2019 zu kommen.”

„Ob das klappt oder nicht, wissen wir nicht. (…) Es gibt die Zahlen des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie FH, aber damit vergleichen wir uns nicht. Das sind Exportzahlen und keine Verkaufszahlen. Aber wir sind 2021 mit unseren Umsätzen besser gestartet als die Zahlen der FH. 2020 ist außerdem nicht unser Maßstab, sondern 2019. Und da sieht es wirklich gut aus. Eine Ausnahme sind natürlich die Länder, die noch geschlossen sind. Aber auch hier verkaufen wir im Vergleich zu den Zeiten der Schließungen im Vorjahr viel mehr. Wenn wir zum Beispiel in England für drei, vier oder fünf Millionen Pfund während des Lockdowns im vergangenen Jahr verkauft haben, dann verkaufen wir jetzt dreimal mehr im Lockdown. Denn die Kunden haben gelernt, mit dem E-Commerce umzugehen, und wir haben uns in diesem Bereich auch verbessert. Die Situation im Januar und Februar 2021 ist gut, der März sieht auch gut aus. Immer dabei ist natürlich die Problematik, dass die europäischen Länder wie Deutschland, England, Holland, Italien, aber auch die Schweiz wieder Wege finden müssen, dass die Leute rausgehen, einkaufen gehen und reisen können. Im ganzen Jahr wollen wir so nah wie möglich an 2019 herankommen. Ob das klappt oder nicht, wissen wir nicht, aber es ist unsere Ziel. (…) Jetzt haben wir erst Mitte März, und wir werden sehen, was passiert.“

 

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