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Stefanie Mändlein: „Wir sehen die Inhorgenta an Europas Spitze.“

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Während die Schweizer Event-Formate der Uhrenbranche gerade einen Transformationsprozess durchmachen, sich neu erfinden müssen und um die zukunftsträchtige Form der Darbietung ringen, entwickelt sich die Inhorgenta unbeirrt und nahezu geräuschlos einfach weiter.

Während es bei der Houruniverse (bis 2019 Baselworld), den Geneva Watch Days, Watches & Wonders und der Imagination One World One Vision eher nach Revolution klingt, deren Ergebnisse sich jedoch erst noch beweisen müssen, setzt der Münchner Branchentreff auf schrittweise Evolution. Und das sehr erfolgreich, wie Projektleiterin Stefanie Mändlein betont:

„Mit unserem einmaligen Angebot und vielfältigen internationalen Marken sehen wir uns definitiv momentan an Europas Spitze und sind schon lange aus dem Schatten der anderen hervorgetreten. Doch hier hört der Erfolg für uns nicht auf, denn wir sehen noch ganz große Potenziale: wir möchten künftig verstärkt noch mehr internationale Top-Marken, aber allen voran Händler nach München holen. Ganz klar, dass wir dafür mutig und selbstbewusst kommunizieren.“

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Das Interview und weitere spannende Branchen-Geschichten lesen Sie in der September-Ausgabe von WatchPro Deutschland, die hier kostenfrei bestellt und online gelesen werden kann.

WatchPro: Wie sehr beeinflussen Sie bei der Planung der Inhorgenta 2021 die Vorgänge in der Schweiz?

Stefanie Mändlein: In der Schweizer Messelandschaft tut sich aktuell sehr viel. Natürlich beleuchten auch wir die Konzepte und Strategien, die von den Schweizer Messe-Kollegen ausgearbeitet werden. Wir haben uns in den letzten Jahren zielstrebig entwickelt und sind zu Europas führender Messe für Schmuck, Uhren und Edelsteine avanciert. Diese Position möchten wir international weiter ausbauen und bleiben dafür stets am Puls der Zeit.

WatchPro: Die Inhorgenta kooperiert mit der Imagination – One World One Vision, die erstmals 2021 stattfinden soll, und zwar kurz vor der Inhorgenta. Das erstaunt im ersten Moment. Sind Sie denn nicht eigentlich Mitbewerber, die angesichts der Terminnähe für dieselben Aussteller interessant sind?

Stefanie Mändlein: Für die Erweiterung und den Ausbau des Salon Suisse kooperieren wir mit dem Swiss Creative Lab, das beste Kontakte zu den Schweizer Uhrenmarken hat. Das Swiss Creative Lab betreut zudem – unabhängig von der Inhorgenta – weitere Projekte im Uhrensegment, wie etwa die Imagination. Die beiden Veranstaltungen haben jedoch keinen Bezug zu einander. Wir sind gespannt wie sich das Event in der Schweiz entwickelt.

WatchPro: Jedes Jahr aufs Neue stellen sich viele diese Frage: Wie steht es um die Zulassung von Endverbrauchern auf der Inhorgenta?

Stefanie Mändlein: Die Frage, ob sich die Inhorgenta Munich für Endkonsumenten öffnen soll, schwebt bereits seit einiger Zeit in unseren Köpfen. Da dieses Thema nicht nur uns als Messe, sondern vorrangig unsere Aussteller betrifft, holen wir uns regelmäßig deren Feedback ein. Aktuell möchten die meisten Marken sich auf der Inhorgenta so intensiv wie möglich um den Vertrieb kümmern. Dennoch sehen wir gleichzeitig einen wachsenden Wunsch nach der neuen Zielgruppe. Wir werden diese Entwicklung weiterhin beobachten und können uns zumindest eine teilweise Öffnung für Endkonsumenten in Zukunft durchaus vorstellen.

WatchPro: Die Digitalisierung hat in der Corona-Zeit einen deutlichen Schub bekommen. Wie ist die Inhorgenta diesbezüglich aufgestellt, welche Pläne gibt es?

Stefanie Mändlein: In unseren Augen war Digitalisierung bereits vor der Corona-Pandemie eines der wichtigsten Themen der Branche, weshalb sich viele Angebote der Inhorgenta Trendfactory genau darum drehten. Beispielsweise wurden Vorträge und Workshops zu Social Media abgehalten, da viele in der Branche hier Unterstützung benötigen. Gerade während der Shutdown-Phase wurde deutlich wie wichtig digitale Kanäle für den Vertrieb sind, weshalb dies auf der Messe 2021 ein inhaltlicher Schwerpunkt sein wird.

Zudem haben wir uns entschieden, die unterjährige Trendfactory dieses Mal als ein digitales Event zu veranstalten. Am 22. Oktober 2020 streamen wir live von einer der modernsten Digitalbühnen vom Münchner Messegelände. Dazu haben wir Spitzenreiter der Uhren- und Schmuckwelt und internationale Branchenstars bei uns auf dem Studio-Sofa zu einer hoch aktuellen Mischung aus Themen wie Nachhaltigkeit und Future Retail.

Selbstverständlich stehen wir unseren Partnern nicht nur zu ausgewählten Events zur Verfügung, sondern sehen uns als ganzjähriger Ansprechpartner. Daher nutzen wir unsere sozialen Kanäle Instagram, Facebook und LinkedIn intensiv und stehen dort mit der gesamten Industrie in Kontakt.

WatchPro: Niemand weiß, was alles in Sachen Corona noch auf uns zukommt. Aktuell steigen die Infektionszahlen weltweit wieder. Gibt es schon Gedanken an einen Plan B, falls im Februar kommenden Jahres Großveranstaltungen wie die Inhorgenta noch nicht wieder möglich sein sollten?

Stefanie Mändlein: Für uns und die Messe München haben die Sicherheit und Gesundheit von Ausstellern, Besuchern und Mitarbeitern oberste Priorität. Im Moment planen wir wie gewohnt, aber es ist natürlich schwer absehbar, wie sich die Situation entwickeln wird.

Aus diesem Grund beobachten wir die Lage sehr genau und stehen in Kontakt mit den Behörden. In Zusammenarbeit mit diesen entwickelt die Messe München zielgerichtete Gesundheits- und Sicherheitsprotokolle. Diese betreffen Sicherheitsabstände, Rückverfolgungsprotokolle und andere Hygiene- und Gesundheitsschutzmaßnahmen.

Darüber hinaus werden wir flexibel auf die sehr dynamische Entwicklung bei den Reisebeschränkungen reagieren. Aber wir blicken beim Thema Corona nicht nur auf das Jahr 2021, sondern sind auch genau jetzt, in der schwierigen Phase für unsere Partner da. Wir wollen der Branche durch diese Zeit helfen und jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stehen.

WatchPro: Sie wollen ihre nach eigenen Angaben weltweit führende Position als wichtigste globale Multisegmentmesse der Schmuck-, Uhren und Edelsteinbranche weiter ausbauen. Ist das nicht eher Zukunftsmusik und gehört die Inhorgenta nicht bislang vor allem in der DACH-Region zu den wichtigen Leitmessen?

Stefanie Mändlein: Die Inhorgenta hat sich äußerst zielstrebig entwickelt und wächst nun schon seit Jahren konstant, während viele europäische Messen straucheln oder abgesagt wurden. Mit unserem einmaligen Angebot und vielfältigen internationalen Marken sehen wir uns definitiv momentan an Europas Spitze und sind schon lange aus dem Schatten der anderen hervorgetreten.

Doch hier hört der Erfolg für uns nicht auf, denn wir sehen noch ganz große Potenziale: wir möchten künftig verstärkt noch mehr internationale Top-Marken, aber allen voran Händler nach München holen. Ganz klar, dass wir dafür mutig und selbstbewusst kommunizieren.

WatchPro: In welchen Bereichen ist die Inhorgenta schon jetzt besonders gut für die Zukunft gerüstet?

Stefanie Mändlein: Wir haben es in den letzten Jahren geschafft, ein enges Netzwerk mit unseren Brands zu knüpfen. Diese Community ist einmalig und ein großer Vorteil, da wir alle sehr partnerschaftlich miteinander arbeiten. So können wir genau herausfiltern, welche Wünsche und Bedürfnisse die Branche gerade hat und zielgerichtet darauf reagieren. Dadurch sind wir in allen Bereichen, von Nachwuchsförderung, über Digitalisierung bis hin zum Messe-Standort sehr gut für die Zukunft gerüstet.

WatchPro: Viele wünschen sich mehr Schweizer Uhrenmarken auf der Inhorgenta, das gilt für Aussteller und Besucher gleichermaßen. Zugleich vermuten viele, dass es den Schweizern schwer fällt, ausgerechnet auf einer deutschen Messe auszustellen.

Stefanie Mändlein: Die Schweiz als offizielles Partnerland 2020 war ein voller Erfolg und der Salon Suisse kam bei Ausstellern, Besuchern und den Vertretern des Schweizer Generalkonsulats wirklich sehr gut an. In diesem Zuge konnten wir die Partnerschaft zwischen den Schweizer Marken und der Inhorgenta weiter vertiefen.

Generell freuen wir uns sehr über die starke Entwicklung des Uhren-Segments in den vergangenen Jahren. Nun möchten wir das Profil der Halle A1 noch weiter schärfen und werden den Salon Suisse erneut anbieten. 2021 wird die Fläche deutlich ausgeweitet, um den traditionellen, hochkarätigen Schweizer Marken ein attraktives Umfeld anzubieten.

WatchPro: Was können Sie bereits jetzt zum Anmeldestand für 2021 sagen?

Stefanie Mändlein: Wir sind mit den bereits getätigten Anmeldungen für 2021 sehr zufrieden. Von vielen Unternehmen wurde sehr positiv aufgenommen, dass wir unseren Frühbucherrabatt in Hinblick auf die Corona-Pandemie verlängert hatten und der Branche so entgegengekommen sind.

WatchPro: Welche thematischen Schwerpunkte wir es auf der kommenden Inhorgenta geben?

Stefanie Mändlein: Inhaltlich befasst sich die Inhorgenta Munich immer mit den aktuellsten Themen der Branche. Momentan fragen sich viele, wie sich der Handel entwickelt und wie sie ihr Unternehmen bestmöglich auf die Zukunft vorbereiten, weshalb Future Retail einen Schwerpunkt bilden wird. Zudem werden wir wie bereits 2020 den Bereich Nachhaltigkeit aufgreifen, da er die gesamte Industrie betrifft.

Tags : inhorgentaMändleinMesse MünchenSalon SuisseTrendfactoryWatchboutique
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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