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Simon Wolf: „2020 wird besser als 2019!“

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Uhrenbeweger, Reiseetuis und Rollen für Zeitmesser und Schmuck sowie Safes für geliebte Schätze – das ist das Portfolio des Unternehmens Wolf, welches in fünfter Generation von Simon Wolf geführt wird. Heute befinden sich die Niederlassungen in Hongkong, Südengland und Los Angeles, aber die Wurzeln der Familie Wolf liegen in Deutschland.

Ab Oktober wird das Münchner Unternehmen ILP GmbH & Co. KG den Vertrieb und das Marketing in Deutschland und Österreich für Wolf übernehmen. „Wir möchten Sie darüber informieren, dass wir sehr stolz darauf sind, dass unser Unternehmen ILP GmbH & Co. KG ab Oktober in Deutschland und Österreich für den Vertrieb und das Handelsmarketing von Wolf verantwortlich sein wird.Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Wolf“, teilt Loek Oprinsen, Managing Director von ILP, WatchPro in einer Mail mit.

1834 gründete der deutsche Silberschmied Philip Wolf in Hanau sein Unternehmen, das seitdem ununterbrochen existiert und familiengeführt ist. Am Anfang verkaufte er nur Silberwaren, stellte aber schnell fest, dass diese sich wesentlich besser verkauften, wenn sie in einer schönen Box präsentiert wurden.

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Schon bald verkaufte er mehr Boxen als Silberwaren und stellte sein Angebot auf Aufbewahrungskästchen und -schatullen um, die nicht nur hübsch waren, sondern die darin befindlichen Dinge auch sicher schützten.

1869 kam sein sein Sohn zur Welt. Philip Wolf II entwickelte schon früh Talent und Interesse für das Geschäft und Handwerk seines Vaters. Bei einer Reise nach Schweden verliebte er sich in das Land, wanderte 1895 aus, heiratete 1910 Ida Wilhemina. Gemeinsam bekamen sie die Söhne Philip und Ernst. Letzterer eröffnete 1936 als junger Mann in Stockholm die Stockholms Etui & Koffertfabrik.

Sein Bruder, Philip Wolf III, erwies sich als kreativer Erfinder und geschickter Geschäftsmann und ersann unter anderem verschiedene Produktionstechnologien, entwickelte Scharniere, die sich an Holz heften lassen und war der Erfinder der Spieluhr mit drehbarer Ballerina. Diese Eigenschaften stellten sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges als unabdingbar heraus, sowie die Tatkraft seiner Mutter.

Denn die Familie Wolf hatte schwere Jahre hinter sich. Zwei Kinder hatten Philip Wolf II und Ida an die Spanische Grippe verloren, und Philip Wolf II selbst starb an einer Lungenkrankheit, an der er 20 Jahre gelitten hatte. Ida, der nur noch ihre Söhne Philipp III und Ernst geblieben waren, übernahm kurzerhand selbst die Leitung des Geschäfts, überwachte Produktion und Verkauf und führte das Unternehmen so erfolgreich durch diese schwierige Zeit.

1936 wurde Philip Wolf IV geboren, und verbrachte bereits als kleiner Junge viel Zeit in der Fabrik und übernahm später die Leitung des Familienunternehmens. 1960 zog er nach England und bekam von seinem Vater den Auftrag, eine Produktion aufzubauen, die zunächst in Irland, ab 1962 in Südwales angesiedelt war.

1985 tritt mit dem 21-jährigen Simon Wolf die 5. Generation ins Unternehmen ein. Ab 1988 eroberte er für das Unternehmen unter Anleitung seines Vaters Philip IV den US-amerikanischen Markt –mit Erfolg. 1998 entstand nach Schweden und Großbritannien die dritte Wolf-Niederlassung in Kalifornien. Zehn Jahre später folgte die Eröffnung des europäischen Hauptsitzes südöstlich von London.

Deutscher Markt entwickelt sich positiv

Und 2020 kehrte Wolf wieder zu seinen deutschen Wurzeln zurück. Und zwar in Form der ersten Inhorgenta-Teilnahme. „Die Resonanz der anwesenden Einzelhändler war überwältigend positiv, die Erfahrung auf der Inhorgenta war wirklich hervorragend“, berichtet Simon Wolf, der für 2021 bereits zugesagt hat.

„Wir sehen, dass sich der deutsche Markt in kurzer Zeit zu einem unserer Top-Märkte in Europa entwickelt. Zum einen, weil wir ein sehr engagiertes Team für den deutschen Markt haben, das den Einzelhändler mit Schulungen, Produktkompetenz und Kommunikation unterstützt. Zum anderen, weil der deutsche Verbraucher versteht und zu schätzen weiß, dass Wolf ein Unternehmen mit viel Erfahrung, Know-how und Innovationsgeist ist. Für den Juwelier bieten wir die perfekten Produkte, um sein Sortiment zu ergänzen. Bei jedem Verkauf eines Schmuckstücks oder einer Uhr, ist eine Box, eine Schatulle, eine Uhrenrolle oder ein Uhrenbeweger eine sinnvolle Ergänzung, mit der wichtiger Zusatzumsatz generiert werden kann“, erläutert er.

 

Apropos Uhrenbeweger: dies ist eines der Qualitätsprodukte, für die Simon Wolf besonders gute Chancen auf dem deutschen Markt sieht. Diese zählen übrigens die Umdrehungen pro Tag und sind somit „die einzig verfügbaren, wirklich genauen Uhrenbeweger“ und von Wolf patentiert.

Dabei sieht Wolf in Deutschland wie in jedem anderen Markt Wachstumspotenzial im Onlinehandel ebenso wie im stationären Handel. „Eines kann nicht zugunsten des anderen ignoriert werden. Die Corona Krise hat gezeigt, wie wichtig es ist, auch im E-Commerce-Bereich aktiv zu sein. So konnten wir unseren Einzelhandelspartnern und deren Kunden auch während des Lockdowns weiter unsere Produkte präsentieren, verkaufen und nach Hause liefern.“

 

Dabei kommt das Drop-Shipping-System zum Einsatz, das heißt die Lieferung an den Endkunden erfolgt direkt vom Lieferanten, also Wolf. Sobald eine Bestellung zum Beispiel auf der Website eines Einzelhandelspartners aufgegeben wird, versendet Wolf das gewünschte Produkt direkt an den Kunden, der volle Verkaufspreis geht an den Einzelhändler. Dieses Modell erwies sich während des Lockdowns als maßgeschneidert.

„Es ist perfekt. Die Einzelhändler stellen unsere Produkte auf ihren Websites vor, aber sie müssen den Lagerbestand nicht kaufen und vorrätig haben, was Liquidität binden würde. Und sie müssen sich nicht mit den Kosten und der Komplexität des Versands der Produkte herumschlagen, weil wir das für sie tun, und sie den vollen Einzelhandelswert des Verkaufs erhalten“, beschreibt Simon Wolf und betont, dass dieses Modell für kleine Juweliere genauso gut funktioniert wie für internationale Ketten. Und zwar so gut, dass Wolf bereits im Juni von guten Umsatzsteigerungen in diesem Bereich gegenüber dem Vorjahr berichten konnte. Ungeachtet dessen betont er die Bedeutung des unmittelbaren Kontakts, „damit der Kunde das Produkt in die Hand nehmen und verstehen kann. Eine Uhr und ein Uhrenbeweger sind Gegenstände, bei denen die Haptik eine große Rolle spielt.“

Keine rosa Punkte

Bei Uhrenbeweger spielen Trends hingegen eine weitaus weniger bedeutende Rolle als zuverlässige Funktionalität im zeitlosen Design. „Wir machen keine Sachen mit rosa Punkten“, lacht Wolf.

„Die Uhrenbeweger-Kollektion ‚Viceroy‘ für ein bis acht Uhren ist seit über einem Jahrzehnt bei uns erhältlich. Abgesehen von den technologischen Verbesserungen ist sie gleich geblieben, aber wir verkaufen jedes Jahr mehr davon, da wir als Marke immer bekannter werden. Wir haben das Design überhaupt nicht verändert. Für das Jahr 2020 haben wir die neue Uhrenbeweger-Kollektion ‚British Racing Green‘, die gut in den traditionellen Lebensstils unserer typischen Kunden passt. Ich möchte, dass unsere Kunden eine emotionale Verbindung zu unseren Produkten haben. Sie halten lange, und ich möchte, dass sie auch in zehn Jahren noch klassisch aussehen.“

Wolf-Produkte kommen eben nicht aus der Mode und so muss sich auch kein Juwelier Sorgen machen, dass sein entsprechender Lagerbestand saisonbedingt altert.

Schmuckaufbewahrung, Pflege- und Reiseaccessoires machen die Hälfte des Umsatzes und mengenmäßig 70 Prozent der verkauften Produkte aus. Hier spielt Trend durchaus eine Rolle, aber auch hier geht man nicht zu weit. Doch manchmal packt es Simon Wolf, und er entwirft ein extravagantes Design, das Aufmerksamkeit erregt. „Selbst wenn es sich nicht verkauft, spielt es keine Rolle, denn ich möchte zeigen, wozu wir fähig sind.“

2020 wird besser als 2019

Seine geschäftlichen Fähigkeiten muss das Unternehmen in der kommenden Zeit ganz besonders unter Beweis stellen, um die ambitionierten Ziele von Simon Wolf zu erreichen. „Ich sehe es so: wir hatten drei herausfordernde Monate, also müssen wir das Geschäft von zwölf Monaten nun in neun Monaten realisieren. Wir haben unsere Umsatzziele für das Jahr in keiner unserer drei Regionen angepasst. Wir werden so hart arbeiten, wie wir können.“

Dabei hängt sein Erfolg eigentlich ganz direkt mit dem Erfolg des Uhrenmarktes zusammen, und da sieht es nicht so aus, als ob der durch den Lockdown verlorene Umsatz so schnell wieder kompensiert werden könnte. Und eigentlich hatte Simon Wolf am Anfang der Pandemie auch entsprechende Befürchtungen.

„Aber wir haben hart gearbeitet, um alles am Laufen zu halten. Wir haben uns mit unseren Einzelhandelspartnern zusammengetan, und ich kann nun mit Stolz sagen, dass wir wieder wie vor der Pandemie liefern. Ich denke, 2020 wird besser als 2019. Das liegt sicher auch daran, dass der Kunde bewusster kauft, langfristiger denkt und so stärker auf hochwertige Qualitätsprodukte wie unsere setzt.“

Das Kundenerlebnis ist für Simon Wolf ein weiterer Schlüssel zum Erfolg. Von der Präsentation bis zur Entnahme aus der Verpackung und dem ersten Betrachten zu Hause muss alles stimmen, da legt er auf jedes noch so kleine Detail Wert.

Eine stimmige Messesaison 2021 ist für ihn übrigens ein entscheidender Aspekt, damit die ganze Branche wieder neue Kraft schöpfen und sammeln kann, um wieder zu alter Stärke zu kommen.

„Ich hoffe, dass die Menschen in der Schweiz alles in einem Event zusammenfassen. Die Kosten für diese Ausstellungen belaufen sich auf Hunderttausende von Dollar für ein Unternehmen wie Wolf, und viele Millionen für die größten Marken. Es sind die verschiedensten Menschen, Unternehmen und Egos beteiligt, aber wir brauchen einen einzigen Ort, an dem wir alle zusammenkommen, um Geschäfte zu machen, zu lachen und etwas zu trinken. Ich muss alle meine Agenten aus der ganzen Welt erreichen, und das ist es, was eine großartige Schweizer Show für mich tut. Watches & Wonders von einer Richemont-Show in etwas Größeres zu vewandeln, ist ein großer Wunsch von mir.“

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Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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