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Shopware als Onlinelösung für den stationären Juwelier

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Mit einem ganz neuen Ansatz ging Daniel Haug 2018 mit seinem Unternehmen Wesionaire an den Start. Von Anfang an ging es ihm dabei um die Stärkung des stationären Handels durch Digitalisierung.

Aufgrund seiner langjährigen Vertriebserfahrung in der Uhrenbranche weiß er ganz genau, dass der Konsument von heute längst ein Multichannelshopper ist und sich seine Informationen vor dem Kauf on- und offline holt.

Damals begann er mit einem Onlinevertrieb verschiedener Uhrenmarken und einem Konzept, bei dem teilnehmende Fachhändler an den Onlineumsätzen beteiligt werden. „Und dass, ohne die Uhr jemals gesehen zu haben. Denn der Händler muss nicht das komplette Sortiment einer Marke im Geschäft vorrätig haben. Wir haben also einen Ansatz entwickelt, der nicht nur eine Koexistenz von Fach- und Onlinehandel erlaubt, sondern auch für einen fairen Ausgleich sorgt“, erläuterte er seine Geschäftsidee, die er Wesionaire taufte.

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Der Name erinnert nicht grundlos an den Begriff Visionär, wurde aber durch das englische Wort „We“ für „Wir“ ergänzt. Denn bei der Vision von Daniel Haug geht es um das Miteinander zwischen Fachhandel und Industrie.

Und diese Vision hat dazu geführt, dass sein Leistungsangebot für den Juwelier mittlerweile deutlich umfangreicher geworden ist. Im Zentrum steht dabei die Integration des Juwelier-Angebots in Shopware, ein seit 2004 in Deutschland entwickeltes, modulares Online-Shopsystem.

Seit Oktober 2020 verfügt Clarity & Sucess als einziges Warenwirtschaftssystem für Juweliere über eine fertige Schnittstelle zu Shopware. Dadurch werden zum Beispiel Artikeldaten automatisch in den Onlineshop exportiert und Verkäufe über den Onlineshop automatisch im Warenwirtschaftssystem erfasst.

Im Interview mit WatchPro erläutert Geschäftsführer Daniel Haug die Notwendigkeit von Online für den stationären Handel.

WatchPro: Sie haben in den letzten zwei Jahren Ihr Portfolio deutlich ausgeweitet. Wie kam es dazu und steht immer noch der Fachhandel im Fokus?

Daniel Haug: Wir sind ja noch ein sehr junges Unternehmen und da ist es normal, dass man sein Geschäftsmodell an die sich bietenden Chancen anpasst. Wir haben gemerkt, dass es als Distributionsunternehmen sehr schwer ist, sich rein über den Vertrieb von Ware am Markt durchzusetzen. Die neuen Unternehmensbereiche sind aber hauptsächlich aus den Anforderungen der Fachhändler und der Distributionsmarken an unser Unternehmen entstanden. Somit stehen die Lösungen, die wir unseren Partnern anbieten können, bei uns im Fokus.

WatchPro: Was genau umfasst ihr Serviceangebot?

Daniel Haug: Neben unserer klassischen Distribution haben wir inzwischen eine Shopware-Agentur, mit der wir Onlineshops für Juweliere und natürlich auch andere Kunden bauen. Für etwas größere Kunden oder Kunden, welche zukünftig hauptsächlich online arbeiten wollen, bieten wir einen Lösungsansatz über das Multi-Channel E-Commerce Warenwirtschaftssystem Plentymarkets mit einer direkten Anbindung an viele Plattformen. Für beide Systeme existieren auch Kassenlösungen für den stationären Handel. Hinzukommen reine Beratungsprojekte im Bereich E-Commerce.

WatchPro: Warum sind Online-Shops mittlerweile auch für den stationären Handel so wichtig beziehungsweise werden immer wichtiger?

Daniel Haug: Ein Onlineshop ist wie eine zweite Filiale, die 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche geöffnet hat. Wie wichtig diese zweite Filiale ist, hat man im vergangenen Jahr gesehen. Die Online-Darstellung des Warenangebots ist aber auch die Grundvoraussetzung für ein effektives Click & Collect in den kommenden Wochen und Monaten. Selbst in der „Post-Corona-Zeit“ bieten sich dem stationären Einzelhändler dadurch viele Vorteile wie zum Beispiel ein digitales Schaufenster, eine Senkung der Schwellenangst, der schnelle Abverkauf von Slow-Sellern oder das Sammeln von Kundendaten für zukünftige Werbekampagnen.

WatchPro: Welche Vorbehalte gibt es seitens der Juweliere immer noch gegenüber einem eigenen Onlineshop?

Daniel Haug: Viele Juweliere denken, dass Sie online gegen die „großen“ keine Chance haben, und sie haben teilweise schon schlechte Erfahrungen gemacht. Es gibt aber durchaus Ansätze, bei welchen entweder nicht nur über den Preis verkauft wird, oder sich die Abwicklung nicht komplett automatisieren lässt. An halbautomatisierten Geschäftsvorgängen haben die „großen“ kein Interesse.

Letztendlich muss für einen erfolgreichen Onlineshop immer die Bereitschaft da sein, sich in ein neues Themengebiet einzuarbeiten. Bei den bisherigen Shops konnten die Juweliere die Kosten für den Onlineshop innerhalb von wenigen Monaten wieder amortisieren und haben für die Zukunft die Erträge aus dem stationären und Onlinehandel.

 

WatchPro: Was zeichnet Shopware aus und wie genau sieht Ihre Dienstleistung diesbezüglich aus?

Daniel Hauf: Shopware ist mit mehr als 100.000 Kunden eines der führenden Onlineshop Systeme in Deutschland. Wir haben uns gezielt für die Flexibilität von Shopware entschieden, da wir dort nahezu jegliche Funktionen im Code integrieren und an die Wünsche des Kunden anpassen können.

Dies ist zum Beispiel bei Shopify nicht so der Fall. Unseren Kunden bieten wir hier das Full-Service Paket aus Beratung, Shop-Erstellung, Anbindungen an verschiedene Plattformen wie zum Beispiel Google, Amazon und so weiter, die Optimierung für Suchmaschinen und die anschließende Wartung.

WatchPro: Das weit verbreitete Warenwirtschaftsprogramm Clarity & Success verfügt über eine Schnittstelle zu Shopware. Wie ist es dazu gekommen?

Daniel Haug: Zu Beginn der Krise im März 2020 haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir dem Handel helfen können. Dabei ist uns aufgefallen, dass die meisten Juweliere keinen eigenen Onlineshop betreiben können, da keine Schnittstellen zu den verschiedenen Onlineshop-Systemen vorhanden sind, über welche dann reibungslos Lagerbestände, Preise und Aufträge übergeben werden können.

Wir wollten an dieser Stelle aber eine Hilfe zu Selbsthilfe geben und haben daraufhin die führenden Juwelier-Softwareanbieter Clarity & Success, Wawi UJS/R&G-IT und OPAL kontaktiert. Mit Clarity & Success sind wir uns relativ schnell einig geworden und haben hierfür die Schnittstelle zu Shopware programmiert. Diese ist seit Oktober 2020 verfügbar und wird für Clarity & Success Anwender bis Q3 2021 auch die einzige Schnittstelle zu einem Online Shopsystem bleiben.

WatchPro: Was ist mit den Händlern, die mit einem anderen oder gar keinem Warenwirtschaftssystem arbeiten?

Daniel Haug: Grundsätzlich lässt sich ein Onlineshop dennoch umsetzen. Jedoch halte ich es für unabdingbar, dass der Onlineshop mit dem Warenwirtschaftssystem verknüpft ist. Nur so hält sich der manuelle Aufwand in Grenzen. Wir sind aber immer bereit weitere Anbindungen für Hersteller und Kunden zu realisieren.

Tags : CoronaDaniel HaugDigitalisierungEinzelhandelHandelLockdownWesionaire
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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