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Schweizer Uhrenindustrie schrammt an Rekord-Monat vorbei (Kommentar)

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Die seit Jahresbeginn positive Entwicklung der Schweizer Uhrenexporte setzte sich im Juli fort. Sie nahmen um 8,9 Prozent gegenüber dem Juli 2021 zu und hatten ein Wert von gut 2,1 Milliarden Franken. Das ist das höchste Monatsergebnis seit dem Rekord-Monat Oktober 2014.

Insgesamt wurden 1,5 Millionen Uhren exportiert, das sind 2,7 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Uhren aus allen Materialien nahmen wert- und mengenmäßig zu, wobei es zwei Ausnahmen gibt. Eine davon sind Uhren aus Stahl, bei denen das Exportvolumen mit 857.000 Einheiten im Juli um sieben Prozent gegenüber Juli 2021 abnahm. Dafür trugen Stahluhren wertmäßig am stärksten zu dem guten Ergebnis bei. Für 844,5 Millionen CHF verkauften die Schweizer Hersteller solche Zeitmesser ins Ausland, das sind 9,5 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.

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Wertmäßig deutlich stiegen darüber hinaus vor allem Uhren aus „anderen Metallen“ (+34 %) und „anderen Materialien“ (+54,1 %). Allerdings nahm die Zahl der exportierten Uhren aus „anderen Materialien“ mit minus 23,9 Prozent als zweite Ausnahme deutlich ab.

Blickt man auf die Preissegmente, zeigt sich das gewohnte Bild der letzten Monate. Uhren im Bereich zwischen 200 und 500 CHF (Exportpreis) verlieren deutlich (Wert -29,2 %/Menge -26,7 %), während Uhren über 500 CHF, die über ein Drittel des Export-Volumens und fast 95 Prozent des Export-Umsatzes ausmachen, sowohl wert- als auch mengenmäßig zulegten. 500-3.000 CHF: +10,4 %/+9,9 %; > 3.000 CHF: +10,9 %/+12 %.

Die Vereinigten Staaten mit einer wertmäßigen Zunahme der Exporte um 13,5 Prozent bestätigten die im Juni eingesetzte Wachstumsverlangsamung. China (+18,4 %) kehrte nach einem schwachen zweiten Quartal (-43,3 %) nach Aufhebung der wichtigsten Covid-Beschränkungen zum Wachstum zurück. In Hongkong (-11,9 %) konnte im Juli 2022 auch weiterhin kein Ende der Negativentwicklung (Juni-Juli 2022: -11,6 %) festgestellt werden.

In Europa (+8,0 % verglichen mit Juli 2021) verzeichneten die Hauptmärkte ein überdurchschnittliches Wachstum, wie beispielsweise in Großbritannien (+11,8 %), Frankreich (+11,5 %), Deutschland (+12,6 %) und Italien (+31,3 %).

Kommentar

Es läuft gut für die Schweizer Uhrenindustrie. Aber mit dem Export und dem Reinverkauf in den Handel ist die Geschichte ja nicht nicht beendet. Das Happyend ist erst dann gesichert, wenn auch der Durchverkauf beim Handel reibungslos läuft. Schwächt sich die Nachfrage des Endkunden ab – Inflation, steigende Energiepreise, Unsicherheit infolge des Ukrainekrieges – machen dies nicht unwahrscheinlich – kann der momentane Anstieg der Exportzahlen ins Stocken geraten.

Optimisten meinen, dass dies den ohnehin schon überhitzten Luxusuhrenmarkt nicht beeinträchtigen würde. Ausgemacht ist dies jedoch längst nicht.

Hoffentlich haben die Optimisten recht mit der anhaltend starken Nachfrage nach Luxusgütern. Aber die Hersteller müssen schlau und aufmerksam sein. Wenn der Durchverkauf nachlässt, sollten sie ihrer Produktion anpassen – sprich reduzieren. Ansonsten droht ein Überangebot – und das nützt niemandem.

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Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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