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Schweizer Luxus-Uhrenmarken sind mit Vorsprung ins Krisenjahr gestartet

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Die Schweizer Luxusgüterunternehmen haben im internationalen Vergleich eine Rekordmarge erzielt und sich für das schwierige Jahr 2020 einen Vorsprung herausgearbeitet. Die Zahlen des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Deloitte beziehen sich auf 2019 und somit auf die Zeit vor der Corona-Pandemie.

Dennoch lohnt sich der Blick darauf. Besonders in der Unterkategorie Schmuck und Uhren glänzen Schweizer Unternehmen und machen im Top 100 Ranking Deloitte Global Powers of Luxury Goods für das Jahr 2019 einen Drittel aller Unternehmen aus.

Mit zwei Unternehmen in den Top 10 und insgesamt neu zehn statt neun Unternehmen erzielte die Schweiz 13,2 Prozent des Luxusgüterumsatzes im gesamten Ranking.

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Während fast alle Schweizer Unternehmen wuchsen, verzeichnete die Swatch Group einen Rückgang um drei Prozent und fiel im diesjährigen Ranking vom achten auf den zehnten Platz zurück.

Gleichzeitig ist der Luxusuhrenhersteller Richard Mille mit einem beeindruckenden Wachstum von 200 Prozent an die Spitze der wachstumsstärksten Unternehmen geprescht.

Die COVID-19-Pandemie hat die Hersteller von Luxusgütern stark in Mitleidenschaft gezogen: Während der Lockdown-Maßnahmen führten Reisebeschränkungen und Geschäftsschließungen weltweit zu einem dramatischen Einbruch der traditionellen Detailhandelsumsätze.

Das gute Uhrenjahr 2019 bescherte daher eine gute Ausganglage für das schwierige Jahr 2020.
Aus globaler Sicht erzielten die 100 führenden Luxusgüterunternehmen im Geschäftsjahr 2019 einen Gesamtumsatz von 281 Milliarden US-$. Gemäß der Global Powers of Luxury Goods 2020 Studie von Deloitte entspricht dies einem Wachstum von 8,5 Prozent gegenüber den im Vorjahr verbuchten 247 Milliarden US-$.

Die Top 100 Luxusgüterunternehmen mit Sitz in China, Japan und den USA verzeichneten im Geschäftsjahr 2019 zusammengenommen einen markanten Rückgang des Umsatzwachstums gegenüber dem Vorjahr, während Unternehmen mit Sitz in Europa ihr Wachstum steigern konnten – mit Ausnahme des Vereinigten Königreichs, das einen leichten Rückgang verzeichnete.

Der Konzentrationsprozess beschleunigte sich und erstmals trugen die Top 10 Luxusunternehmen mehr als die Hälfte (51,2 Prozent) zum gesamten Luxusgüterumsatz der Top 100 bei.

Richemont nach wie vor die Nummer 1 im Schmuck- und Uhrenbereich

Die Schweiz ist mit 32 Prozent Marktanteil unangefochtener globaler Marktführer im Schmuck- und Uhrensektor. Diese Unterkategorie des Luxusgütermarktes macht 27,1 Prozent aller weltweiten Luxusgüterumsätze aus.

So sind die zehn Schweizer Unternehmen in den Top 100 allesamt Schmuck- und Uhrenhersteller. In der Schweiz hat Richemont mit mehr als einem Drittel (37 Prozent) den größten Anteil am Verkauf von Luxusgütern, gefolgt von der Swatch Group (22 Prozent) und Rolex (18 Prozent).

Weltweit sind zehn der 31 Unternehmen aus der Schmuck- und Uhrenbranche in der Schweiz ansässig.

Richemont zeichnete im Geschäftsjahr 2019 für 18 Prozent des weltweiten Umsatzes mit Schmuck und Uhren verantwortlich, für die Swatch Group waren es elf Prozent.

„Wie in den meisten Ländern hat COVID-19 auch in der Schweiz die Luxusgüterindustrie hart getroffen“, erklärt Karine Szegedi, Head of Fashion & Luxury bei Deloitte Schweiz. „Der weltweite Einbruch des Tourismus aufgrund von Reisebeschränkungen, die gesunkene Binnennachfrage sowie das vorsichtige Ausgabeverhalten wirkten sich direkt auf diese Unternehmen aus, wie auch unsere jüngste Deloitte Swiss Watch Industry Study zeigte. Die Tatsache, dass die Schweizer Schmuck- und Uhrenindustrie im Vergleich zu vielen anderen Branchen in einer besseren Ausgangslage in dieses krisengeschüttelte Jahr 2020 eingetreten ist, ist indes positiv zu sehen.“

Swatch Group verliert an Boden, Richard Milles rast an die Spitze

Trotz ihrer Position in den Top 10 hat die Swatch Group im Luxusgüter-Ranking zum vierten Mal in Folge Plätze verloren. Swatch war das einzige Unternehmen in den Top 10, das einen Rückgang des Nettoumsatzes mit Luxusgütern (-3,0 Prozent) verzeichnete.

„Die Abschwächung wichtiger Währungen wie des US-Dollar oder des Euro gegenüber dem Schweizer Franken hat die Ergebnisse des Unternehmens belastet“, erklärt Karine Szegedi. „Zudem wurde in Hongkong einen Umsatzrückgang verbucht und das weltweite Filialnetz des Unternehmens schrumpft.“

Die kanadische Modemarke Canada Goose hielt in den letzten zwei Jahren die Spitzenposition als wachstumsstärkstes Unternehmen, musste für 2019 diesen Platz jedoch an den Schweizer Luxusuhrenhersteller Richard Mille abtreten.

Der deutliche Anstieg des geschätzten Umsatzes im Geschäftsjahr 2019 war hauptsächlich auf die umfassende Integration der Detailhandelsaktivitäten von Richard Mille zurückzuführen. Ohne diese Umstrukturierung betrug das organische Umsatzwachstum von Richard Mille rund 20 Prozent.

Die Rangliste der 20 wachstumsstärksten Unternehmen basiert auf der durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate des Luxusgüterumsatzes über einen Zeitraum von drei Jahren. Richard Mille verzeichnete bei Luxusgütern ein Umsatzwachstum von 200 Prozent und kletterte vom sechsten auf den ersten Platz.

Die Pandemiekrise als Beschleunigerin

Die Pandemie treibt die Marken dazu an, neue Wertschöpfungsmodelle schneller einzuführen. Luxusgüterunternehmen nutzen digitale Technologien, um das Einkaufserlebnis für ihre Kunden im Einzelhandel zu verbessern.

„Die Luxusgüterunternehmen haben erheblich in nachhaltige Technologien und andere Maßnahmen wie den Ausgleich von CO2-Emissionen zur Bekämpfung des Klimawandels investiert“, sagt Karine Szegedi.

„Diese Investitionen sind indes nicht auf Innovationen in der Lieferkette beschränkt. Auch die sich ändernden Bedürfnisse von Konsumentinnen und Konsumenten in Bezug auf Nachhaltigkeit sind bedeutende Impulsgeber für Luxusgüterunternehmen.“

Tags : deloitteLuxusundustrierichard milleRichemontRolexSchweizer Uhrenindustrieswatch
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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