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Russland als Abnehmerland spielt für die deutsche Uhren- und Schmuckindustrie eine untergeordnete Rolle

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Corona und Krieg lässt keine Prognosen für 2022 zu, so der Bundesverband der Schmuck- und Uhrenindustrie e. V. (BVSU). Die Preise für Schmuck und Uhren werden aber wohl steigen.

Nachdem sich viele noch Anfang des Jahres eine andere Entwicklung erhofften, wurde der brutale Angriffskrieg Russlands in der Ukraine am 24. Februar zur Realität. Gepaart mit der (noch) nicht ausgestandenen weltweiten Corona-Krise ist es derzeit schwierig, genaue Vorhersagen über die Entwicklung der Branche im laufenden Jahr zu machen, so der Bundesverband der Schmuck- und Uhrenindustrie e. V. (BVSU).

Bezogen auf die Russland-Krise stellen sich für den Verband vor allem zwei Fragen:

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  • Welche Bedeutung hat Russland als Lieferant und Konsument für die Schmuck- und Uhrenindustrie?
  • Welche Folgen hat der Krieg in der Ukraine für die Weltwirtschaft und damit einhergehend auch für unsere Branche?

Durch die nahezu weltweit verhängten Sanktionen und die proaktiven Reaktionen der Industrie sei hierbei zunächst einmal die Rolle Russlands als Zulieferer für die Branche zu betrachten, denn Russland ist ein wichtiger Lieferant von Gold (global 9 % Produktionsanteil), Diamanten (global nach Schätzungen 25-30 % Produktionsanteil) und Palladium (global ca. 45 % Produktionsanteil).

Der Boykott dieser Bezugsquellen wird wohl oder übel die Preise für diese Rohstoffe mittelfristig belasten und somit auch Auswirkungen auf die Preispolitik bei Uhren und Schmuck haben.

Lieferengpässe sind jedoch zumindest kurzfristig eher nicht zu erwarten, das größte Sorgenkind in diesem Zusammenhang ist Palladium, welches in der Schmuckindustrie zur Herstellung von Weißgold benötigt wird.

Russland als Abnehmerland spielt ein untergeordnete Rolle

Bei den Auswirkungen auf Russland als Verbraucher muss beachtet werden, dass der russische Inlandsmarkt für Schmuck- und Uhren vergleichsweise klein ist. Die deutsche Schmuckindustrie exportierte im Jahr 2021 wertmäßig 0,85 Prozent ihres Gesamtexportes nach Russland, die deutsche Uhrenindustrie 1,06 Prozent, im Vergleich hierzu die Schweizer Uhrenindustrie 1,2 Prozent.

Die Ausgaben der russischen Bürger für Uhren und Schmuck im Ausland ist deutlich schwieriger zu bewerten. Dieser dürfte zwar bedeutend sein, einen Anteil von fünf Prozent am Gesamtkonsum internationaler Touristen jedoch nicht überschreiten und somit keinen Vergleich zu den Ausgaben chinesischer, amerikanischer oder mitteleuropäischer Touristen darstellen.

In der Innenansicht der Branche sollten die direkten Folgen des Krieges in der Ukraine und der Sanktionen sowohl in Bezug auf das Angebot als auch auf die Umsätze spürbar, kurzfristig schmerzhaft, langfristig jedoch nicht existenzbedrohlich sein.

Ganz anders mag es aussehen, wenn man die kompletten Implikationen auf die Weltwirtschaft mitberücksichtigt. Die von Russland verursachte Krise kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Lage der Weltwirtschaft durch die Corona-Pandemie sowieso schon angespannt war. Viele Länder haben hohe Schulden gemacht um die Krise für Wirtschaft und Bevölkerung abzufedern.

Der Krieg in Osteuropa wird durch erhöhte Rüstungsausgaben, hohe Energiekosten und viele andere Faktoren zusätzliche Schulden weltweit verursachen, die Inflation wird überall weiter zunehmen. All diese Punkte werden Auswirkungen auf das weltweite Konsumverhalten haben, deren Größen zum aktuellen Zeitpunkt nicht quantifizierbar sind.

Sie werden auch vor unserer Branche nicht halt machen. BVSU Präsident Uwe Staib ist deshalb sicher:

„Für das Jahr 2022 und darüber hinaus gilt es für jeden Unternehmer wachsam zu bleiben und die weltwirtschaftliche Lage ständig neu zu bewerten. Dies gilt trotz aller Freude über die unter den aktuell gegebenen Umständen gut laufenden Geschäfte der Branche.“

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Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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