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Presseschau: Kritischer Blick auf den neuen Prachtbau der Swatch Group

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Gerade erst eingeweiht, ruft der neue Hauptsitz der Swatch Group bereits kritische und nachdenkliche Stimmen auf den Plan.

So widmete die Aargauer Zeitung AZ der „Schlange“ – so der Spitzname des neuen Hauptsitzes der Swatch Group in Biel – der Bedeutung solcher „Monumentalbauten“ einen ausführlichen Artikel.

Architekt Shigeru Ban und die Geschwister Nayla und Nick Hayek bei der Eröffnung in Biel.

Carlo Giordanetti, Creative Director von Swatch: „Ziel von Swatch ist es, in diesem aufsehenerregenden Bau des japanischen Exzentrikers Shigeru Ban 400 Arbeitsplätze der Swatch-Gruppe zu konzentrieren und – mindestens so wichtig – nach außen ein Zeichen für die eigene Innovationskraft, Fantasie und wirtschaftliche Potenz zu setzen.“

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125 Millionen Franken hat alleine die „Schlange“ gekostet, insgesamt 200 Millionen der ganze Uhrencampus, den die Swatch Group bereits als neues Wahrzeichen für die Stadt und Region Biel bezeichnet, berichtet die Autorin Sabine Altorfer.

Sie zieht eine Parallele zum sogenannten weißen Roche-Turm in Basel, dem höchsten Turm der Schweiz. Mit dem 500-Millionen-Franken-Gebäude wolle das Pharmaunternehmen eine klare Botschaft aussenden: „Wir sind groß. Wir sind reich. Hier herrschen wir.“

Roche ist weltweit eines der größten Unternehmen in seiner Branche – das gilt auch für die Swatch Group in ihrem Segment. Ob es aber wirklich nur darum geht, Dominanz zu repräsentieren, sei dahin gestellt.

Schließlich konzentriert die Swatch Group nun 400 Mitarbeiter an einem Stamdort, allein dafür bedarf es schon einer gewissen Gebäudegröße. Dass dies auch mit einer spektakulären, nachhaltigen Architektur verbunden wird ist sicher auch eine Frage des Images. Aber das ist mehr als legitim.

Scheinbar müssen sich die Schweizer an solche Bauten inmitten ihrer Städte aber noch gewöhnen.

„Das Phänomen, dass ein Firmensitz ein Stadtbild dominiert, ist in der Schweiz neu. Die Industriebauten der Gründergeneration wurden wegen ihrem Lärm und Rauch meist großflächig außerhalb der Zentren angelegt“, schreibt Altorfer.

In anderen Teilen der Welt seien achitektonische „phallische Auftrumpfsymbole“ von Firmen längst gang und gäbe. Die Schweizer Firmenlandschaft weise solche zeichenhaften Monumentalbauten nur wenige auf. „Hierzulande agiert man mit bescheidener, durch Baugesetze begrenzter Geste. Man setzt dafür auf Eleganz und wird allenfalls im Detail ausgefallen.“

Ob die Autorin dem neuen Hauptsitz der Swatch Group ebenfalls Bescheidenheit attestiert, lässt sie offen. Vermutlich aber eher nicht.

In der zunehmenden Omnipräsenz der Firmensitze in den Städten sieht sie allerdings nicht nur eine visuelle Veränderung, sondern eine neue gebaute Rangordnung, die von einer Gewichtsverschiebung der Macht zeugt. Waren es früher die Kirchen und öffentlichen Einrichtungen, die das Stadtbild prägten, träten diese immer mehr in den Hintergrund: „Die Kirchen sind marginalisiert, ebenso die Paläste des Volkes.“

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Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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