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EXKLUSIV: Philipp Man, CEO/Co-Founder CHRONEXT: „CPO-Uhren sind immer verfügbar.“

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Die Analyse der beliebtesten Uhrenmarken und -kollektionen durch zwei der führenden europäischen Sekundärmarktspezialisten, CHRONEXT und Watchfinder & Co., offenbart interessante Unterschiede zwischen den Ländern, aus denen Vertragshändler und Geschäfte mit Pre-owend-Uhren lernen können.

(Hier geht es zu Teil 1 der Special Reports zum Pre-owned-Uhrenmarkt von CHRONEXT & WatchPro)

(Hier geht es zu Teil 2 der Special Reports zum Pre-owned-Uhrenmarkt von CHRONEXT & WatchPro)

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Viele Online-Suchen nach und -Verkäufe der führenden Marken finden auf den Seiten von CHRONEXT mit Sitz in Deutschland oder von Watchfinder, das sich im Besitz von Richemont befindet und seinen Sitz in Großbritannien hat, statt.

Es gibt dabei signifikante Unterschiede, wenn es um die Modelle mit der größten Zugkraft geht. Es überrascht wenig, wenn CHRONEXT berichtet, dass Rolex in vier von fünf Hauptmärkten die meistverkaufte Marke ist: Deutschland, Großbritannien, Österreich und Frankreich, die „Datejust“ ist dabei die beliebteste Kollektion.

Nur in der Schweiz ist Breitling die meistverkaufte Marke und die „Seamaster“ von Omega die beliebteste Einzelkollektion.

„Die ‚Datejust‘ von Rolex ist das beliebteste Modell. Einer der Gründe für diese Beliebtheit ist das zeitlose Design, gepaart mit den verschiedenen Optionen für individuelle Vorlieben“, vermutet Philipp Man, CEO und Mitbegründer von CHRONEXT.

Auch die Verfügbarkeit von brandneuen Uhren könnte die Nachfrage beeinflussen. Eine Suche auf CHRONEXT Mitte Dezember ergab 99 gelistete „Datejust 41mm“ von Rolex, von denen 95 brandneu und ungetragen waren. Die Suche nach der „Submariner“ zur gleichen Zeit ergab 64 Treffer, von denen aber nur neun neu und ungetragen waren.

Dies ist ein wichtig Aspekt, weil neue und ungetragene Uhren etwa zwei Drittel der Uhrenverkäufe auf CHRONEXT in Deutschland (72 Prozent), in Großbritannien (67 Prozent), in der Schweiz (75 Prozent) und in Frankreich (63 Prozent) ausmachen.

Die „Daytona“ von Rolex ist ein guter Indikator für den Sekundärmarkt. Die Preise steigen hier bis auf das Doppelte des UVP für autorisierte Händler. Bei CHRONEXT rangiert die Uhr jedoch überraschend weit hinten bei den Verkäufen und erreicht in Deutschland, der Schweiz und Österreich nicht einmal die Top 10. In Großbritannien belegt sie den 6., in Frankreich den 5. Platz.

Es sind aktuell rund 60 „Daytonas“ bei CHRONEXT gelistet, gut 20 davon sind neu. Schränkt man die Suche auf die beliebtesten Edelstahlmodelle ein, sinkt die Zahl auf sechs, von denen nur zwei ungetragen sind.

Meistverkauften Modelle 2020 auf Chronext

  • Breitling: „Colt Automatic 41“
  • Rolex: „GMT-Master II“
  • Omega: „Speedmaster Moonwatch Professional“
  • Rolex: „Datejust 41“
  • Breitling: „Navitimer 8 Chronograph 43“
  • Rolex: „Air-King“
  • Omega: „Speedmaster Moonwatch Professional Chronograph”
  • Breitling: „Colt Automatic 41“
  • Rolex: „Submariner Date“
  • Rolex: „Datejust 41“

Watchfinder hat keine Analyse seiner Verkäufe zur Verfügung gestellt, hat aber WatchPro Daten über die Anzahl der Suchanfragen von Kunden nach bestimmten Uhrenmarken und einzelnen Kollektionen geliefert. Das Geschäftsmodell der zu Richemont gehörenden Plattform ist etwas anders als das von CHRONEXT.

Während CHRONEXT jede Uhr prüft und eine Garantie für sie ausstellt, bevor sie an einen Kunden versandt oder in einer der weltweiten Lounges persönlich übergeben wird – selbst wenn es sich um eine Konsignationsuhr handelt –, kauft Watchfinder jede Uhr auf und unterzieht sie dann ebenfalls einer mehrfachen Prüfung, repariert und bereitet sie auf, falls erforderlich, und kennzeichnet alle Uhren als gebraucht, selbst wenn sie tatsächlich brandneu sind.

Die neueste „Datejust“ für Herren von Rolex war Mitte Dezember auf Watchfinder eine 2020er „Oystersteel 41 mm“ mit Box und Papieren. Sie ist neu und ungetragen, aber die Herstellergarantie beträgt nur vier Jahre und 8 Monate (anstelle der üblichen 5-Jahres-Garantie von Rolex), was bedeutet, dass sie im Laufe des Jahres bei einem autorisierten Händler gekauft und dann an Watchfinder verkauft wurde.

Von den 44 „Datejusts“, die Mitte Dezember bei Watchfinder zum Verkauf standen, sind 14 weniger als ein Jahr alt und etwa die Hälfte ist neu genug, um noch einen Teil der 5-Jahres-Garantie von Rolex zu haben.

Die „Submariner“ führt die Suchanfragen an

Die „Submariner“ von Rolex sind mit Abstand die beliebtesten Modelle auf Watchfinder, blickt man auf die Suchanfragen der Kunden.

Sie ist die Nummer eins der gesuchten Modelle in Großbritannien, den USA, Frankreich und Deutschland im Zeitraum von August 2019 bis August 2020 und liegt weit vor anderen Rolex-Kollektionen.

In Großbritannien gab es zum Beispiel durchschnittlich 60.500 Suchanfragen pro Monat für die „Submariner“, während nach der „Daytona“ im Durchschnitt nur 40.500 Mal pro Monat gesucht wurde, nach der „Datejust“ 27.100 Mal.

Aus den Daten, die CHRONEXT und Watchfinder zur Verfügung gestellt haben, geht hervor, dass Rolex die Suchanfragen und Verkäufe bei beiden Unternehmen dominiert.

Die „Nautilus“ von Patek Philippe und die „Royal Oak“ von Audemars Piguet sind die einzigen Nicht-Rolex-Kollektionen, die in der Top 5 der Suchanfragen auf Watchfinder in einem der wichtigsten Märkte gelistet sind. Nur in Frankreich schaffte es die beliebteste Referenz von AP unter die Top 3 auf Watchfinder bei den Suchanfragen des letzten Jahres.

Das Geschäftsmodell von CHRONEXT hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt, da es mehr in seine Werkstatt und Serviceabteilung investiert hat, um sowohl Uhren zu prüfen, die in Kommission verkauft werden, als auch um ältere Uhren zu warten und aufzuarbeiten, bevor sie mit einer neuen 2-Jahres-Garantie versehen werden.

Die Verschiebung des Gleichgewichts vom Verkauf brandneuer Uhren hin zu zertifizierten Gebrauchtuhren wird von den Uhrenmarken begrüßt, da sie wirklich nur neue Uhren über ihre autorisierten Händler oder direkt an die Verbraucher über ihre eigenen Geschäfte und per E-Commerce verkaufen wollen.

CPO wird als seriöser angesehen, und die Uhrenmarken arbeiten eher mit diesen Händlern zusammen, was ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Werkstätten akkreditieren zu lassen, um Zugang zu Ersatzteilen zu bekommen. Philipp Man von CHRONEXT sagt, dass das Verhältnis von neuen zu gebrauchten Uhren bereits kippt:

„Wir sehen ein steigendes Interesse an zertifizierten Gebrauchtuhren. Wir gehen davon aus, dass der Anteil von CPO sowie die Gesamtzahl der verkauften CPO-Luxusuhren in den kommenden Jahren noch schneller steigen wird. In Österreich und Frankreich ist die Akzeptanz für CPO am höchsten. Wir erwarten, dass Märkte wie Deutschland bald aufholen werden. Großbritannien ist bereits auf dem Weg dorthin.“

2020 war ein faszinierendes Jahr für den Sekundärmarkt mit Uhren

Die Pandemie brachte weit mehr Kunden dazu, Luxusuhren online zu kaufen. Wenn sie erst einmal im Internet sind, sind sie nur noch einen Klick von den Akteuren des Sekundärmarktes entfernt, auf dem sie Einhorn-Uhren ergattern können, die sie bei den offiziellen Händlern sehr wahrscheinlich nicht bekommen können.

Diese begehrten Uhren mögen zwar mit massiven Aufschlägen auf ihre empfohlenen Verkaufspreise verkauft werden, aber zumindest sind sie verfügbar. Oder der Kunde sucht nach einem Schnäppchen und findet Uhren, die im Überangebot waren und mit erheblichen Rabatten angeboten werden.

Die überwältigende Mehrheit der Kunden für Luxusuhren wählt aber immer noch den Weg über den Vertragshändler. Aber es gibt erhebliche Vorteile, wenn man zertifizierte Gebrauchtuhren-Spezialisten mit erstklassigen Werkstätten aufsucht, so Man.

„Es gibt oft einen Preisvorteil. Eine CPOUhr ist immer das bessere Geschäft in Bezug auf den Preis, und niemand wird sehen, dass es sich um eine gebrauchte Uhr handelt. Im Gegensatz zu anderen Gebrauchsgegenständen kann eine Uhr noch Jahrzehnte nach ihrer Herstellung in ihren ursprünglichen, neuwertigen Zustand versetzt werden. Und es gibt eine bessere Auswahl. Der CPO-Markt bietet Zugang zu einer fast unendlichen Auswahl an Referenzen, da viele Uhren in bestimmten Varianten nicht mehr produziert werden“, erläutert der CHRONEXT-CEO.

„Und die angebotenen Uhren sind immer lieferbar, im Gegensatz zu den Angeboten auf der Seite eines Vertragshändlers, wo Uhren mit unerträglichen Wartelisten angezeigt werden. CPO-Uhren sind immer verfügbar, sodass die Kunden kein Wartezeit in Kauf nehmen müssen. Besonders für die sehr beliebten Rolex-Sportuhren ist die Verfügbarkeit im traditionellen Einzelhandel immer noch ein Problem. Liebhaber von Luxusuhren suchen die direkte Verfügbarkeit und ein unkompliziertes Kauferlebnis. Aus diesem Grund wenden sich immer mehr Käufer dem Online-Markt zu, um die gesuchte Luxusuhr zu finden. Wartelisten und langwierige Vorbestellungen sind für sie keine Option.“


Sekundär-, Grau, CPO- und Vintagemarkt …

Es gibt ein ganzes Lexikon von Begriffen, die sich um den Sekundärmarkt ranken. Einige davon sind für Kunden ohne intime Kenntnisse der Branche eher verwirrend. Was sind zum Beispiel die Unterschiede zwischen dem Grau-, dem Sekundär-, dem CPO- und dem Vintagemarkt? l

  • Am einfachsten zu definieren ist der Sekundärmarkt. Dabei geht es um alle Uhren, die außerhalb der autorisierten Kanäle gehandelt werden. Dazu gehören traditionelle Auktionshäuser, Einzelpersonen und Multi-Millionen-DollarUnternehmen wie CHRONEXT, Watchbox und Bob’s Watches.
  • Graumarkt ist eher ein abwertender Begriff für die Art, wie Uhren von autorisierten Händlern ihren Weg in den Sekundärmarkt finden. Die häufigste Methode ist, dass diese autorisierten Händler Konten bei Marktplätzen wie eBay, Amazon und Chrono24 einrichten, um Uhren zu verschieben, die sie nicht zum vollen UVP der Hersteller verkaufen können. Der Graumarkt wird auch von Flippern gespeist, die Beziehungen zu autorisierten Händlern haben und Lagerbestände mit Preisnachlass kaufen, um sie dann weiterzuverkaufen. Dies hat eine zersetzende Wirkung auf den Primärmarkt. Das Internet macht es dem Käufer einfach, die von den Marken und ihren Vertragshändlern vorgegebenen Preise mit den Preisen auf anderen Marktplätzen zu vergleichen, auf denen die Preise fallen, wenn das weltweite Angebot die Nachfrage übersteigt.
  • Certified Pre-Owned (CPO) ist ein Begriff mit einer nicht ganz eindeutigen Definition. Einige Hersteller versuchen den Wert ihrer gebrauchten Uhren zu steigern, indem sie sie überprüfen und ihre eigenen Garantien ausstellen. Dies hat sich für die größten Hersteller als äußerst schwierig erwiesen, sodass man es eher bei unabhängigen Marken mit geringem Volumen sieht. Heute wird CPO auch von Sekundärmarktspezialisten im erweiterten Sinne verwendet, um aktuelle gebrauchte Uhren zu beschreiben, die in ihren Werkstätten geprüft und mit einer Garantie versehen wurden.
  • Vintage ist die Bezeichnung für ältere Uhren, die aber oft in ausgezeichnetem, manchmal neuwertigem Zustand verkauft werden. Spezialisten warten, reparieren und arbeiten jahrzehntealte Uhren auf und schenken ihnen so ein neues Leben. Eine qualitativ hochwertige Uhr, auch wenn sie 50 Jahre alt ist, kann so wieder in einen perfekten Zustand versetzt werden, sodass sie von Gebrauchtuhrenhändlern mit Garantien verkauft werden können.

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Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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