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Paukenschlag für die Uhrenindustrie: Weko bestätigt Lieferstopp für mechanische Eta-Uhrwerke

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Es ist beschlossene Sache. Die Eta darf ab dem 1. Januar vorerst keine mechanischen Uhrwerke an konzernfremde Marken liefern. Das hat die Schweizer Wettbewerbskommission Weko nun offiziell bekanntgegeben.

Es drohe ein Mangel an Uhrwerken mit dem Label „Swiss Made”, erklärte daraufhin der Jean-Daniel Pasche, Präsident des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie, gegenüber der Schweizer Nachrichtenagentur AWP.

Der Hintergrund

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Aufgrund der marktbeherrschenden Stellung der Eta in punkto Uhrwerken kam es im Jahr 2013 zwischen der Swatch Group und der Weko zu einer einvernehmlichen Regelung EVR. Diese sah eine Lieferverpflichtung vor, allerdings mit einer zunehmenden Reduzierung der Stückzahlen, gültig bis Ende 2019. Danach sollte es keine Lieferverpflichtung für die Eta mehr geben.

Damit sollte anderen Werkeherstellern die Chance gegeben werden, in dieser Zeit alternative Uhrwerke zu denen der Eta zu entwickeln und anzubieten. Bereits zum Zeitpunkt der damaligen Vereinbarung behielt sich die Weko die Möglichkeit für einen neuen Entscheid vor, falls sich die Marktverhältnisse anders als angenommen entwickeln würden.

Dieser Fall ist laut Weko eingetreten. Daher wurde im November 2018 ein sogeganntes Wiedererwägungsverfahren eröffnet, welches bis heute nicht abgeschlossen wurde.

Vorsorgliche Maßnahme kommt einem Lieferstopp gleich

„Deshalb erlässt die Weko bis zum Zeitpunkt des Entscheids, jedoch längstens bis am 31. Dezember 2020 vorsorgliche Massnahmen. Die aus der EVR resultierenden Verpflichtungen der Eta bleiben formell bestehen; die Lieferungen werden aus faktischen Gründen vorläufig ausgesetzt. Damit wird sichergestellt, dass das Resultat des Wiedererwägungsverfahrens offenbleibt. Der Entscheid ist im Sommer 2020 zu erwarten“, heißt es in der offiziellen Bekanntmachung der Kommission.

Damit entsteht die eigenwilige Situation, dass trotz der Verlängerung der bisherigen Vereinbarung, die eine Lieferverpflichtung vorsieht, die Eta dennoch keine mechanischen Werke liefern darf. Solange, bis die Weko endgültig entschieden hat, was sie für den Sommer angekündigt hat.

Die Swatch Group geht auf Konfrontationskurs

Die Swatch Group selbst äußert sich auf ihrer Website zum Vorgehen der Weko deutlich:

„Die Weko hat Eta bisher dazu verpflichtet, ihren Kunden Uhrwerke zu liefern und will es ihr nun für das gesamte Jahr 2020 verbieten.“ Damit bringt der Konzern die Widersprüchlichkeit der jetzigen Entscheidung in einem Satz auf den Punkt.

Warum macht die Weko das? „Würde die Weko bis zum Endentscheid zuwarten, könnte dem Wettbewerb ‚ein nicht leicht wieder gutzumachender Nachteil‘ drohen. Zudem sei es der Eta aus zeitlichen Gründen faktisch ohnehin nicht möglich, Drittkunden ab dem 1. Januar 2020 zu beliefern.“ So begründet die Kommission ihren Schritt.

Schwerwiegende Vorwürfe

Die Swatch Group beurteilt dies völlig anders und zudem sehr scharf. Sie wirft der Weko vor, sich in die Wirtschaftspolitik einzumischen und die gesamte Schweizer Uhrenindustrie in neue Strukturen zu zwingen.

„Damit überschreitet und verletzt sie ihre Befugnisse. Angesichts der negativen finanziellen Auswirkungen, die diese Entscheidungen mit sich bringen werden, behält sich die Swatch Group das Recht auf Schadenersatzanspruch vor, entstandene Schäden geltend zu machen. Die Swatch Group fordert, dass die einvernehmliche Regelung von 2013 wie vorgesehen am 31. Dezember 2019 endet.“

Diese Forderung begründet der Konzern damit, dass er keine marktführende Position mehr einnehmen würde. Stattdessen hätten andere Akteure, allen voran Sellita, ihre Liefermengen erhöht und würden die der Eta übertreffen. „Sellita hat 2019 eine Million mechanische Uhrwerke hergestellt und geliefert (was in etwa dem Doppelten von Eta entspricht) und ist somit der neue marktbeherrschende Akteur in diesem Bereich. Die Kunden sind somit nicht mehr von Eta abhängig.„

Und auch der Zeitpunkt der Weko-Maßnahme ist für die Swatch Group nicht akzeptabel. „Wie soll es möglich sein, das Geschäftsjahr 2020 seriös zu planen und vorzubereiten, wenn die Weko Ende 2019 plötzlich entscheidet, die bisherigen Bedingungen mit einem Lieferverbot für die Eta fundamental zu verändern? Die Swatch Group und ihre Kunden planen im Allgemeinen die künftige Produktion zwölf Monate (oder länger) im Voraus. Es ist üblich, die Bestellungen für Uhrwerke spätestens am 30. Juni für das kommende Jahr aufzugeben, was selbst die Weko anerkennt.“

Die Swatch Group will die freie Wahl

Aber wollte die Swatch Group nicht sowieso die Belieferung von konzernfremden Marken mit mechanischen Werken ab 2020 einstellen? Nicht ganz. Man will sich seine Kunden jedoch selbst aussuchen.

“Wir weisen darauf hin, dass die Swatch Group stets betont hat, ihre Lieferungen auch nach Ende 2019 fortsetzen zu wollen, wobei sie ihre Kunden selbst auswählen möchte. Die anderen Akteure der Uhrenindustrie, die im Jahr 2020 Produkte von Eta zur Ausrüstung ihrer Uhren erwarten, befinden sich nun in einer sehr komplizierten Lage.“

Handelt die Weko nicht unabhängig?

Aber damit genug. Die Swatch Group wirft der Weko sogar vor, gemeinsame Sache mit Sellita zu machen. „Es ist darüber hinaus sehr überraschend, dass die Hauptargumente für diese vorsorglichen Massnahmen den von Sellita im Rahmen dieses Verfahrens vorgebrachten Wünschen entsprechen. Die von der Weko in ihrer offiziellen Mitteilung verwendeten Begriffe entsprechen praktisch Wort für Wort denen von Sellita. Es stellt sich damit die Frage, ob das Sekretariat der Weko beeinflussbar ist oder sogar unter Beeinflussung steht und ob es seine Entscheidungen noch völlig unabhängig trifft.“

Tags : etaswatch groupWekoWettbewerbskommission
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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