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Patek-Philippe-Präsident: „Es wird eine Abschiedsserie der ‚Nautilus 5711′ geben.“

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In einem ausführlichen Interview mit NZZ erläutert Patek-Präsident Thierry Stern die Hintergründe zur Einstellung der begehrtesten Uhr der Manufaktur. Die Information über diesen Vorgang ist durch eine Indiskretion eines iatlienischen Händlers an die Öffentlichkeit gekommen.

Das Auslaufen aus dem Sortiment der Stahlversion der „Nautilus“ Referenzen 5711 hat für viel Aufsehen in der Branche geführt und die Preise für das Pre-owend-Modell explodieren lassen. Preise ab 100.000 € und mehr für die Uhr mit einem UVP von knapp 30.000 € sind keine Ausnahme.

Im Interview berichtet Stern, dass eigentlich bereits  2019 klar war, dass man bald mit der Produktion aufhören würde, „weil wir schon viele 5711 produziert haben und die Nachfrage ständig zunahm. Aber mir war auch klar, dass dies bei einem ‚talking piece‘ wie der ‚Nautilus‘ schwierig werden würde, obschon so ein Produktionsstopp nichts Einzigartiges ist.“

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Dass eine große Nachfrage der Grund für die Einstellung eines Produkts ist, erscheint im ersten Moment etwas eigenartig. Auf NZZ-Nachfrage erläutert der Patek-Präsident, dass es ihm darum geht, dass nicht ein einziges Modell 50 Prozent oder mehr der Kollektion ausmacht und so das Image der Marke bestimme. Man wolle und müsse sich weiterentwickeln.

„Zum anderen haben wir eine Verpflichtung gegenüber unseren Kunden: Es reicht nicht, die schönsten Uhren der Welt herzustellen. Ich muss auch dafür sorgen, dass diese ihren Wert behalten, und Seltenheit ist einer der Schlüssel dazu.“

Dafür nimmt er in Kauf, dass einige Kunden, die schon auf einer Warteliste stehen, enttäuscht werden müssen: „Einige werden leer ausgehen. Wir werden zwar schon noch einige ‚5711‘ ausliefern, aber wir sprechen nicht von Tausenden von Uhren“, verrät er der NZZ.

Dabei weist er auch den Händlern eine gewisse Schuld zu, die wider besseren Wissen ob ihres Kontingents Kunden auf die Warteliste gesetzt hätten. „Man macht es sich zu einfach, wenn man einfach sagt, Patek Philippe ist schuld, die produzieren schlicht zu wenig Uhren. Ein professioneller Händler ist in der Lage, seinen Kunden zu erklären, warum wir die Produktion stoppen. Er muss darlegen, dass wir nur ungefähr 60.000 Uhren pro Jahr herstellen, die sich auf rund 140 verschiedene Modelle aufteilen, darunter diese ‚Nautilus‘. Und dass es unmöglich ist, genügend herzustellen, um die ganze Nachfrage zu bedienen. Schliesslich möchte niemand ernsthaft, dass ich die Nautilus-Produktion auf Kosten der Qualität stark erhöhe, nur um etwas mehr Geld zu verdienen.“

Ein kleines Trostpflaster hält Patek aber für die „Nautilus 5711“-Liebhaber bereit. Und zwar wird es eine allerletzte Serie der „5711“ geben, „die ein wenig anders sein wird. Diese Uhren werden demnächst produziert und kommen noch dieses Jahr auf den Markt. Ich weiß jetzt schon, dass dies von der Nachfrage her nochmals ein Albtraum werden wird, aber ich zähle auf meine Juweliere.“

Dass für viele die „Nautilus“ zum reinen Spekulationsobjekt verkommen war, verneint er übrigens als einen Grund der Produktionseinstellung: „Seit unser Entscheid bekannt wurde, sind die Graumarkt-Preise für die ‚Nautilus‘ sogar noch weiter gestiegen. Aber das gehört wohl zum Spiel: Wenn man ein begehrtes Modell aus dem Markt nimmt, nutzt der Parallelhandel das aus. Ich versuche es zu vermeiden, aber ich kann mit meinen Leuten nicht alles kontrollieren.“

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