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Openmovement plant einen Gegenentwurf zu den großen Werkeherstellern

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In 19 Tagen ist es so weit. Dann will der Verein Openmovement aus aus La Chaux-de-Fonds ein neues Kapitel in der Geschichte der Schweizer Uhrmacherei aufschlagen

Openmovement ist eine Community, die gemeinsam zwei neue Basis-Uhrwerke, OM10 und OM20, nach den Prinzipien von Open Source entwickelt. Das bedeutet, dass die Pläne der Uhrwerke frei verfügbar sein werden. Bekannt ist dieses Prinzip in erster Linie bei Software-Programmen wie Firefox, deren Quellcode für alle zugänglich und bearbeitbar ist.

Bis zum 31. Mai 2021 will der Verein mindestens 240.000 CHF bei Sponsoren einsammeln, um die Prototypenphase für das weltweit erste Open Source Mechnikuhrwerk aus der Schweiz zu starten. Der Bauplan soll dann einfach als PDF heruntergeladen werden können. Openmovement wird aber auch Rohwerk-Teilekits mit den entsprechenden Teilen für das Werk herstellen lassen und verkaufen.

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Die Konstruktion des Uhrwerks OM10 steht bereits und wurde in den letzten Jahren dank ehrenamtlicher Arbeit, Spenden und Mitgliederbeiträgen fertiggestellt. In der Prototypenphase sollen zunächst 20 dieser Handauzugswerke hergestellt werden.

Gegenentwurf zu den großen Uhrwerkeherstellern

Die Ambitionen von Openmovement sind durchaus beachtlich: „Wir stärken das Fachwissen in der Schweiz und in der Uhrmacherei generell, indem wir eine konkrete Anwendung bieten, mit der jeder sein eigenes Wissen anwenden kann. Ein Wissen, welches gemäß unserer Beobachtung in Gefahr ist, durch Vertraulichkeit und Vertikalisierung seitens der wenigen Werkhersteller verloren zu gehen. Openmovement kann der Schweiz helfen, auch weiterhin an der Spitze der Uhrmacherkunst bestehen zu können.“

Dabei setzt der Verein auch auf die Bereitschaft der Zusammenarbeit verschiedener Firmen der Branche und das Zusammenlegen der Teileproduktion vieler Uhren-Produzenten mit relativ kleinen Auftragsvolumen für eine kostengünstige Komponentenproduktion.

„Durch die offen verfügbaren Pläne und Konstruktionsdetails können Firmen gemeinsam ihre Kompetenz in der Konstruktion von Zusatzmodulen und in der Fertigung nutzen. Kleine und große spezialisierte Firmen stellen zusammen Uhrwerke und Teile her und bilden ein schlagkräftiges Netzwerk als Ergänzung zu den großen, vertikalisierten Firmen der Branche. So kann die Arbeit von Openmovement ein unabhängiges Firmennetz der Schweizer Uhrenindustrie unterstützen.“

Dabei soll jeder Uhren-Produzent die Finissierung seiner Werke und Uhren entsprechend seiner eigenen Vorstellungen gestalten können. „Dadurch wird ein neuer kooperativer Wettbewerb entstehen, der die Vielfalt der mechanischen Uhren nochmals vergrößern wird.“

Der Prototyp

Der Prototyp einer tragfertigen Uhr weist folgende Merkmale auf:

  • Material: Stahl
  • Gehäusedurchmesser: 40mm
  • Gehäusehöhe mit Glas: 11.3mm
  • Armband: Kautschuk
  • Wasserdichtigkeit: 3 Bar
  • Werkhaltering: Weichmetall für Magnetfeldschutz
  • Boden geschlossen, für besseren Schutz; falls gewünscht mit Glas
  • Design von openmovement

Technische Angaben OM10:

  • Werk-Durchmesser 13 ¼”, 30mm
  • Werk-Dicke Handaufzug, 4.5mm
  • Unruhe Frequenz 3.5Hz / 25’200AH
  • Theoretische Gangreserve 78h
  • Anzeige Stunden, Minuten, kleine Sekunde, Datum

Nach der Prototypenphase

Nach der Prototypen- und Testphase und etwaigen Nachbesserungen wird Openmovement Teilekist produzieren und zusammenstellen lassen. Jeder Uhrenhersteller kann dies OM10-Teilekits bestellen, montieren und verwenden. Durch den Verkauf will sich der Verein finanzieren. Mit dem Start des Teilekit-Verkaufs werden auch die Pläne als PDF veröffentlicht. Für alle anderen elektronischen Daten wie zum Beispiel STEP oder Inventor Dateien plant der Verein ein Lizenz-System.

Über Openmovement

Der Trägerverein wurde 2009 gegründet und hat zurzeit 36 Mitglieder, vor allem aktive selbständige Uhrmacher und Firmen aus der Schweizer Uhrenindustrie, im Online-Forum sind über 500 User aus der ganzen Welt eingeschrieben. Die Werke werden von einer Konstrukteursgruppe als Investition in die Zukunft ehrenamtlich entwickelt und die Inputs aus der Community werden integriert. Für das Uhrwerk OM10 steht die Prototypenphase an.

Im Vorstand sind aktuell Gründungsmitglied Roman Winiger, La Chaux-de-Fonds (Präsident), Christoph Schnee, Basel (Vize-Präsident), David Olafsson, La Chaux-de-Fonds (Beisitzer), Marion Müller, Kappel am Albis (Beisitzerin), Cédric Auberson, Epautheyres (Tresorier).

Die Konstruktionsgruppe ist aus folgenden Personen zusammengesetzt: Roman Winiger, Gaylord de Lamarlière, David Olafsson, Cédric Auberson, Jérémy Freléchox, Olivier Mory und Richard Saunier.

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