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Norqain – Newcomer mit bekannten Köpfen und guten Kontakten

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Die vor zwei Jahren gegründet Uhrenmarke Norqain mit Sitz in Nidau bei Biel ist unter Liebhabern mechanischer Uhren bereits ein Begriff, und zwar für „viel Uhr für‘s Geld“. Und genau dieses Image wollen die Macher up weiter forcieren. Und das sind keine Unbekannten.

Dazu gehören NHL-All-Star Mark Streit, Ted Schneider, Sohn des ehemaligen Breitling-Besitzers Théodore „Teddy“ Schneider, Ex-Breitling-Marketeer Ben Küffer, der als CEO fungiert, und dessen Vater Marc Küffer, vormals Roventa-Henex, der als Präsident angetreten ist.

Zufällig ist diese Zusammenstellung dabei keineswegs. Norqain ist keine Marke, die bei einigen Gläsern Rotwein eher zufällig entstanden ist – im Gegenteil.

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Initiator war Ben Küffer, der sich nach dem Verkauf von Breitling an CVC und Georges Kern im Jahr 2017/2018 dachte, dass es doch nicht sein kann, „dass wir in der Schweiz fast keine unabhängigen Uhrenmarken mehr haben. Zudem gibt es so viel Know-how, gerade auch bei der jüngeren Generation. Dies war der Ansporn, eine neue Uhrenmarke zu gründen“, erläutert er im Gespräch mit WatchPro Deutschland.

Dass dies einer Mammutaufgabe gleich kommen würde, wusste Küffer natürlich. „Ich war ja nicht naiv und kannte die Branche sehr gut. Also habe ich ein Team zusammengestellt, dass die drei entscheidenden Bereiche Produkt, Distribution und Marketing optimal abdeckt.“

Erfahrene Teamplayer

Beim Thema Produkt spielt die jahrzehntelange Erfahrung seines Vaters bei Roventa Henex, an der er noch heute beteiligt ist, eine entscheidende Rolle. Und auch wenn Roventa Henex nicht jedem eine Begriff ist, dreht das Unternehmen doch mit am ganz großen Rad der Schweizer Uhrenindustrie. Und zwar als renommierter Private-Label-Hersteller für Armbanduhren der gehobenen Klasse.

„Allerdings läuft es bei uns nicht wie bei einer klassischen Private-Label-Produktion ab“, erläutert Ben Küffer. „Denn die strategischen Positionen und den kompletten Service wollen wir selbst besetzen. Wir haben vier eigene Uhrmacher, einen eigenen Kundendienst und eine eigene Logistik.“

In Sachen Distribution war Ted Schneider sein Wunschkandidat – und der war sofort begeistert und sagte zu, „obwohl es am Anfang noch nicht einmal eine Marke gab, sondern nur eine Idee. Er denkt da genau wie ich, dass es wichtig und richtig für die Uhrenbranche ist, dass auch Jüngere aktiv werden und zum Zug komen.“

Als nächstes kam Eishockey-Legende Mark Streit hinzu, marketingtechnisch ein Super-Griff, aber auch als Gegenpart zu Küffer und Schneider. „Mark kannte die Uhrenbranche schon ein wenig, hatte jedoch nicht viel Erfahrung in diesem Bereich. Die ganzen Probleme, die Ted und mir bekannt waren, waren ihm völlig fremd. Das hat uns sehr gut getan und viel positive Energie gegeben. Das ist dieser Sportler-Instinkt, das packen wir. Und von Anfang an sind wir über Mark mit der National Hockey League eng verlinkt, was uns extrem viel Auf merksamkeit bringt. Zudem schafft dies eine Verbindung zu den Themen Wintersport und Outdoor, sprich zum modernen Luxus.“

Und offenbar macht das Team einen guten Job. „Von unseren Partnern wie Wempe und Bucherer hören wir, dass wir ihrer Meinung nach nicht nur mit Leidenschaft dabei sind, sondern dass wir die Bereiche Produkt, Marketing und Distribution auch optimal abdecken.“

Glaubwürdikeit als USP

Aber musste es denn gleich eine neue Marke sein? In der langen Geschichte der Schweizer Uhrmacherei schlummert doch sicher noch die ein oder andere Marke, die wachgeküsst werden will.

„Wir haben schnell gemerkt, dass das nicht zu uns passen würde. Wir wollen eine Marke genau so aufbauen, wie wir sie uns vorstellen, mit modernen Werken und Designs. Eine Marke, die uns als Personen wiederspiegelt und glaubwürdig ist, bei der man sich nicht verstellen muss“, erläutert Küffer.

Und so wurde 2018 Norqain ins Leben gerufen. Bislang sind drei Kollektionen erschienen, „Adventure“, „Freedom“ und „Independence“, welche ausschließlich mit mechanischen Uhrwerken ausgestattet sind und preislich etwa zwischen 1.600 und 4.000 Euro (UVP) liegen.

Und in punkto Werke kann das Unternehmen in seiner kurzen Geschichte schon einen echten Meilenstein vorweisen. Gestartet mit Eta und Sellita stellte Norqain in diesem Jahr zwei Manufakturwerke vor, die in Zusammenarbeit mit dem von Tudor gegründeten Uhrwerkhersteller Kenissi entwickelt wurden, an dem Chanel 2018 einen Anteil von 20 Prozent erwarb.

Aktuell hat Kenissi seinen Sitz in Genf, soll aber in ein neues Werk in Le Locle umziehen, wo sich derzeit eine rund 150 Meter lange Fabrik – genannt ‚Project Gemini‘ – im Bau befindet. Die Hälfte des Gebäudes soll für Kenissi und die andere Hälfte für Tudor vorgesehen sein.

„Wir wissen, dass niemand auf eine neue Marke gewartet hat. Aber wenn man trotzdem mit einer neuen Marke erfolgreich sein will, dann muss man innovativ sein und die Kunden begeistern. Daher haben wir mit Kenissi als strategischem Partner noch viele tolle Projekte für die Zukunft geplant.“

Mit den eigenen Kalibern will die Marke langfristig zudem ihre Unabhängigkeit sichern und „gleichzeitig den Kunden eine Qualität der Zeitmessung bietet, die Branchenstandards übertrifft.“
Das zarte Alter hat Norqain übrigens auch nicht davon abgehalten, gleich zu Beginn die führenden Fachhändler als potenzielle Partner ins Visier zu nehmen – mit Erfolg, achtzig PoS kann die Marke bereits vorweisen.

Zum illustren Händlernetz in Europa, Japan, Kanada und den USA gehören Bucherer und Kirchhofer in der Schweiz, Wempe in Deutschland (Christ wird demnächst hinzu kommen), Westime, Tourneau und Govberg in den USA, L’Oro in Kanada, Seddiqi in Dubai und über 30 weitere Verkaufsstellen in Japan.

„Bei einer Bank hätten wir mit unserem Businessplan und der starken Fokussierung auf den stationären Handel sehr wahrscheinlich kein Geld bekommen“, ist sich Ben Küffer sicher. „Alle haben uns gesagt, ihr müsst den E-Commerce viel mehr forcieren, und ich habe natürlich gesehen, dass das derzeit alle machen. Aber meistens ist es im Leben so: Wenn alle etwas machen, dann entwickelt es sich in die andere Richtung. Ich glaube weiterhin an den Fachhandel. Ich glaube, dass eine mechanische Uhr eine Emotion und Freude auslöst, vor allem dann, wenn man von einem Experten bedient wird. Das ist der springende Punkt. Man muss mit Händlern zusammen arbeitet, die Experten sind.“

Natürlich ist Norqain auch online verfügbar, im eigenen Shop. Aber Marc Küffer macht diesen Vertriebsweg auch den Partnern im stationären Handel verfügbar, und zwar effizient.
„Bei dem Launch der neuen limiterten ‚Independence 20“, das erste Modell mit Kenissi-Werk, haben wir mit einem Reservierungssystem gearbeitet, bei dem der Käufer seinen Juwelier aussuchen musste, um die Uhr dort abzuholen. Der Händler hat dabei die volle Marke bekommen. Das war ein großer Erfolg, alle Uhren waren vorverkauft.“

„Freedom“ fürs Handgelenk

Zu den aktuellen Highlights gehört das Modell „Freedom 60 GMT“ – die erste GMT der „Freedom“-Kollektion – in einer Edelstahl- sowie einer auf 300 Exemplare limiterten Bronze-Version. In beiden schlägt das COSC-zertifizierte Automatikwerk NN20/2, welches in Zusammenarbeit mit Kenissi hergestellt wurde.

Beim Blick durch den Gehäuseboden aus Saphirglas sind diverse Norqain-Erkennungserkmale zu sehen: auf den Brücken sind die Begriffe „Adventure, Freedom, Independence“ eingraviert und das goldene Logo der Marke, das Doppel-N, welches die Schweizer Alpen symbolisiert, ziert die Schwungmasse.

Die UVP für das Edelstahlmodell lautet 3.190 Euro (Lederarmband) beziehungsweise 3.430 Euro (Edelstahlarmband) und für die Bronze-Version mit Lederband 3.490 Euro. Wer es etwas schlichter bevorzugt, der greift zum Dreizeiger-Modell „Freedom 60“, ebenfalls in Stahl und Bronze erhältlich. Angetrieben werden sie vom automatischen Manufakturwerk NN20/1, welches natürlich auch die typischen Markenzeichen von Norqain zeigt. Die UVP für das Stahlmodell lautet 2.490, für das Modell aus Bronze 2.730 Euro. .

Tags : KenissiKuefferKüfferMark StreitNorqainTed SchneiderTudir
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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