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Nimmt das Personalkarussell bei Richemont wieder Fahrt auf?

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Astrid Wendlandt, Redakteurin beim Fachportal Miss Tweed, das vor wenigen Tagen über die Absetzung von Piaget-CEO Chabi Nouri berichtete und sich dabei auf interne Quellen berief, gibt auf LinkendIn weitere Einblicke in das Personal-Innenleben bei Richemont.

Dabei geht sie davon aus, dass dies erst der Beginn eines bevorstehenden Management-Shake-Ups bei dem Luxuskonzern ist. „Weitere Änderungen sollen vor oder nach der Sommerpause folgen, sagten Quellen, die der Richemont-Gruppe nahestehen“, schreibt Wendlandt.

Nachfolger von Chabi Nouri ist seit dem 1. Juni Benjamin Comar. Er war zuletzt CEO der LVMH-Schmuckmarke Repossi und übernimmt mit Piaget nun eine Marke, bei der sich wohl schon vor der weltweiten Corona-Krise ein Abwärtstrend abzeichnete. „Mehrere Branchenquellen gaben Chabi die Schuld daran und sagten, sie habe sich zu sehr auf hochwertigen Schmuck, den Nahen Osten und Asien konzentriert und Piagets Kern-Uhrenkunden in anderen Regionen vernachlässigt“, schreibt die Miss-Tweed-Redakteurin.

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Nouri fungiert nun als strategische Beraterin für Richemont-Chef Jerome Lambert, was in den Augen langjähriger Kenner der Luxusgüterindustrie der letzten Station vor der endgültigen Trennung gleichkommt.

Eben diese Kenner gehen auch davon aus, dass die zweite Frau in CEO-Position in der Richemont-Uhrenwelt auch bald gehen wird. Gemeint ist Catherine Rénier von Jaeger-LeCoultre. Das Problem machen aber viele weniger bei den glücklosen Marken-CEOs aus – egal ob weiblich oder männlich –, schreibt Astrid Wendlandt.

Denn in der Uhren-Division haben sie nur wenig Macht. Die liegt stattdessen bei Emmanuel Perrin (Neffe der Cartier-Legende Alain-Dominique Perrin), der für die Abteilung zuständig ist. Nach Ansicht vieler Branchenbeobachter sei er derjenige, der gehen sollte, um den CEOs mehr freie Hand zu geben.

Bereits im letzten Jahr verfassten einige Richemont-Managern einen anonymen Brief an den Richemont-Vorsitzenden Johan Rupert, der auch verschiedenen Medien zugespielt wurde, unter anderem Miss Tweed. Laut das Fachportals sollen darin Maßnahmen angekündigt worden sein, falls Emmanuel Perrin zum CEO von Cartier benannt werden sollte.

Damals standen die Mitarbeiter von Richemont kurz vor der Meuterei, nachdem der Konzern die Vergütung seines Vorstands um 34 Prozent erhöht hatte, während er alle anderen Gehalts- und Bonuskürzungen mit Verweis auf die Pandemie angekündigte.

nzz.ch titelte damals zu den Vorgängen bei Richemont: „Hohe Boni der Geschäftsleitung bei Richemont provozieren einen Aufstand der Mitarbeiter.“.

Hintergrund war, dass die Geschäftsleitung trotz eines deutlichen Einbruchs von Gewinn und Aktienkurs, eines massiven Umsatzrückgangs und Kurzarbeit für einen Großteil der Mitarbeiter infolge der Corona-Pandemie hohe und auch stark gestiegene Gehälter bezogen hat.

Auch damals musste eine Frau ihren Posten räumen, die Leiterin Group Human Resources. „Richemont gibt bekannt, dass Sophie Guieysse mit sofortiger Wirkung aus dem Senior Executive Committee ausscheidet und sich auf der Jahreshauptversammlung am 9. September 2020 nicht zur Wiederwahl in den Verwaltungsrat stellen wird“, teilte der Konzern seinerzeit mit.

Das Arbeitsklima auf Managerebene scheint bei Richemont nicht das beste zu sein. „Eine Atmosphäre der Angst, sogar Paranoia, ist sicherlich nicht gut für Kreativität, Kühnheit und Risikobereitschaft – der Schlüssel zum Erfolg in der Luxusgüterindustrie“, kommentiert Astrid Wendlandt.

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