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Nick Hayek: „Die Smartwatch ist keine Bedrohung für die Uhrenindustrie, sondern eine Möglichkeit.“

Hayek

Im Interview mit dem tagesanzeiger.ch vom vergangenen Sonntag spricht Swatch-Group-Chef auch über Smartwatches. In diesem Segment ist der Konzern (noch) überraschend schwach aufgestellt. Kein Problem, mein Nick Hayek.

Smartwatches sieht er als Chance, nicht nur für eigene Produkte dieser Art, sondern auch für herkömmliche Uhren.

„Warum sollten wir die Smartwatches bekämpfen? Sie sind keine Gefahr, sondern eine Chance. Sie schaffen einen neuen Markt für uns“, sagte er gegenüber dem Tagesanzeiger.

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Zum einen sollte die Uhrenindustrie das Thema nutzen, um selbst in das Geschäft einzusteigen, meint er. Zum anderen sei der Boom um die neue Uhren-Generation aber auch für klassische Uhrer Schweizer Provenienz hilfreich:

„Die Smartwatches haben auch dafür gesorgt, dass viele Amerikaner, die gar keine Uhren mehr trugen, sich nun wieder daran gewöhnen, etwas am Handgelenk zu tragen. Damit werden sie wieder zu potenziellen Kunden für unsere Swiss-made-Uhren, die viel nachhaltiger und emotionaler sind.“

Davon könnten vor allem die mechanischen Uhren profitieren, die zwar im Grunde das Gegenteil einer Smartwatch sind, aber zunehmend präziser und technisch anspruchsvoller werden.

„Die Erhöhung der Präzision und der Gangdauer, die neuen antimagnetischen Eigenschaften durch den Einsatz von Silizium und anderen Hightech-Werkstoffen bedeuten große Fortschritte. Oder die Reduktion oder sogar das Wegfallen von Serviceintervallen dank neu entwickelten Ölen. All diese Innovationen sind strategisch überlebenswichtig für die Uhrenindustrie.“

Die Swatch Group sei hier federführend sagte er dem Tagesanzeiger und stelle viele dieser patentgeschützten Innovationen mithilfe der digitalen Industrie 4.0 in der Schweiz her.

Industrie 4.0 trifft also auf traditionelle Schweizer Handwerkskunst und wird so auch im Smartwatch-Zeitalter zum Erfolgsmodell, ist sich Nick Hayek sicher.

Das gelte übrigens für die gesamte eidgenössische Uhrenindustrie, die auf Innovationen der eigenen Art setzen müsse. Als Beispiel nannte er die Siliziumspiralen des Konzerns, die wie ein Computerchip auf einem Wafer (dünne Scheibe aus Halbleitermaterial, die Red.) produziert werden.

Einen Verweis auf die aktuell angespannte Lage zwischen der Swatch Group und der Wettbewerbskommission WEKO bezüglich der Belieferungen von Nicht-Konzernmarken mit mechanischen ETA-Werken, konnte sich Nick Hayek im Interview mit dem Tagesanzeiger übrigens nicht verkneifen.

Und so führt er die Notwendigkeit der Innovationen in der Schweizer Uhrenindustrie als Begründung dafür an, dass man vor sieben Jahren die WEKO gebeten habe, für mehr Konkurrenz im Werke-Bereich zu sorgen.

„Damit sind andere Großfirmen wie LVMH und Richemont gezwungen, viel mehr in die eigene Produktion von innovativen mechanischen Werken zu investieren. Und nicht einfach gekaufte Standardwerke einzubauen, die man auch bei chinesischen Marken finden kann“, so seine nicht gerade charmante aber umso selbstbewusstere Beurteilung seiner Mitbewerber.

Auf dieses ausgeprägte Selbstbewusstsein – auch in punkto Smartwatches – angesprochen, das in den 1980er-Jahren die berühmte Quarzkrise hervorrief und die traditionelle Uhrenindustrie fast in den Ruin trieb, reagiert Hayek ungehalten:

„Ich habe Ihnen gerade die Stärken und Einzigartigkeit der Schweizer Uhrenindustrie heute aufgezeigt, und Sie nennen das übersteigertes Selbstbewusstsein? Es scheint mir einfach, Sie wollen auf Teufel komm raus Ihre These der Krise bestätigt haben, wonach Smartuhren unsere Industrie kannibalisieren. Schauen Sie sich doch die Zahlen der japanischen Uhrenindustrie an.“

Was er damit meint ist die Tatsache, dass sich die Rückgänge der japanische Uhrenindustrie ausgerechnet mit Aufkommen der Apple Watch verlangsamt hätten – für ihn ein Beleg dafür, dass Smartwatches eher den Konsum klassischer Uhren stimulieren als ihn zu verringern.

„Wissen Sie, dass ausgerechnet die Millennials weltweit, aber auch im Silicon Valley die passioniertesten Käufer unserer mechanischen Uhren sind, ob ‚Swatch Sistem51‘, ‚Blancpain Fifty Fathom‘ oder ‚Omega Speedmaster‘? Die Smartwatch ist keine Bedrohung für die Uhrenindustrie, sondern eine Möglichkeit. Sie verleitet ihre Nutzer sogar dazu, früher oder später eine mechanische Uhr zu kaufen und zu tragen. Sie werden auch Kunden für unsere Smartwatches sein.“

Denn natürlich will auch die Swatch Group von dem smarten Kuchen unmittelbar partizipieren. Und so kommt im Sommer die „T-Touch Connect Solar“ auf den Markt.

Tags : etahayeksmartwatchswatch grouptissotWeko
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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