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Nick Hayek bietet Lösung für ETA-Konflikt mit der WEKO an

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Die Swatch Group hofft auf eine schnelle Lösung hinsichtlich der Lieferbeschränkungen bei mechanischen Uhrwerken der ETA. Rene Weber, Aktienanalyst von Vontobel Research, bestätigte gestern derweil in einer aktuellen Aktienanalyse sein Anlagevotum für die Aktie der Swatch Group.

Vor dem Hintergrund des aktuellen Konflikt des Uhren- und Uhrwerkeherstellers mit der Schweizer Wettbewerbskommission WEKO bezüglich der Belieferung konzernfremder Uhrenmarken mit mechanischen ETA-Werken habe Nick Hayek (CEO der Swatch Group) in der Neuen Zürcher Zeitung NZZ eine Lösung vorgeschlagen. Diese sieht vor, die Produktion von ETA für Dritte auf 0,4 Millionen Stück pro Jahr oder einen Marktanteil von unter einem Drittel zu senken, gültig für zwei Jahre.

„Das wäre für uns kein Problem. Aber dieser Entscheid darf nicht erst im nächsten Sommer fallen, sondern muss jetzt rasch getroffen werden”, fordert Hayek in dem NZZ-Interview vom 3. Januar.

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Derzeit sei Sellita mit einem Marktanteil von 60 Prozent klarer Marktführer, gefolgt von der Swatch Group mit zirka 25 Prozent beziehungsweise etwa 0,5 Millionen Stück. Würde der Vorschlag der Swatch Group umgesetzt werden, würde sich also verhältnismäßig wenig ändern.

Die Swatch Group plane eine Produktion von 0,35 bis 0,45 Millionen mechanischen Werken, würde aber auf kompliziertere Uhrwerke umstellen, weil Sellita in erster Linie ähnliche Basisuhrwerke wie die Swatch Group herstelle, nachdem die Patente ausgelaufen seien (Automatik: SW200 = ETA 2824-2; Chrono: SW500 = ETA 7750), heißt es auf aktiencheck.de.

Analyst Rene Weber rechnet in Kürze mit einer Lösung. Da diese Sparte nur 0,7 Prozent des Konzernumsatzes der Swatch Group ausmache, seien die Auswirkungen für den Konzern gering, hätten aber Bedeutung für den Produktionsbereich.

Im NZZ-Interview sagt Hayek deutlich, dass er kein Interesse an einer marktbeherrschendenPosition habe: „Unser Ziel ist es, frei zu sein, und das bedeutet, dass wir nie wieder dominant sein wollen.“

Die Aufregung um den Entscheid der WEKO kurz vor Weihnachten beruht auch auf dessen unklaren Formulierung. Zumindest bietet der Entscheid reichlich Interpretationsspielraum – von „es bleibt alles wie es war“ bis hin zum vollständigen Lieferstopp der ETA an Dritte.

Während Hayek letzteres annimmt, meint die WEKO: „Die Swatch Group weiß genau, dass sie ihre bisherigen Kunden im Umfang der vergangenen Jahre weiter beliefern darf“, erklärt Weko-Direktor Patrik Ducrey auf Anfrage der NZZ. „Sie weiß auch, dass sie mit KMU-Kunden sogar neue Lieferverträge eingehen kann unter dem Vorbehalt, dass alle Kunden gleich behandelt werden.“

Lediglich neue Liefervereinbarungen mit großen Unternehmen wie LVMH und Richemont seinen vorerst untersagt.

Für das Interpretationschaos hat die WEKO im übrigen selbst gesorgt, und es bis heute nicht wirklich aufgelöst. So heißt es in dem offiziellen Entscheid, dass „die Lieferungen mechanischer Uhrwerke von ETA SA Manufacture Horlogère Suisse an ihre bisherigen Kunden […] ab dem 1. Januar 2020 vorläufig ausgesetzt“ werden.

Auch das Mediencommuniqué bringt keine Klarheit. Hier heißt es: „Die aus der EVR (einvernehmliche Regelung) resultierenden Verpflichtungen der ETA bleiben formell bestehen; die Lieferungen werden aus faktischen Gründen vorläufig ausgesetzt.“

 

Tags : etahayekLieferstoppswatch groupWeko
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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