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NFTs, Non-Fungible Tokens – echter Hype mit Mehrwert oder nur heiße Luft?

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Das gesamte Handelsvolumen von NFTs – also digitalen Zwillingen – hat laut Statista im ersten Quartal 2020 noch bei schätzungsweise 15,3 Millionen US-$ gelegen – aktuell sind es bereits über zwei Milliarden US-$.

Damit beträgt das prozentuale Wachstum über 13.000 Prozent. Der Hype um digitale Kunst und Sammelobjekte lässt die Industrie florieren und die Umsätze voraussichtlich auch weiterhin schnell steigen.

In der Uhrenwelt hat die NFT-Versteigerung der „Bigger Bang All Black Tourbillon Chrono“ von Jean-Claude Biver auf der OpenSea-Plattform, der größten digitalen Plattform für NFT-Verkäufe, für Aufsehen gesorgt.

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Im Gespräch mit WachPro verrät Mathew Chittazhathu, Gründer und CEO von Adresta, was er vom NFT-Hype hält, erläutert Hintergründe und erklärt, dass es bei dem Blockchain-Start-up längst um viel mehr als digitale Zertifizierungen geht.

WatchPro: Derzeit herrscht ein regelrechter Hype um digitale Zwillinge in Form von NFTs. Was hältst du davon?

Mathew Chittazhathu: Grundsätzlich finde ich das gut. Denn je mehr solcher Initiativen es gibt, desto größer ist die Wahrnehmung dieser Technologie in der Öffentlichkeit und auch in der Industrie. Ob alles immer Sinn ergibt oder auch nicht, ist eine andere Frage. Da kommt es darauf an, wie der jeweilige Verifizierungsprozess abläuft.

Die Geschichte mit Jean-Claude Biver und Wisekey ist eine coole Sache, und auch absolut vertrauenswürdig. Aber es gilt eben auch „Shit In Shit Out“, das heißt, wer falsche oder unvollständige Daten erfasst, erhält auch falsche oder unvollständige Ergebnisse. Man muss also immer ganz genau hinsehen, woher so ein digitaler Zwilling kommt.

Daher setzen wir mit Adresta ganz klar nur auf etablierte Partner, die ihre Vertrauenswürdigkeit seit Jahren oder Jahrzehnten unter Beweis gestellt haben. Hersteller und ausgewählte Händler sind unsere Zertifizierungspartner.

WatchPro: Aber bleibt nicht immer ein Restrisiko?

Mathew Chittazhathu: Ja, und die mechanische Uhr ist dabei ein besonders undankbares Produkt, das sozusagen nicht von sich aus und aktiv seine Eigenschaften in die Blockchain übermitteln kann, zum Beispiel mit einem eingebauten NFC- oder RFID-Chip. Das würde gegen die Philosophie einer mechanischen Uhr verstoßen.

Deshalb erforschen wir gerade, was ein angemessener digital-physical Link sein kann, um eine Uhr zweifelsfrei verifizieren zu können, ohne zu stark in den Produktionsprozess einzugreifen. Dabei konzentrieren wir uns aktuell auf die Molekularebene. Nehmen wir an, die Uhren kommen direkt aus dem Werk. Auf den ersten Blick sehen sie alle gleich aus. Wenn man aber mit dem Mikroskop auf die Molekularebene geht, dann kann man minimale Unterschiede erkennen, die genau einer bestimmten Uhr zugeordnet werden können. Hier arbeiten wir auch schon mit Herstellern zusammen.

Um mit der Blockchain-Zertifizierung zu starten, benötigt man diesen Link aber nicht. Es ist eine Entwicklung hin zu immer besseren Lösungen. Aber darauf zu warten wäre unserer Meinung nach falsch, dann würde man nie anfangen und man würde nie erfahren, wo die Bedürfnisse überhaupt sind, für die Lösungen entwickelt werden müssen.

WatchPro: Kann ein digitaler Zwilling beziehungsweise können die zertifizierten Daten eine Uhr eigentlich auch verloren gehen? Und was ist, wenn jemand seine Zugangsdaten verlegt oder vergisst?

Mathew Chittazhathu: Da gibt es sicher eine Menge Leute, die irgendwo noch Bitcoins oder eine andere Kryptowährung liegen haben, aber nicht drankommen (lacht).

Hier ist es wichtig, zwischen den verschiedenen Blockchain-Varianten zu unterscheiden. Es gibt die Public Blockchain, und es gibt die Private Blockchain. Bei der Public Blockchain kann jeder an diesem Netzwerk partizipieren, Blöcke validieren und hinzufügen, wenn er ausreichend Rechenleistung hat. Die Private Chain hingegen ist eine Art Konsortium aus verschiedenen Unternehmen, die bestimmen, wer Teil des Netzwerkes wird, wie die Regeln aussehen und so weiter.

Die Thematik mit den Zugangsschlüsseln hat man vor allem bei den Public Blockchains. Man hat sozusagen ein digitales Wallet und einen öffentlichen Schlüssel. Das kann man mit der Kontonummer einer Bank vergleichen, die nicht geheim gehalten werden muss. Aber das Passwort hat nur der Kontoinhaber. Bei der Public Blockchain ist das der private Schlüssel. Und der kann natürlich verloren gehen beziehungsweise vergessen werden. Und dann hast du keine Chance, an deine Daten auf der Blockchain zu kommen. In der Public Blockchain ist das nahezu unmöglich. Und da kann man auch nicht einfach auf „Passwort vergessen“ klicken, um ein neues zu generieren oder zu bekommen.

In der Private Blockchain hat man mehr Flexibilität. Mit der privaten Blockchain gibt es mehr Möglichkeiten, wie ein „Passwort-vergessen Knopf“ eingebaut werden kann. Wir haben kürzlich eine Partnerschaft mit der Swisscom abgeschlossen, um die von ihnen und der schweizerischen Post betrieben Swiss Trust Chain für unserer Produkt zu nutzen.

Dennoch kann ein digitaler Zwilling in gewisser Weise verloren gehen, wenn er zum Beispiel bei einem Verkauf einfach nicht weitergeben oder -geführt wird. Auch da sind wir dran und entwickeln im Rahmen unseres Ökosystems einen Mechanismus, der Anreize schafft, den digitalen Zwilling weiterzugeben und -zuführen. Das Ziel ist es, Adresta so zu etablieren, dass es ganz selbstverständlich wird, Uhren nur noch mit Adresta-Zertifikat weiterzugeben. Bei dieser Sensibilisierung arbeiten wir auch mit den Herstellern zusammen.

WatchPro: Geht es um Blockchain, Bitcoin und dem Schürfen desselben, kommt schnell auch das Thema des hohen Energieverbrauchs auf? Gibt es Konzepte, dies irgendwie nachhaltiger zu gestalten?

Mathew Chittazhathu: Das Problem des immensen Energieverbrauchs gibt es bei den Private Blockchains so nicht. Das hängt mit dem Konsensmechanismus zusammen.

In der Public Blockchain ist das häufig der Proof of Work, bei dem man eine gewisse Rechenleistung beweisen muss. Das ist Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite funktioniert es sehr gut, ist aber überhaupt nicht nachhaltig. Der Konsensalgorithmus zeichnet sich dadurch aus, dass dafür meist komplizierte Rechenaufgaben gelöst werden, das geht nur mit Trial & Error. Dafür benötigt man tatsächlich ganze Serverfarmen, die sehr viel Energie verbrauchen. Technisch gesehen ist das absolut sicher, man kann dieses System nicht betrügen. Zur Reduktion des Energieverbrauchs gibt es daher sehr viele Bestrebungen und Ansätze, hier eine nachhaltigere Lösung zu finden. Daran sieht man auch, dass Blockchain eine noch sehr junge Technologie ist.

Das Nachhaltigkeitsproblem kann bei Private Chains geringer sein. Denn da hat man die Flexibilität zu definieren, wer die Blöcke validieren darf und wer nicht.

WatchPro: Was steht als nächstes auf eurer Agenda?

Mathew Chittazhathu: Wir erwähnt steht die Lancierung unseres Produktes auf der Swiss Trust Chain an. Dazu bekommen wir jetzt schon sehr gutes Feedback von Herstellern, denen Swissness und Vertrauen besonders wichtig sind. Außerdem werden wir den Community-Aspekt noch stärker in den Mittelpunkt rücken, es werden natürlich weitere Hersteller hinzukommen und wir arbeiten an einer europaweiten Versicherung für Uhren. Das heißt, wir wollen unser Ökosystem mit tollen Services ausweiten, dazu gehört zum Beispiel auch News-Content für Uhrensammler. Und wir forschen natürlich weiter am digital-physical Link.

Das gesamte Interview lesen Sie in den Juni-Ausgabe von WatchPro Deutschland.

 

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