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Mondaine Watch Ltd.: Umweltschutz ist für uns keine Modeerscheinung

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André Bernheim, Mitinhaber und Vorstandsmitglied der Gruppe MONDAINE Watch Ltd., nimmt in Sachen Nachhaltigkeit kein Blatt vor den Mund und bezeichnet sein Unternehmen diesbezüglich als eines der führenden in der Uhrenbranche.

Dass dies mehr als eine dem aktuellen Zeitgeist geschuldete Marketingaussage ist, stellt man schnell fest, wenn man den Blick auf die Vergangenheit und Gegenwart der Marke wirft. Denn dann entdeckt man weit mehr als die „Offizielle Schweizer Bahnhofsuhr“ fürs Handgelenk, für die die Marke MONDAINE seit Jahrzehnten bekannt ist.

Klimawandel, Dürresommer, Kohleausstieg, Fridays for Future: Umweltthemen waren in den vergangenen Jahren in der Öffentlichkeit sehr präsent und haben sich auch auf das Konsumentenverhalten ausgewirkt. Vor allem die Generation Greta beziehungsweise Z hinterfragt die Nachhaltigkeits-Bekundungen von Marken und Herstellern zunehmend und vertraut nicht einfach jedem Slogan.

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Die MONDAINE-Gruppe mit den Marken MONDAINE, Luminox, M-WATCH und Pierre Cardin muss bei dem kritischen Blick hinter die Kulissen nichts befürchten. Denn das Engagement des familiengeführten Unternehmens in Sachen Umweltschutz hat seine Wurzeln bereits in den 1970er-Jahren, als die sogenannten Ökos noch von vielen als verträumte Weltverbesserer in Latzhosen abgetan wurden.

Dass Nachhaltigkeit jedoch viel mit technologischer Innovation zu tun hat, beweist MONDAINE schon seit fast fünf Jahrzehnten. „Die Nachhaltigkeitsreise begann 1973 mit der weltersten, von unserem Vater entwickelten analogen Solaruhr“, berichtet André Bernheim von Erwin Bernheim, der 1951 die Firma Frank & Bernheim gründete und 1954 die Marke MONDAINE eintragen ließ. Nachdem er zusammen mit Partnerfimen die erste Digitaluhr entwickelt hatte, die mit Mikroprozessor arbeitete und programmierbar war – was für sich schon eine Sensation war – folgten 1973 die ersten Solar-Quarz-Uhren mit analoger und digitaler Zeitanzeige.

Nachhaltige Materialien

Der aber wohl wichtigste Schritt in Richtung Nachhaltigkeit erfolgte in den 1990er-Jahren, als MONDAINE die „100 % Post-Consumer-Recycling“-Uhr aus 100 Prozent recyceltem Material auf den Markt brachte, ein echtes Upcycling. Dafür bekam die Marke nicht nur diverse Auszeichnungen und die Aufmerksamkeit so renommierter Museen wie das MoMa in New York und das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Die Uhr sollte auch prägend für die weitere Geschichte des Unternehmens sein. „Seither arbeiten wir an nachhaltigeren Materialien, entweder recyclierte oder nachwachsende, für Gehäuse und Bänder. Wir verwenden nur wenige Gramm Gold und keine Diamanten, die wegen ihrer Herkunft, Beschaffung und den Arbeitskonditionen große Probleme mit sich bringen“, erläutert André Bernheim.

„Es gibt meines Wissens keine andere Uhrenfirma, die sich bereits seit so langer Zeit und kontinuierlich für den Schutz der Umwelt engagiert. Und das schon zu einer Zeit, in der sich nur sehr wenige Menschen weltweit dafür interessierten – was leider zum Teil bis heute andauert.“

Und so ist die Liste nachhaltigerer Materialien, die MONDAINE verwendet, mittlerweile lang. Dazu gehören zum Beispiel Rizinusöl für die Gehäuse und Bänder der „essence“-Kollektion, rPET-Filz und rPET-Nylon aus wiederverwerteten PET-Flaschen, Öko-Baumwolle, Leinen und Kork.

Eines der ganz neuen Materialien, das MONDAINE bei der Marke Luminox verwendet, nennt sich Ocean Plastic und ist aufbereiteter Kunststoffabfall, der aus den Ozeanen gefischt wurde. Und was ist mit Leder, ein Material das bei Uhrarmbändern kaum wegzudenken ist?

„Wir verwenden nur Leder, welches als Abfall bei der Fleischherstellung anfällt. Aber die Nachverfolgbarkeit ist sehr schwierig: woher stammen die Häute, wie wurden die Tiere gehalten, wie wurde gegerbt? Daher betreiben wir viel Aufwand bei der Suche nach Alternativen zu Leder.“

Aktuell testet MONDAINE Materialien, die dem Leder „verblüffend“ nahe kommen. Denn bei Qualität, Optik und Haptik will Bernheim keine Abstriche machen. Wenn die neuen Alternativen alle Tests bestehen, wird bereits im kommenden Jahr damit begonnen, Leder nach und nach zu ersetzen.

Natürlich kommt der Uhrenhersteller nicht umhin, Energie bei der Herstellung zu verbrauchen. Aber auch hier werden keine halben Sachen gemacht. Seit September 2019 kommt ein Großteil des benötigten Stroms für die Fertigung der Swissmade-Uhren aus der eigenen Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Produktionshalle.

CO2-Neutralität

Zum Ende dieses Jahres meldet der Uhrenhersteller zudem einen bemerkenswerten Erfolg in punkto Klimaschutz: die ganze Gruppe ist CO2-neutral. „Wir sprechen hier nicht nur von unserer Fabrik und dem Headquarter, sondern von allen unseren Komponenten, Verpackungen, Bedienungsanleitungen, dem Transport der Waren, Firmenwagen, Photovoltaik in der Fabrik in Biberist und Ökostrom im Headquarter in Pfäffikon – alles ist in dieser Ökobilanz mit einberechnet, auch bekannt als Scope 1,2 und 3 des Greenhouse Gas Protocol. Wir sind wohl die ersten in der Uhrenindustrie, die alle drei Scopes in der Ökobilanz berücksichtigen. Die (noch) verbleibenden CO2 -Emissionen der MONDAINE-Gruppe kompensieren wir mit der Umweltschutzorganisation Fairventures und sind somit für das ganze Jahr 2020 CO2 -neutral“, berichtet André Bernheim nicht ohne Stolz und verweist auf die anhaltenden Bemühungen des Unternehmens, den eigenen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren und die Kreislaufwirtschaft zu etablieren.

Damit meint er auch „das wohl welterste Uhrenrecycling. Zugegeben, kaum jemand wird eine Rolex oder ähnliches zum Entsorgen und Wiederverwerten geben. Aber es gibt viele Uhren, bei denen die Besitzer nicht wissen, was damit zu tun ist, wenn sie nicht mehr getragen werden.“ In den normalen Abfall kann man vor allem Quarzuhren aufgrund der Elektronik und der Batterien nicht werfen. Also nimmt die MONDAINE-Gruppe diese Uhren an, auch von Fremdmarken (abgesehen von Plastikuhren).

„Wir zerlegen sie und führen die möglichen Einzelteile dem Recycling zu – auf dem Weg von cradle-to-cradle im Rahmen einer konsequenten Kreislaufwirtschaft. Dies soll auch ein Zeichen an die großen Uhrenkonzerne sein: wenn wir als KMU dies können, müssten sie es erst recht können, und vor allem auch tun.“

Die gute Tat ist das eine. Aber als Unternehmer muss André Bernheim, der 1999 mit seinem Bruder Ronnie die Geschäftsführung vom Vater übernommen hat, auch das Finanzielle im Blick haben – und zwar nachhaltig. Da stellt sich die Frage, ob das Thema Nachhaltigkeit wirklich förderlich für den Umsatz ist?

Bernheim sieht das ganz realistisch. „Niemand wird eine Uhr nur deshalb kaufen, weil sie nachhaltiger als andere ist. Sie muss in erster Linie gefallen und im Preisbudget liegen. Aber wir können den Konsumenten zusätzlich ein gutes Gefühl vermitteln, dass sie mit unserer Uhr etwas mehr für die Umwelt tun als mit einer anderen Uhr. Nicht nur die Umweltbewegung um Greta wächst. Viele Organisationen – zur Rettung der Meere bis zur Aufforstung der Urwälder – werden immer einflussreicher. Hinzu kommt die stark wachsende Gruppe an Veganern und Vegetariern sowie Menschen, die bewusst auf Annehmlichkeiten wie das Fliegen, Kunststoff oder fossile Energiequellen immer häufiger verzichten. Diese Menschen und natürlich jene, die unsere Uhren einfach toll finden, sind unsere Zielgruppen. Und die werden immer größer.“

Und jeder kann seinen Beitrag leisten, ist sich Bernheim sicher – ob als Konsument oder Hersteller – , egal wie klein er erscheinen mag.

„Jährlich werden hunderte Millionen Uhren hergestellt, die Summe aller dieser Uhren ist eine große Umweltbelastung. Die einzelne Uhr ist klein, unser Unternehmen ist verhältnismäßig klein, die Schweizer Uhrenindustrie ist mengenmäßig relativ klein, aber wenn jeder seinen Beitrag leistet, macht es viel aus. Und wenn wir als kleines, familiengeführtes KMU etwas bewegen können, dann können es andere auch.“

Da schwingt deutlich mit, dass André Bernheim der Auffassung ist, dass die Uhrenindustrie durchaus mehr in punkto Nachhaltigkeit leisten könnte und sollte.

WatchPro: Verstehen Sie sich als Nachhaltigkeits-Vorreiter in der Uhrenbranche?

André Bernheim: Ja. Abfallberge überall, Abfall in den Meeren, Luftverschmutzung in den Großstädten und so weiter, all das gibt es ja nicht erst seit gestern. Und schon vor 20, 30 Jahren war klar, dass dies so nicht weitergehenkann. Dennoch gehörten wir zu den wenigen Pionieren in der Uhrenbranche, wir waren in gewisser Weise „lonely fighters“.

Nun sehen wir endlich, dass das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz Fahrt aufnimmt, und wir wollen dies weiter unterstützen – so gut wie es für ein KMU und als Privatperson eben geht. Wir sind übrigens froh, dass so viele Menschen für die Umwelt auf die Straße gehen. Nur durch gesellschaftlichen Druck werden sich Politik und Firmen verändern. Viel Zeit dazu haben wir bekanntlich nicht mehr.

WatchPro: Wie schlägt sich die Uhrenindustrie heutzutage in Sachen Nachhaltigkeit?

André Bernheim: Leider hinkt die Uhrenindustrie vielen anderen Industrien noch hinterher. Ein Vorreiter zu sein, ist uns daher nach wie vor sehr wichtig. Wir möchten nicht nur zeigen, dass es möglich ist, nachhaltig gute und schöne Uhren zu produzieren, sondern dass man auch eine gewisse Verpflichtung dazu hat.

Wenn man in der Lage ist, eine technisch wie ästhetisch anspruchsvolle Uhr nachhaltiger zu produzieren, dann muss man dies auch tun. Jeder Schritt zählt, so wie in einer Demokratie auch jede Stimme zählt. Wir beweisen zudem mit unseren Modellen „essence“ von MONDAINE und „Tide“ von Luminox, dass Nachhaltigkeit nicht teurer sein muss.

WatchPro: Umweltschutz auf der einen Seite und batteriebetriebene Quarzuhren auf der anderen Seite – wie geht das zusammen?

André Bernheim: Wir sind uns des Themas bewusst. Unsere Knopfzellenbatterien verwenden jedoch keine Schwermetalle wie Quecksilber, sondern es sind Silberoxidzellen. In allen unseren Servicecentern werden diese gesammelt und dem Recycling zugeführt. Ein Leben ganz ohne ökologische Kompromisse gibt es leider nicht mehr, aber wir versuchen das Beste daraus zu machen, ganz im Sinne von: auf dem Weg zu cradle-to-cradle, also zur Kreislaufwirtschaft.

Watchpro: Nachhaltigkeit steht nicht nur für Umweltschutz. In welchen Bereichen engagiert sich MONDAINE außerdem?

André Bernheim: Ich freue mich über diese Frage, denn viele Menschen verwenden den Begriff Nachhaltigkeit als Synonym für Umweltschutz. Dem widmen wir uns schon jahrzehntelang, ohne groß darüber zu reden.

Nachhaltigkeit ist aber zum Beispiel auch Design. Unsere MONDAINE-Bahnhofsuhren wurden 1944 von den Schweizerischen Bundesbahnen SBB entwickelt, und bis heute verwenden wir die Orginalpläne für Zifferblatt und Zeiger. Das ist wohl eines der nachhaltigsten Designs, das es gibt, absolut unverändert seit über 75 Jahren.

Aber auch unsere, seit 1951 in Familienbesitz befindliche Firmengruppe ist nachhaltig: nachhaltig im Wachstum und nachhaltig in unserer weitgehenden finanziellen Unabhängigkeit. Als KMU können wir zudem Dinge tun und beschleunigen, die große, börsennotierte Konzerne nicht oder nur viel langsamer tun können, da sie immer auf den Börsenkurs achten müssen.

Sozialkompetenz ist ein anderes wichtiges Thema für uns, privat wie geschäftlich. Viele unserer Mitarbeiter in der Fabrik und im Hauptsitz sind oder waren 30 und sogar 40 Jahre bei uns. Und zu vielen, die „nur“ fünf, zehn oder 20 Jahre für uns tätig waren, haben nach wie vor einen guten Kontakt.

WachPro: Was erwarten Sie diesbezüglich von Ihren Lieferanten?

André Bernheim: Anfang der 1990er-Jahren haben wir unseren ersten Code of Conduct von unseren Lieferanten unterschreiben lassen. Dieser legte wesentliche Richtlinien hinsichtlich Kinderarbeit, Religions-, Geschlechter- und Minderheitenethik und so weiter fest.

Vor knapp zwei Jahren haben wir einen neuen CoC erarbeitet, der neue und aktualisierte Gesetze beinhaltet, aber auch die ökologischen Aspekte berücksichtigt. Wir möchten mit unseren Lieferanten zusammen, vor allem auch mit jenen in Asien, ihre Nachhaltigkeit verbessern, Schritt für Schritt, partnerschaftlich, und zwar in ökologischen und sozialen Belangen.

WatchPro: Sie haben einmal gesagt, dass Begriffe wie Ökologie und Nachhaltigkeit zu Schlagwörtern verkommen sind, mit denen sich viele Unternehmen schmücken – Stichwort Greenwashing. Wie sehr ärgert Sie das?

André Bernheim: Sehr, weil es sich einige zu einfach machen beziehungsweise weil sie den Konsumenten etwas vormachen. Ich kann Ihnen da diverse Beispiele nennen:

Eine Marke bezeichnet sich als umweltfreundlich, nur weil sie ein Armband aus Kork anbietet. Und auch Holzuhren sind nicht per se ökologisch sinnvoll, wenn man nicht darauf achtet, woher das Holz kommt und ob wieder aufgeforstet wird.

Es gibt auch Konzerne, die ein sehr teures Headquarter aus Holz bauen und verkünden, dies mit 400 Solarzellen zu bestücken Das sind halb so viele wie wir auf unserer viel kleineren Fabrik in Biberist in Solothurn haben.

Eine Marke bietet seit kurzem wie wir eine Uhr aus Rizinusöl an. Aber die Uhr kann nicht repariert oder zerlegt werden und ist somit nicht recyclierbar. Ich denke, dass dies die wohl unökologischste Uhr ist, die es gibt – mit einem Hauch Natur.

Andere Firmen sagen, sie seien CO2 -neutral, erläutern aber nicht, was dies genau beinhaltet. Geht es um den gesamten Prozess, so wie bei uns? Wohl eher nicht, sonst würde man das ja kommunizieren.

All diese Beispiele sind natürlich nur Vermutungen, aber diese drängen sich ohne eine offene und detaillierte Kommunikation nun mal auf. Möglicherweise tun sie ja sogar mehr als sie sagen… Fest steht aber: Umweltschutz muss man ernst nehmen, es ist für uns keine Modeerscheinung, die man sich mal kurz anziehen kann.

WatchPro: Woher kommt eigentlich Ihr großes persönliches Interesse am Thema Nachhaltigkeit?

André Bernheim: Zum einen kommt dies von meinen Eltern. Zum anderen hat mein Bruder das Thema bereits in den 1980er-Jahren in die Firma integriert, unter anderem mit einer Verpackung aus recycliertem Karton. Das Einschmelzen von Konsumschrott in den 1990er-Jahren war ebenfalls eine Idee von meinem Bruder und meinem Vater.

Auch die Zusammenarbeit mit Menschen wie Scott Cassel haben mich immer mehr davon überzeugt, die Möglichkeiten der Nachhaltigkeit zu suchen und zu nutzen. Mit Scott Cassell, dem amerikanischen Unterwasser-Filmemacher und Umweltschützer, ging ich vor vielen Jahren mit Tigerhaien tauchen. Er zeigte und erklärte mir, weshalb diese Tiere nicht die bösartigen Ungeheuer sind, für die sie oft gehalten werden, sondern eine enorm wichtige Rolle im Ökokreislauf spielen.

Um die Chancen der Nachhaltigkeit zu erkennen und zu realisieren, muss man stets die Augen offen halten und bereit sein, dazuzulernen.

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