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MeisterSinger: Branchen-Messen müssen Uhren UND Schmuck zeigen!

Meistersinger

Die Schweizer Messelandschaft ist nach wie vor unüberschaubar und wenig konsistent. Im Gespräch mit MeisterSinger erläutern die Geschäftsführenden Gesellschafter Manfred Brassler und John van Steen, die jahrelang auf der Baselworld ausgestellt haben, ihre Sicht der Dinge auf die Messen unserer Branche.

WatchPro: Wie beurteilen Sie die aktuelle Schweizer Messelandschaft? Sie haben ja viele Jahre mit MeisterSinger auf der Baselworld ausgestellt.

John van Steen: Wir haben seit dem Zeitpunkt, als die Baselworld uns einen Teil der Kosten für die diesjährige ausgefallene Messe erstattet hat, nichts mehr von der Messe gehört, auch nicht von HourUniverse. Wir haben keine Einladung bekommen, obwohl ich Michel Loris-Melikoff auf der Dubai Watch Week Ende 2019 persönlich getroffen habe und wir uns sehr gut unterhalten haben.

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Meine Meinung zu Baselworld beziehungsweise jetzt HourUniverse ist: Sehr schön, aber wenn man sich unsere Kunden anschaut, dann machen die ihren Umsatz zum Teil bis zu 70 Prozent mit Schmuck. Klar, wir sind eine Uhrenmarke, und ich denke natürlich, dass MeisterSinger die tollste Marke der Welt ist (lacht). Aber ich weiß ich auch, dass die Leute nicht allein wegen MeisterSinger nach Basel kommen werden.

Für unsere Kunden ist eine Messe wichtig, auf der vor allem auch Schmuck gezeigt wird. Wenn man aus der Baselworld eine Messe mit einen noch größeren Schmuck-Anteil macht, dann kommen die Juweliere auch wieder nach Basel. Aber das sollte man dann nicht HourUniverse nennen, auch wenn das natürlich nur ein Wortspiel ist. Daher zweifel ich noch an der HourUniverse. Sie müssen umdenken, und das machen sie scheinbar noch immer nicht. Sie denken immer noch zu sehr in Uhren, wahrscheinlich weil es Schweizer sind.

Und dann gibt es noch Genf, da geht es auch nur Uhren, aber das ist für uns keine Option. Zumal Marken wie Mühle-Glashütte, Junghans und MeisterSinger auch für Genf nicht interessant erscheinen, dort will man nur High-End-Schweizer Marken haben.

WatchPro: Also kommt die HourUniverse als Nachfolge-Event der Baselworld für MeisterSinger eher nicht in Frage?

Manfred Brassler: Im Prinzip sind wir über eine gute Dekade lang Jahr für Jahr gedemütigt worden. Wir mussten Dinge machen, die wir so nicht wollten, dann ging die Messe rasant den Bach runter. Wir hatten daher bereits dieses Jahr so geplant, dass die Neuheiten zur Inhorgenta fertig waren und dort gezeigt werden konnten. Denn die Inhorgenta war schon im letzten Jahr erstaunlich gut. Und daher sind wir zum Glück auch dieses Jahr wiedergekommen, vor allem für unsere Kunden aus Deutschland, Österreich und Holland. Auch unsere Vertriebspartner aus den anderen wichtigsten europäischen Ländern und Amerika haben wir in München getroffen. Und so hatten wir schon vor dem Lockdown eine super Auftragslage.

Wenn im März nicht Corona und der Lockdown gekommen wären, hätte ich für mich die Antwort auf Basel gehabt: Nämlich ganz früh im Jahr bereits die Neuheiten vorstellen und liefern, nicht erst im April oder Mai. Dann hätten unsere Vertriebspartner zwei, drei Monate Vorsprung und alle Zeit der Welt gehabt, mit ihren Kunden und Juwelieren zu sprechen und Meetings zu machen. Mal sehen, was im kommenden Jahr passiert.

John van Steen: Als das alte Management der Baselworld weg war, dachte ich, dass es besser wird. Und der Start mit das neue Management unter Leitung vom Michel Loris-Melikoff war vielversprechend, denn er kam nicht aus der Schmuck- und Uhrenbranche und hatte einen anderen Blickwinkel auf die Messe. Aber ich glaube, am Ende haben die doch zu viel auf die Leute aus der Vergangenheit gehört. Es ist zweifellos eine schwere Aufgabe, die es zu bewältigen gilt. Aber im Moment gleicht das Verhalten dem Verhalten aus der Vergangenheit. Und das ist nicht gut.

WatchPro: Und die Inhorgenta?

John van Steen: Die Inhorgenta ist für uns gesetzt, das ist für uns nun der Launch-Zeitpunkt für die Neuheiten. Das hängt auch damit zusammen, dass wir dort in der WatchBoutique ausstellen. Das war eine sehr gute Idee von Thilo Mühle. Damals in Frankfurt auf ein Meeting während der Trendfactory hat er gesagt: Warum machen wir nicht ein kleines, kostengünstiges Genf innerhalb der Inhorgenta? Wir haben dort ein Umfeld, in dem wir uns sehr wohl fühlen, auch die Besucherqualität ist sehr gut. Ich denke, die Inhorgenta wird in Zukunft noch wichtiger werden, auch weil wir hören, dass 2021 noch mehr und mehr Uhren- und Schmuckmarken in München vertreten sein werden.

Was die Schweizer Messen und Events angeht, habe ich den Eindruck, dass dort keinerlei Synergien genutzt werden, das ist eigentlich Wahnsinn. Von daher sind wir froh, dass wir in Deutschland die Inhorgenta unter der hervorragenden Leitung vom Stefanie Mändlein haben.

 

Tags : baselworldBrasslerHouruniverseinhorgentameistersingerSteen
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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