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Parmigiani Fleurier: Jenseits der „üblichen Verdächtigen“

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Die Schweizer Marke, die den italienischen Namen ihres Gründers Michel Parmigiani trägt, sieht seine Konzessionäre weder als „Steigbügelhalter“ noch sich selbst als eine von den „üblichen Verdächtigen“. Wie das zu verstehen ist, hat der neue Geschäftsführer von Parmigiani Fleurier in der deutschen Europazentrale, Christian Sieg, im Gespräch mit WatchPro verraten.

Nach acht Jahren Jahren ist Irene Ramme-Dörrenberg aus der Geschäftsführung von Parmigiani Fleurier auf eigenen Wunsch ausgeschieden. Ihre Nachfolge hat Christian Sieg im Juni dieses Jahres angetreten. Und der hat durchaus ganz genaue Vorstellungen von der Gestaltung einer erfolgreichen Partnerschaft mit dem Juwelier der Zukunft.

„Mit dem bestehenden Team in München kümmern wir uns persönlich um unsere Kernmärkte Deutschland, Österreich und Skandinavien, sowohl vertrieblich wie auch serviceseitig und betreuen als Schnittstelle zum Mutterhaus in der Schweiz auch Italien, Großbritannien, Frankreich, Benelux, sowie weitere europäische Länder“, erläutert Sieg sein zukünftiges Aufgabengebiet, das für ihn nicht ganz neu ist.

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„Nach Stationen unter anderem bei Cartier, Chanel, Chopard und Meissen verfügt Christian über exzellente Erfahrungen und Netzwerke im Vertrieb von Luxusprodukten in der Uhren- und Schmuckbranche“, teilt das Unternehmen mit.

Wer Christian Sieg persönlich kennt, weiß außerdem, dass das reine Verwalten und Abwarten nicht sein Ding sind. Bestens in der Luxusgüterbranche vernetzt und immer auf Veränderungen und Optimierung aus, hat er auch für Parmigiani Fleurier bereits jetzt Pläne im Kopf, die mehr als nur ein oberflächliches Nachjustieren sind. Doch zunächst gilt es natürlich auch für ihn, eine Bestandsaufnahme zu machen.

„Neben der Aufgabe als Geschäftsführer von Parmigiani Fleurier in der deutschen Europazentrale in München gilt es für mich, die derzeitige Vertriebsstruktur zu überprüfen und notwendige Anpassungen vorzunehmen, sowie die Distribution von Parmigiani Fleurier in den zugeordneten Märkten aktiv tätig mitauszubauen.“

In punkto Ausbau des Distributionsnetzes hat Christian Sieg allerdings einiges vor und plant eine Verdoppelung. Aktuell verfügt Parmigiani Fleurier über 15 Konzessionäre in Deutschland, fünf Verkaufspunkte in Österreich sowie weitere vier in Skandinavien.

„Das Potenzial für unsere Marke liegt aber sicher – kernmarktbezogen – bei insgesamt 50 bis 60 Verkaufspunkten.“ Warum dabei der Juwelier die entscheidende Rolle spielt bringt er kurz und knapp auf den Punkt:

„Der stationären Facheinzelhandel ist für uns das logische Bindeglied zwischen Marke und Konsument. Dieses werden wir stärken und so die Marken-Sichtbarkeit deutlich erhöhen.“

Gleichzeitig betont er den positiven Effekt für den klassischen Fachhandel, wenn sich dieser nicht ausschließlich auf Konzernmarken verlässt. Sondern zum Beispiel auf Marken wie Parmigiani Fleurier setzt, „mit der der Juwelier ein prestigeträchtiges Produkt mit einer sehr auskömmlichen Marge erhält. Statt zum Teil immer noch Steigbügelhalter für den Erfolg der Gruppen zu sein, die nach und nach ihr eigenes Online-Geschäft aufbauen und den Fachhändler durch Kündigungen von jahrzehntelangen Konzessionen die Partnerschaft entsagen, ist hier die clevere Kauffrau oder der Kaufmann gefragt, der die Chance wahrnimmt, seine Kunden mit einer absolut vergleichbaren und teilweise besseren Qualität zu beeindrucken und sich auch abseits des Mainstreams weiterhin als Fachhändler ‚für das Besondere‘, seinen langjährigen Kunden zu empfehlen“, stellt Sieg klar.

„Stellen Sie sich vor: Sie gehen zu Ihrem Lieblings-Restaurant und fast an jedem Tisch blitzen die gleichen Uhren am Handgelenk. Ich finde, unsere Branche kann mehr, als nur – zum Teil nicht erfüllbare – Bestellungen aufzunehmen, und daher freuen wir uns auf neue, interessante Gesprächspartner- und partnerinnen.“

Damit der Fachhandel mit einer unabhängigen, beim Endkonsumenten weniger bekannten Uhrenmarke punkten kann, müssen jedoch auch Produkt und Briefing des Juweliers stimmen. In Sachen Produkt hat Parmigiani Fleurier in der Vergangenheit bewiesen, dass die Marke vor allem außergewöhnlich und elegant kann. Nun bringt der „Tondagraph GT“ eine sportliche Note in die Kollektion.

„Mit der gesamten Produktlinie – von der Drei-Zeiger-Uhr mit dezentraler Sekunde und Großdatum als ‚Tonda GT‘ bis zum ‚Tondagraph GT‘, dem Jahreskalender mit Chronographen und Großdatum – schlägt unsere Manufaktur ein neues Kapitel auf: Zeitgemäßes Design kombiniert mit perfekter Handwerkskunst: Eine Uhrenkollektion, die sich sowohl im Business wie auch in der Freizeit als zeitlose und dennoch zeitzeigende – nämlich elegant und sportlich zugleich – neue Ikone für Parmigiani darstellt. Dazu kommen mit den Modellen der ‚Tonda Métropolitaine‘ attraktive Varianten mit 33-Millimeter sowie 36-Millimeter-Gehäusen und Brillantbesatz zur weiteren Stärkung der Damenkollektion hinzu“, erläutert der Geschäftsführer die aktuelle Produkt- und Designphilosophie von Parmigiani Fleurier.

Zu den Stärken der Marke zählt die große Fertigungstiefe, die jedoch nur den wenigsten bekannt ist. Noch.

„Nur wenige Connaisseure, Connaisseuronnen und Uhren-Aficionados wissen um die sehr hohe Fertigungstiefe und unsere 95prozentige vertikale Integration. Diese finden sich aber glücklicherweise sowohl handelsseitig wie auch im Kreis der kaufenden Liebhaber. Als unabhängige Manufaktur beliefern wir außerdem dank unserer unter dem Pôle Horloger zusammengefassten Kompetenzen in den unterschiedlichsten Bereichen der Komponentenfertigung wie zum Beispiel Gehäuse, Zifferblätter und Spiralfedern bis hin zu jeder Schraube einen Großteil der hochwertigsten Schweizer Uhrenmarken. Damit gehen wir aber nicht hausieren, hilfreich ist dieser Bezug in dem einen oder anderen Fachgespräch aber dennoch. Ich glaube, dass Parmigiani Fleurier die am meisten unterschätzte Uhrenmarke im absoluten Manufaktur-Segment ist und aus dieser Nische wollen wir uns – mithilfe unserer jetzigen Partner und der Zukünftigen – emporarbeiten.“

Bescheidenheit ist eine Zier, gar keine Frage. Sie ist aber in der Geschäfts- und Markenwelt nicht immer angebracht. Wie also will Parmigiani Fleurier sich und seine Geschichten bekannter machen?

„Der intensive Dialog des Vertriebes mit unseren Fachhändlern und den entsprechend von uns angebotenen Schulungen sowie Manufakturreisen geben unseren Partnern und Partnerinnen vor Ort die notwendige Sicherheit, unsere Marke entsprechend Ihrer Hochwertigkeit darzustellen und attraktive Verkäufe – jenseits der „üblichen Verdächtigen“ – zu generieren“, lautet die deutliche Antwort von Christian Sieg.

Tags : Christian SieginterviewparmigianitondaTondagraph
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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