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Jaeger-LeCoultre im Plagiate-Fokus

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Vor 20 Jahren war bei Plagiaten von Luxusuhren alleine das Design entscheidend, Uhrwerke und innere Werte standen an zweiter Stelle. Nach den ersten Fälschungen, die mit Klonen der bekannten ETA-Uhrwerke von 2824-2 bis zum 7750 ausgestattet sind, gingen die Uhrenfälscher dazu über, auch Manufakturwerke nachzubauen.

Die digitale Technologie ist dabei hilfreich: Bauteile können schnell digitalisiert und dann repliziert werden. Mit mehreren Varianten des Rolex-Kalibers 3135 gibt es schon seit Jahren – und sogar auf der Auktionsplattform eBay – gefälschte Luxusuhrwerke (WatchPro berichtete in der Dezember-Ausgabe 2019).

Einen kleinen Donnerschlag erzeugte das nachgebaute Rolex-Kaliber 4130 aus dem Chronographen „Daytona“, dessen optische und technische Identität bei nahezu 90 Prozent des Originals liegt und auch in der Lage ist, Profis im Uhrengeschäft zu täuschen.

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Die jüngsten Entwicklungen aus China zeigen aber, mit welcher Vehemenz die Fabriken an neuen Uhrwerken arbeiten, um die Nähe der Fälschung zum Original noch weiter zu verstärken. Seit Frühjahr 2020 ist bekannt, dass die Manufaktur Jaeger-LeCoultre Opfer dieser Methoden geworden ist.

Ein Nachbau des Jaeger-Kalibers 925-2 – ein hundertprozentiges Manufakturprodukt – ist mittlerweile in den Webshops der gängigen Plagiatehändler angekommen.

Fälschung einer „Master Ultra Thin Moon“ von Jaeger-LeCoultre

Auf den ersten Blick ist das Uhrwerk baugleich, es ist unter anderem in der Kalenderuhr „Master Ultra Thin Moon“ verbaut. Bisher gab es diese Uhr als Fälschung mit einem Uhrwerk auf der Basis des Miyota 9015, mit einem in China entwickelten Modul für die Mondphase sowie Zeigerdatum. Ebenfalls zum Einsatz kommt das neue Werk in der Version 938-1 fürdas Modell „Master Ultra Thin Réserve de Marche“. Hier wurde ein Modul zur Anzeige der Gangreserve, ein Zeigerdatum sowie eine kleine Sekunde verbaut.

Verantwortlich für den Nachbau ist die AZ Factory, deren geographische Lage allerdings ebenso unbekannt ist wie ihr Management.

Mit dem neuen Uhrwerk – dem Klon des Kalibers 925 – müssen Uhrenkenner bei diesem Modell schon sehr genau hinsehen, um die Unterschiede noch erkennen zu können. Ohne ein Vergleichsmodell, das gesichert aus der Schweizer Fertigung in Le Sentier kommt, ist die Aufdeckung des Plagiats kaum möglich.

Gefälschtes Jaeger-LeCoultre-Kaliber 925

Neben der korrekten Taktfrequenz von 28.800 A/h sind auch alle anderen Merkmale des Uhrwerks übernommen, auch die verschiedenen Zierschliffe auf den Brücken und Kloben.

So sieht das Original des Kalibers 925 von Jaeger-LeCoultre aus.

Einzig an der Feinregulierung scheitern die chinesischen Hersteller noch – wie bei den Nachbauten der Rolex-Werke 3135 und 4130 auch. Sämtliche Luxushersteller in diesem Bereich arbeiten mit einer rückerlosen Regulierung, die über Gewichtsschrauben auf dem Unruhreif arbeitet. Die Unruhspirale ist hier daher nur am Endpunkt mit dem Spiralklötzchenträger verbunden.

Dieser Mechanismus ist offenbar im Nachbau zu aufwendig, daher verfügt auch das gefälschte Jaeger-LeCoultre-Werk über einen separaten Rücker und einen Spiralklötzchenträger. Dieser Bereich sollte also beim Kauf einer solchen Uhr von einem Nicht-Konzessionär genau geprüft werden.

Fälschung einer „Master Ultra Thin Moon“ von Jaeger-LeCoultre

Insgesamt ist zu erwarten, dass in den kommenden Monaten noch weitere gefälschte Uhrwerke unterschiedlicher Hersteller auf den Markt kommen werden. Die Identifikation der gefälschten Luxusuhren wird damit immer schwerer und erhöht die Gefahr, im Graumarkt einer solchen Uhr auf den Leim zu gehen.

Hersteller wie Rolex sind mittlerweile dazu übergegangen, Konzessionäre und Uhrmacher entsprechend zu schulen. Mit dabei sind immer ein paar Beispieluhren aus der Replika-Szene, an denen die Fachkräfte ihre Expertise ausbauen können.

Autor: Thomas Gronenthal

Tags : fakesFälschungenGronenthaljaeger-lecoultreKloneWatchthusiast
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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