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Immer für eine Überraschung und einen Plan B gut!

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Vor gut 33 Jahren warf Willi Birk alles hin. Damals war es sein Job als Verkaufsleiter in der Nahrungsmittelindustrie, den er im wahrsten Sinne des Wortes satt hatte. Von einen Tag auf den anderen nahm er seinen Hut und gönnte sich eine mehrmonatige Auszeit, um den Markt für die angestrebte Selbständigkeit zu checken.

Als Uhrenliebhaber war sein Weg aber vorgezeichnet: Und so gründete er 1987 das Unternehmen Point tec und widmet sich seitdem erfolgreich dem Bau und Vertrieb von Uhren, die heute allesamt made in Germany sind.

Hinter dem Namen steckt übrigens weniger als man im ersten Moment vermuten würde, nämlich schlicht und ergreifend die diesbezüglich fehlende Entscheidungsfreudigkeit von Willi Birk. „Bring’s endlich auf den Punkt“, sagte damals seine Grafikerin zu ihm. „Seitdem heißen wir Poin tec“, erinnert sich der Unternehmensgründer und Geschäftsführer, der ansonsten klare Entscheidungen und deren Umsetzung in keiner Weise scheut.

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Anders wäre der bis heute anhaltende Erfolg wohl auch nicht erklärbar. Denn gerade zu Beginn musste man sich als Neuling in der Branche erst einmal einen Namen machen, bei Zulieferen und dem Handel gleichermaßen. Dies gelang ihm nachhaltig.

Durch frühe Erfolgen mit 50-Millimeter-Damenuhren im Ibiza-Style, von denen Point tec innerhalb von nur drei Jahren 30.000 Exemplare an die weiblichen Handgelenke brachte, wurde der Name in der Branche schnell zu einem Begriff –, zu einem Begriff für Zuverlässigkeit und gute, verkäufliche Konzepte. Nach einer Kooperation mit der französischen Marke Charles Fabien Paris entschloss sich Willi Birk rasch dazu, eine eigene Fertigung mit eigenem Logo und Namen aufzubauen.

Damals enstand auch schon die Verbindung zur Firma Ruhla. „Die Schweiz oder Frankreich kamen für mich nicht mehr in Frage. Nachdem die Kooperation von Anfang an gut geklappt hatte, lassen wir Teile der Produktion bis zum heutigen Tag in Ruhla fertigen“, berichtete Wille Birk anlässlich des 30jährigen Jubiläums im Jahr 2017.

Seitdem ist viel passiert. Die Produktion in Ruhla wurde im vergangene Jahr ganz in das Point tec Familienunternehmen übernommen, ebenso wie die Mitarbeiter der Uhrenmontage, das Gebäude und das darin beheimatete Uhrenmuseum. Spezielle Modelle werden jedoch auch weiterhin in einigen ausgesuchten deutschen Monatgebetrieben hergestellt Der Hauptsitz von Point tec befindet sich in Ismaning bei München, hier sind Verwaltung, Grafik und die Konstruktion angesiedelt.

„Nur durch diese Konstellation sind wir in der Lage, unser hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis zu halten. Eine Fertigung ausschließlich in München wäre unbezahlbar“, stellt Birk klar.

Bei den Uhrwerken setzt er übrigens nicht auf deutsche Provenienz, sondern verbaut mechanische Werke von Sellita und Miyota. Das war zu Beginn noch nicht so.

Anfang der 1990er-Jahre, also kurz nach der Wiedervereinigung, kaufte er 10.000 Automatikwerke von den Glashütter Uhrenbetrieben. „Als wir alle Werke verbaut hatten, war klar, dass der neue Eigentümer, Heinz Pfeifer, uns keine neuen mehr zukommen ließ. Wir waren von nun an Konkurrenten“, erzählt Birk. Zwar in einer anderen Preisklasse angesiedelt als die Uhren aus Glashütte, aber mit zuverlässigen Qualitätszeitmessern im attraktiven Design machte sich Point tec weiter einen Namen in der Uhrenwelt.

Mit den Marken Zeppelin und Iron Annie werden heute bezahlbare Mechanikuhren im gefragten Design angeboten. Das permanente Streben nach Qualität und Markenkohärenz zahlt sich aber nicht nur in Form jahrzehntelanger Treue seiner Kunden aus. 2019 wurde die Marke Iron Annie mit dem German Brand Award als „Winner“ in der Kategorie Excellent Brands Luxury für erfolgreiche Markenführung ausgezeichnet, ebenso ein Jahr später die Marke Zeppelin.

Point tec verkauft mittlerweile rund 150.000 Uhren im Preisbereich zwischen 199 und 2.299 Euro pro Jahr. „Die Preisspanne ist gleichermaßen ideal für Juweliere, die hauptsächlich Modeuhren führen, sowie für die erschwingliche Preisklasse von Juwelieren, die High-End-Uhren verkaufen.“

Und auch wenn es mal schwierig wird, wirft er die Flinte nicht ins Korn, sondern lädt mit neuer Munition nach. Gemeint ist die Auseinandersetzung um die Uhrenmarke Junkers. 1996 begann die Geschichte der Uhren mit dem Namen des berühmten Flugpioniers, und zwar mit einer Private Label-Produktion zum 100jährigen Jubiläum der Firma Bosch-Junkers. Und das ware ein Fliegerchronograph mit Quarzwerk.

„Es wurde ein voller Erfolg. Danach haben wir die Serie weiter ausgebaut und somit die Junkers-Uhren-Ära begonnen“, erläutert Birk. Diese Ära hielt über 20 Jahre erfolgreich an, bis Ende 2017 die Lizenz gekündigt wurde. Seitdem tragen die Produkte den Junkers-Namen, die von Charlotte Junkers vertrieben werden, Urenkelin von Hugo Junkers und Tochter von Bernd Junkers, der 1997 die Lizenz an Willi Birk vergeben hatte. Geärgert hat ihn das sehr, demotiviert hat es ihn aber keineswegs.

Denn Willi Birk wäre nicht Willi Birk, wenn er nicht immer schon einen Plan B in der Tasche hätte. Und der umfasste nicht nur das Naheliegendste, die Fokussierung auf die bestehenden Marken Iron Annie und Zeppelin.

Es dauerte nicht lang, und eine neue Marke wurde zum Leben erweckt. Eine Marke, die nicht aus dem Nichts kommt, sondern zum einen wie bei Junkers auf historische Bezüge setzt, und zum anderen aus dem Unternehmen selbst kommt. Denn eine Serie „Bauhaus“ – so der Name der neuen Marke – gab es schon länger, allerdings als Teil des Labels Iron Annie. Auf der diesjährigen Inhorgenta wurde Bauhaus nun als eigene Marke lanciert.

Hier kommen übrigens wieder die Uhrenwerke Ruhla ins Spiel, denn dort werden die Zeitmesser nach den strengen Regeln der berühmten Design-, Kunst- und Architekturschule gefertigt.

Im 41-Millimeter-Edelstahlgehäuse verrichten, je nach Wahl des Kunden, unterschiedliche Uhrwerke ihre Arbeit. Als Einsteigermodell gibt es die klassische Drei-Zeigervariante mit Zentralsekunde und Datumsfenster bei sechs Uhr beziehungsweise kleiner Sekunde bei sechs und Datumsfenster bei drei Uhr.

Für Mechanik-Liebhaber bietet Bauhaus ein Automatikmodell mit dem Miyota-Kaliber 8285 mit DayDate-Anzeige. Neben dem klassischen Datumsfenster bei drei Uhr informiert die Uhr zusätzlich bei zwölf Uhr über den Wochentag.

Für Abwechslung sorgen die unter neben den klassischen hellen und dunklen Blättern auch Zifferblätter in Blau, Grün oder im gebürsteten Metall-Look. Die aufwendig verarbeiteten und geprägten Lederarmbänder unterstreichen den wertigen Auftritt der Bauhaus-Zeitmesser.
Die Preisspanne reicht je nach Ausführung von 199 Euro für Quarz- bis 279 Euro für Mechanikmodelle.

Und auch wenn man bei Willi Birk nach über 30 Jahren Uhrengeschäft noch keinerlei Ermüdungserscheinungen feststellt, leitet mit seiner Tochter Nathalie Birk bereits die nächste Generation seit mehreren Jahren aktiv die Geschicke des Unternehmens mit. Man darf sich also auf weitere spannende Jahrzehnte mit Pointtec freuen.

Tags : bauhausBirkIron AnniePoint TecpointtecWilli Birkzeppelin
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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