Home Blickpunkt

Heepmanns Kolumne: Zweidimensionale Watches & Wonders – irgendetwas fehlte

2

Die digitale Watches & Wonders Geneva (WWG) war gut und vor allem sehr professionell gemacht.

Vergleicht man die Präsentationen aller Art – vom Abspielen eines Videos über Live-Neuheitenvorstellungen mit anschließender F&Q-Session, Plauderstündchen mit CEOs bishin zur täglichen Morningshow im TV-Format (Bild oben) – mit den virtuellen Versuchen der Branche zu Beginn der Pandemie, dann trifft hier voll und ganz die aktuell viel bemühte Feststellung der Beschleunigung von Entwicklungen zu.

Und mit Neuheiten geizten die 38 Aussteller auch nicht. Fazit: Die Watches & Wonders Geneva war rundum professionell, flimmerte aber leider als zweidimensionale Uhrenshow über die Bildschirme der weltweiten Community.

Advertisement

Was fehlte, war die dritte Dimension, die Tiefe. Und damit meine ich nicht nur die physikalische, räumliche Tiefe, die es einem erlaubt hätte, die Zeitmesser der neuesten Generation optisch und haptisch in ihrer Gesamtheit zu erfassen.

Es fehlte auch die dritte Dimension der Kommunikation: die inhaltiche Tiefe eines Gesprächs von Mensch zu Mensch, der vertraute Dialog abseits von Gruppen-Präsentation, bei denen man nie genau weiß, wer alles zuhört, die spontane Eingebung und zündende Idee aufgrund einer winzigen ungeplanten Bemerkung, das zufällige Kennenlernen spannender Persönlichkeiten, das Wiedertreffen von alten Bekannten und das fröhliche Beisammensein am Abend. Dies geht offensichtlich nicht nur mir so. Fast jede digitale Präsentation endete mit dem Satz: „Ich hoffe, Sie bald wieder persönlich zu treffen.“

Dennoch, es war gut, dass sie stattgefunden hat. Denn es war schön, über die Neuheiten nicht nur aus einer Pressemitteilung zu erfahren, sondern von Menschen – auch wenn sie nur auf dem Bildschirm erschienen.

Denn es gab eine Menge zu sehen. Stellten sich bis 2019 auf dem SIHH in Genf in erster Linie die Marken des Richemont-Konzerns den neugieren Blicken der internationalen Uhrenwelt, zieht die Plattform Watches & Wonders als Nachfolgerin auch andere Luxusmarken an. Natürlich ist dies auch der Tatsache geschuldet, dass die Baselworld 2019 das letzte Mal stattfand und deren Nachfolgerin, die HourUniverse, coronabedingt noch keine Premiere feiern konnte.

Erstmals waren sogar die Big-Player Rolex und Patek Philippe dabei sowie die LVMH-Marken Bulgari, Hublot und Zenith. Kleinere, unabhängige Manufakturen nutzen ebenfalls die internationale Aufmerksamkeit. Und auch die Manufaktur Nomos Glashütte war erstmal beim Genfer Stelldichein dabei – die übrigens als eine der wenigen WWG-Aussteller erfreulicherweise persönliche Einzel-Gespräche via Zoom anbot.

Aber auch abseits des Genfer Schaulaufens ließen sich viele Marken nicht lumpen und schwammen im Fahrwasser des allgemeinen Interesses für edle Zeitmesser mit. Und so gab es in im zeitlichen Umfeld der WWG in zahleiche Videopräsentation beispielsweise auch Neuheiten von Audemars Piguet, Breitling und der Swatch Group entdecken.

Und so kam denn mit zunehmender Video-Zeit das Gefühl auf, irgendwie mit allen anderen doch dabeigewesen zu sein, irgendwie doch so etwas wie eine Messe erlebt zu haben. Aber eben nur irgendwie, ohne die dritte Dimension.

Und darum sage auch ich zum Ende dieser Kolumne:

Antje Heepmann, Redaktion WatchPro Deutschland

„Ich hoffe, Sie bald wieder persönlich zu treffen.“

Previous articleKlangvolles zum 20sten
Next articleInstitute rechnen für 2021 mit 3,7 Prozent BIP-Wachstum
Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

2 COMMENTS

  1. Ich bin fast in allen Punkten einig, nur in einem nicht: Ich fand die W&W alles andere als professionell gemacht. Meine persönliche Erfahrung war eine andere. Das war technisch und organisatorisch Murks. So hoffe ich, dass ich sowas nicht nochmal mitmachen muss.

    • Okay, hier und da hat’s gehakt und das ein oder andere Gesicht ist eingefroren … aber im Vergleich zu den ersten Präsentationen von vor einem Jahr war’s es gut. Und professionell bedeutet ja nicht automatisch perfekt 😉

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here