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Heepmanns Kolumne: Wer nicht da war, hat etwas verpasst!

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Die Rede ist von der Inhorgenta Munich. Ja, die Zeiten sind schwierig, mit Blick auf die Ukraine sogar erschütternd.

Und wenn es etwas nützen würde, dann würde ich 24/7 Trübsal blasen und nicht nur dann, wenn ich unmittelbar mit den deprimierenden Bildern und Berichten vom Krieg konfrontiert werde.

Es hilft aber leider nichts, in fassungslose Schockstarre zu verfallen. Weitermachen und das halbvolle Glas stets im Blick zu behalten, lautet stattdessen die Devise.

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An der heimischen Front im Homeoffice wie bei mir oder an der Ladentheke des Fachhandels gelingt dies zugegebenerweise oft nicht. Die Inhorgenta hat es aber für ein paar Tage geschafft. Es war stimmungsmäßig ein wenig wie in einer heilen Parallelwelt und in punkto Informations-Austausch mit der Branche wie ein großer Schluck aus der Wasserflasche nach einer langen Durstzeit.

Klingt pathetisch, ist es auch. Stimmt aber trotzdem. Es gab kein Gespräch, in dem nicht überdeutlich zum Ausdruck kam, wie froh man ist, dass wieder eine Messe wie die Inhorgenta stattfindet. Und die Stimmung auf dem Inhorgenta Award sprach Bände – und zwar ausgelassene.

Das täuscht natürlich nicht darüber hinweg, dass dies keine normale Inhorgenta war. Aber mit solchen Erwartungen war wohl auch niemand gekommen.

Blickt man auf die offiziellen Zahlen der Messe, dann war der Einbruch der Besucherzahlen deutlich – von 17.285 im Vergleich zu 26.000 im Jahr 2020. Aber es hätte weitaus schlimmer kommen können. Wobei es sich für viele in der Uhrenhalle A1 teils auch so anfühlte. Hier lag die die geschätzte Besucherfrequenz im Schnitt bei 50 Prozent. Aber die, die da waren, hatten große Lust, die Branche wieder live zu entdecken und Geschäftspartner und Kollegen zu treffen, die man zwei Jahre nicht gesehen hatte. Das wog das zahlenmäßige Minus etwas auf und trug zu der grundsätzlich guten Stimmung bei.

Und die Orderlaune? Die bewegte sich auf niedrigem Niveau. Aber wen wundert‘s? Zum einen wurden zum Anpassen des Sortiments die zurückliegenden zwei Monate seit dem eigentlichen Februar-Termin der Inhorgenta bereits dazu genutzt. Zum anderen bringt der Krieg Russlands gegen die Ukraine eine massive Unsicherheit für alle und einen ebensolchen Dämpfer der Verbraucherstimmung mit sich. Da fallen die Bestellungen der Händler verständlicherweise zurückhaltender aus.

Hinzu kommt, dass natürlich auch der Handel von der Corona-Problematik betroffen ist, und es für diesen angesichts der hohen Inzidenzen und damit einhergehenden Personlausfälle zum Teil schwierig gewesen war, eine Messe zu besuchen. Andere wiederum hatten bereits vor der Bekanntgabe der Verschiebung in den April – die sich viele früher als im Januar gewünscht hatten – Urlaubsreisen für die Osterferien gebucht und wollten diese nicht mehr stornieren.

Für all das habe ich mehr oder weniger viel Verständnis, auch wenn es gerade für einige Aussteller, die zum Beispiel mit der Inhorgenta den Einstieg in den deutschen Markt starten wollten, enttäuschend war.

Kein Verständnis aber habe ich dafür, ohne einen triftigen Grund als Fachhändler aus Deutschland beziehungsweise den angrenzenden Ländern nicht zur Inhorgenta zu kommen. Oder wie es ein Aussteller sagte: Wieso sind hier Händler aus Barcelona und den Niederlanden, aber nicht aus der näheren Umgebung? Für mich selbst ist der Inhorgenta-Besuch eine gern absolvierte Pflichtveranstaltung, und ich erachte es auch als selbstverständlichen Bestandteil der Aufgaben eines Juweliers.

Und ja, natürlich gibt es auch bei der Inhorgenta Optimierungsmöglichkeiten. Schade fand ich zum Beispiel, dass die Trendfactory etwas stiefmütterlich im hinteren Teil der A2 angesiedelt war, einer Sackgasse, sodass wenige rein zufällig auf dem Weg in eine andere Halle über die sehr spannenden Vorträge stolperten. Diesem Bereich sollte zukünftig viel mehr Beachtung geschenkt werden – übrigens auch von den Besuchern, die die tollen Angebote deutlich aktiver nutzen sollten.

Eines wurde in vielen Gesprächen immer wieder thematisiert. Die Rolle von Messen in der Zukunft. Die Ordergespräche stehen dabei vielfach nicht mehr oder zumindest nicht mehr allein an erster Stelle. Vielmehr geht es um die gemeinsame Weiterentwicklung der gesamten Branche, um auch in Zukunft mit Produkten, die eigentlich niemand benötigt, Relevanz beim Verbraucher zu haben. Und das geht am besten im permantenen Austausch und gemeinsam. Events wie die Inhorgenta können da ein entscheidender Gamechanger sein. In diesem Zusammenhang kam auch immer wieder das Thema einer Publikumsöffnung auf, das jedes Jahr wieder aufs Neue diskutiert wird.

Wie dem auch sei. Wer in diesem Jahr nicht dabei war, hat in jedem Fall etwas ganz Wichtiges verpasst. Denn alle, die dort waren, haben nicht nur eine Menge an Neuigkeiten und Ideen für die Weiterentwicklung des eigenen Geschäfts mitgenommen, sondern vor allem einen großen Motivationsschub und sind mit der Einstellung nach Hause gekommen: Das schaffen wir jetzt auch noch!

Und nach diesem gelungenen Zwischenspiel einer etwas anderen Inhorgenta, freue ich mich schon jetzt auf einen fulminanten Restart der Messe im kommenden Jahr. Am besten merken Sie sich schon mal diesen Termin vor: 24. bis 27. Februar 2023.

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Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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