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Heepmanns Kolumne: Welch ein Glück: Die Inhorgenta Munich ist reibungslos über die Bühne gegangen

Antje

Kein Corona, kein Blitzeis, kein Rosenmontag, keine Streiks oder sonstiges Unbill kam der diesjährigen Inhorgenta in die Quere. Welch ein Glück!

Vor dem Hintergund der aktuellen, allgemeinen Messen-Problematik – sei es aufgrund strategischer Fehlentwicklungen in der Vergangenheit wie bei der Baselworld, oder aufgrund des Corona-Virus – hat der Münchner Branchentreff jeden Besucher und jeden Aussteller spüren lassen, dass solche Plattformen unverzichtbar sind.

Roundtables, Experten-Vorträge und Sonder-Areale wie der Salon Suisse waren der Beitrag der Messe für mehr Wissen und Information. Aber auch abseits des offiziellen Rahmenprogramms bot die Inhorgenta einen passenden Rahmen für Gespräche mit alten Bekannten, den Austausch mit neuen Mitstreitern oder Zufallsbekanntschaften oder den intensiven Dialog mit Kunden, Lieferanten oder potenziellen neuen Geschäftspartnern.

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Sei es in den attraktiven Lounges und Restaurantbereichen, auf der After-Messe-Party, auf den Messeständen oder abends in den zahleichen Restaurants und Hotelbars rund um die Messe: Die Messe München bot ausreichend Raum, Zeit, angenehmes Ambiente und Infrastruktur, um eingefahrene Gewohnheiten und Denkweisen, Einschätzungen und Handlungsweisen zu hinterfragen und ins Verhältnis zu setzten. Immer mit dem Bewusstsein: all das kann Veränderungen nach sich ziehen. Und das ist auch gut so.

Nicht zu unterschätzen ist, dass es nirgendwo einfacher als auf einer Messe mit einer gewissen Größenordnung ist, Trends zu entdecken. „All Black“ is back, die wunderbare Vermehrung der Damenuhren und die omnipräsente Wechselhaftigkeit der Uhrarmbänder – all dies erschloss sich den Besuchern dank gut gefüllter Uhrenhalle innerhalb kürzester Zeit. Und war dabei mehr als nur eine Schlagzeile in einem Magazin.

Und nicht zu vergessen: die Gerüchteküche, Klatsch und Tratsch: Findet Basel statt oder wird die Messe in diesem Jahr vom Corona-Virus überrollt? Oder bekommt sie die Kurve? (Was übrigens alle, mit denen ich gesprochen habe, zutiefst hoffen.) Hat Rolex der Baselworld ewige Treue geschworen, wenn man die neue Strategie diktieren darf? Ist eine einst megaerfolgreiche Modemarke wirklich wiederzubeleben? Warum erweckt man ausgerechnet jetzt eine neue Marke zum Leben? Und warum blickten die Models auf der Opening-Jewelry-Show so mürrisch drein? Ich sags mal frei heraus: Herrlich! Auch wenn es auf all die Fragen keine wirklichen Antworten gab.

Denn auch so etwas schweißt zusammen und hat verbindenden Charakter. Es ist die Fortsetzung der Lagerfeuer-Gespräche und erweckt das Gefühl: Wir gehören irgendwie alle zusammen, sind eine Familie … und die streitet sich bekanntermaßen auch gerne mal, hält aber, wenn es drauf ankommt, wie Pech und Schwefel zusammen.

Das Uhren- und Schmuckjahr 2020 benötigt schon jetzt dieses Zusammengehörigkeitsgefühl. Denn von alleine dreht sich das Umsatzkarussell nicht ewig ausreichend schnell weiter.

Immer mehr Juweliere machen es bereits vor. Sie schließen sich in Erfa-Gruppen zusammen und tauschen sich regelmäßig aus: was geht, was geht nicht, wie positioniere ich mich in punkto Internet, was funktioniert in Sachen Marketing und Präsentation, und und und – die Themen, die angegangen werden müssen, um auch zukünftig das Karrussel am Laufen zu halten, liegen in großer Zahl auf der Hand.

Die gute Nachricht: diejenigen Fachhändler, die sich mit ihren Kollegen regelmäßig austauschen, gehören zu denjenigen, die am besten für die Zukunft gewappnet sind. Das Prinzip der derzeit in unserer Branchen viel beschworenen Community funktioniert!

Und gerade deswegen sollte sich die gesamte Branche inklusiver der großen, vermeintlich unabhängigen Marken und Unternehmen – um es mal salopp zu formulieren – zusammenreißen und einen Weg finden, die Baselworld wieder auf Kurs zu bringen. Damit sie wieder zu einem Hotspot der Inspiration und des Austausches und somit zum Antreiber der Branche wird.

Die großen Konzerne werden sicher am längsten auch ohne einen solchen Event zurecht kommen. Auf Dauer wird es aber auch nur den Großen gutgehen, wenn es der gesamten Branche gut geht.

Und dazu gehört meiner Meinung nach eine Baselworld. Sicher nicht in dem Format vergangener Glanzzeiten, sondern zugeschnitten auf moderne Zeiten.

Denn ein Satz war auf der Inhorgenta auch allenthalben zu hören. „Am Ende bieten wir ein Produkt an, was niemand benötigt.“ Wenn dieses aber dauerhaft auf der Begehrlichkeitsliste der Endverbraucher stehen soll, dann müssen alle an einem Strang ziehen. Und dies geht am besten, wenn sich die ganze Communitiy regelmäßig von Angesicht zu Angesicht am Lagerfeuer Messe trifft.

Tags : baselworldinhorgentaKolumneMessen
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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