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Heepmanns Kolumne: Viel Rauch um nichts bei der Swatch Group?

Antje

„Paffender Swatch-Chef nebelt Mitarbeiter ein.“ So titelte Ende Januar die kostenlose Schweizer Zeitung „20 Minuten“ und verwies auf Mitarbeiter-Beschwerden in den Sozialen Medien.

Dass Hayek wie sein Vater ein passionierter Zigarrenraucher ist, ist kein Geheimnis. Und angeblich lässt er sich von nichts und niemanden davon abbringen: ob bei Medienkonferenz oder in allen Räumen des neuen Prachtbaus am Hauptsitz in Biel.

„Er raucht im ganzen Gebäude seine Zigarren. Das ist ein Affront gegenüber der Gesundheit der anderen.“ „Er schert sich einen Dreck um uns, dabei hat der Arbeitgeber die Pflicht, die Gesundheit der Arbeitnehmer zu schützen.“ So zitiert die Zeitung zwei Mitarbeiter.

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Angeblich rauche der Swatch-Group-Chef im Besprechungsraum genauso wie in der Cafeteria und hätte sogar in Anwesenheit schwangerer Mitarbeiterinnen seiner Passion gefrönt. Aus einer internen Quelle will „20 Minutes“ erfahren haben, dass die Personalabteilung Angst habe, gegen Hayeks Verhalten etwas zu unternehmen.

Ich weiß nicht, ob es stimmt. Wenn ja, dann ist es tatsächlich mehr als eine Unhöflichkeit. Und was in nahezu allen Unternehmen spätestens seit der strikten Umsetzung des Nichtraucherschutzgesetzes bestens funktioniert – ein friedliches Miteinander von Rauchern und Nichtrauchern dank gegenseitiger Rücksichtnahme und gegenseitigem Verständnis – ist sicher auch beim größtern Uhrenhersteller der Welt möglich. Und wie gesagt, ob etwas an den Vorwürfen dran ist, ist unklar.

Wie die Presseabteilung der Swatch Group auf eine Anfrage reagiert, ist zwar sicher nicht die feine Art und zeugt auch von einem temporären Verlust an Souveränität – ehrlicherweise entlockt sie mir aber auch ein großes Schmunzeln.

Angesichts der aktuellen, weltweiten Probleme – Coronavirus, Klimawandel, extrem starker Franken, Spannungen im Nahen Osten – sei das Thema ein von der „Fasnacht inspirierter Zirkus“, heißt es da. So weit so gut – wobei gesundheitliche Probleme für unfreiwillige Passivraucher sicher keine spaßige Angelgenheit sind. Den Spaß, der Antwort eine Karikatur bezufügen, die Hayek mit Stinkefinger zeigt, konnte sich dann offenbar ein Mitarbeiter der Presseabteilung nicht verkneifen – kurz gesagt, da musste wohl jemand Dampf ablassen. Das Motiv war 2019 an der Basler Fasnacht zu sehen.

Nach der ersten Aufregung ging man aber offenbar in sich und auf die Vorwürfe ein und betonte, dass es bislang noch nie eine Beschwerde wegen Zigarrenrauchs gegeben hätte. Stattdessen würde Nick Hayek seine Mitarbeiter immer zuvor fragen, ob er rauchen dürfe, und er mache sich außerdem nicht lustig über seine Kritiker.

Wie dem auch sei, die tolle Karrikatur war den Spaß wert. Der Spaß hört aber auf, wenn Menschen ungefragt zum Mitrauchen gezwungen werden. Aber laut Aussage der Pressemitteilung der Swatch Group findet dies ja nicht statt.

Wir können uns also wieder ganz entspannt den vielen anderen Brandherden dieser Welt widmen.

 

Tags : hayekswatch group
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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