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Heepmanns Kolumne: „Reden die beiden Messen wirklich miteinander?“

Antje

Diese Frage stellt die NZZ Neue Zürcher Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe angesichts der Watches-&-Wonders-Stornierung auf der einen Seite und dem (Noch-)Baselworld-Festhalten an der Durchführung der Messe auf der anderen Seite.

Irgendwie sitzen alle Mitglieder der Schmuck- und Uhrenbranche auf heißen Kohlen und verfolgen den Newsfeed der Baseworld ganz genau. Und viele hatten nach der gestrigen Mitteilung über die abgesagte Watches & Wonders Geneva mit einem kurzfristigen Nachziehen der Baselworld innerhalb weniger Stunden gerechnet. Entweder ebenfalls mit einer Stornierung der diesjährigen Ausgabe oder mit einer erneuten Bekräftigung der Durchführung.

Man berücksichtige den Entscheid der Watches & Wonders und bedauere die Absage, hieß es stattdessen lediglich seitens der Baselworld auf Anfrage der NZZ.

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Beide Events hatten ihre Termine miteinander koordiniert und sollten direkt hintereinander stattfinden. Da würde man doch meinen, dass sie auch sonst miteinander reden und sich abstimmen würden.

Vermutlich machen sie dies auch, aber das bedeutet nicht, dass beide auch dieselben Entscheidungen treffen. Dafür sind die Veranstaltungen einfach zu verschieden.

In Genf hätten rund 30 Marke ausgestellt, von denen die meisten zu Richemont gehören. Erwartet hätte man etwa 10.000 Besucher. In Basel geht es trotz eines massiven Ausstellerrückgangs in den letzten Jahren um ganz andere Dimensionen: zirka 600 Aussteller sind angekündigt und man rechnet mit 80.000 Besuchern.

Hinzu kommt, dass die MCH Group nicht nur Veranstalter der Baseworld, sondern auch Vermieterin der Messehallen ist. Der Genfer Salon mietet sich lediglich bei der Palexpo ein.

Würde die Baselworld abgesagt, hätte die MCH Group also einen doppelten Ertragsausfall. Und das in einer Zeit, in der die MCH Group ob roter Zahlen und der Absage der diesjährigen Art Basel Hongkong aufgrund des Corona-Virus sowieso schon zu kämpfen hat.

Außerdem wollten die Macher der Baselworld doch schnellstmöglich beweisen, dass sie auch trotz des Fehlens vieler großer Aussteller einen global relevanten Branchentreff aufziehen können – und haben dabei bislang Beachtliches geleistet.

Es ist eine Krux. Findet die Baselworld statt und es kommt nur ein Bruchteil der erwarteten Besucher, oder es kommt gar zu Ansteckungen während der Messe, ist es ein Desaster für Aussteller und Veranstalter. Sagt man jetzt die Baselworld ab und bis Ende April beruhigt sich die Lage an der Corona-Front wieder, dann wäre es zweifellos ebenfalls ein Desaster für alle Beteiligten.

Das ideale Szenario wäre eine Kombination: Die Baselworld wird nicht abgesagt und die Lage beruhigt sich wieder. Aber niemand weiß aktuell, was kommt.

Die eine richtige Entscheidung gibt es daher einfach nicht, jede birgt ein großes Risiko.

Aber: Im Sinne der Planungssicherheit für alle Beteiligten ist eine schnelle Entscheidung wünschenswert.

Tags : baselworldCoronaKolumneWatches&Wonders
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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