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Heepmanns Kolumne: Nutzt Galeria Karstadt Kaufhof die Corona-Krise, um sich gesund zu schrumpfen?

signa

„Die Probleme des Warenhauskonzerns reichen über die Coronakrise hinaus. Dabei gibt es in Europa Vorbilder, wie es besser laufen könnte.“ Das sagt Florian Wolf in einem Kommentar auf handelsblatt.com vom 4. Mai.

Nicht zu leugnen ist, dass der zur österreichischen Signa-Gruppe gehörende Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof nicht lange zögerte, um unter den bundesdeutschen Schutzschirm zu schlüpfen, dem größten Hilfspaket in der Geschichte Deutschlands. Darüber hinaus gab es Meldungen, die Mietzahlungen auszusetzen beziehungsweise zu reduzieren.

Dass klingt alles nicht nach einer soliden Basis, die es erlaubt hätte, Krisenzeiten ohne allzu große Langzeitschäden zu überstehen. Obwohl das Unternehmen verlauten ließ, dass ohne die Geschäftsschließungen infolge der Corona-Pandemie ein operativer Gewinn in dreistelliger Millionenhöhe möglich gewesen sei. „Das Gegenteil kann ihnen jetzt niemand mehr beweisen“, kommentiert Florian Wolf und meint stattdessen: „Das Warenhausunternehmen Galeria Karstadt Kaufhof hat die Coronakrise geschickt genutzt, um sich als Opfer höherer Mächte zu präsentieren.“

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Dazu passt, dass René Benko vor einem einem Jahr noch stolz einen Gewinn seiner Signa Holding von über einer Milliarde € nach Steuern für 2018 verkündet hatte. Offenbar wurde das Geld nicht genutzt, um Galeria Karstadt Kaufhof rechtzeitig krisenfest aufzustellen. Die Corona-Krise treffe das Unternehmen mitten in einer Restrukturierungsphase, heißt es.

Ob diese bereits vorsah, Standorte zu schließen, sei dahin gestellt. Jetzt sieht es zumindest danach aus. Nach Informationen des manager magazins rechnen die Arbeitnehmervertreter damit, dass bis zu 60 der gut 170 Standorte in Deutschland geschlossen werden könnten.

So hart das klingt: Das kann der richtige Weg sein, um das Warenhauskonzept zukunftsfähig und damit krisensicherer und überlebensfähig zu machen.

„Die gelassenen Reaktionen von europäischen Konkurrenten wie Harrods, Galeries Lafayette oder Rinascente auf die Coronakrise belegt: Wer gut aufgestellt in den Lockdown gegangen ist, fällt auch nicht sofort um“, schreibt Florian Wolf und erläutert auch, was die anderen Warenhäuser richtig gemacht haben, für deren Eigentümer der „Gläubigerschutz nicht die erste Wahl in Krisenzeiten ist.“

An erster Stelle steht ein geschärftes Profil mit einem hochwertigen Sortiment, das funktioniert auch im Warenhaus wie man im europäischen Vergleich sieht. Stattdessen attestiert Wolf Galeria Karstadt Kaufhof ein „buntes Sammelsurium“.

Antje Heepmann, Redaktion WatchPro Deutschland

Und auch ich kenne diese Filialen, die von irgendwie allem irgendetwas habe, was irgendwie in einem nicht vorhandenem Ambiente auf einer lieblos gestalteten Fläche „präsentiert“ wird, auf der man vergeblich Ausschau nach motiviertem Verkaufern Ausschau hält –, um am Ende von (vermutlich zu Recht) schlecht gelauntem Personal abkassiert zu werden. Da muss erst einmal viel Zeit vergehen, bevor man über eine Rückkehr nachdenkt. Zumal man das, was man bei dem angestaubten Warenhauskonzern bekommt, auch problemlos online erwerben kann. Stichwort „buntes Sammelsurium“.

Ein hochwertiges Sortiment, ein exklusives Ambiente und vor allem gut geschultes, gut bezahltes und ausreichend vorhandenes Personal funktioniert natürlich nicht an jedem Standort. Ob es bei den recht wahrscheinlichen Schließungen vieler Stadorte aber darum gehen wird, sich mit einem geschärften, exklusiven und modernen Profil auf erstklassige Standorte zu konzentrieren, oder ob es nur um simple Einsparungen geht, wird über das zukünftige Wohl und Wehe des Konzerns entscheiden.

Dank des Schutzschirmes hat René Benko nun eine Gnadenfrist bekommen, die er nutzen sollte. Dazu gehört nicht nur die finanzielle Atempause, dazu gehören auch viele Freiheiten, härtere Maßnahmen als üblich durchführen zu können sowie langfristige Mietverträge früher zu kündigen.

„Zur Schließung zahlreicher Filialen darf es keine Alternative mehr geben. Die verbleibenden Standorte müssen dann aber mit qualifiziertem Personal sehr gut ausgestattet werden, weil Beratung und Kundenservice das Wichtigste ist, das die Menschen zum Einkaufen noch in die Innenstädte lockt“, sagt Florian Wolf.

Und volle Innenstädte nutzen dem gesamten Einzelhandel.

Tags : CoronaEinzelhandelKarstadtKaufhofLockdownRene BenkoSigna
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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