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Heepmanns Kolumne: Neue Uhren braucht das Land! Oder: Darf man in Corona-Zeiten neue Zeitmesser lancieren?

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Soll und darf man in Zeiten des Shutdowns infolge der Corona-Pandemie eine neue Uhr vorstellen und lancieren? Ein Produkt, was schon in guten Zeiten nicht zu den lebenswichtigen Dingen gehört und dessen Funktionalität zwar sinnvoll ist, die aber von anderen Dingen wie Handy und Tablet genauso gut erfüllt werden kann.

Ich denke ja!

Antje Heepmann, Redaktion WatchPro Deutschland

Denn auch wenn sich der Konsum derzeit nahezu auf das Notwendigste bezieht und die Konsumlaune eher im Keller ist: die Welt dreht sich weiter. Und irgendwann werden wir auch diese Krise überwunden haben und – wenn der italienische Soziologe Franco Ferrarotti Recht behält – wird es zu einer Explosion an Lebensfreude kommen. Dann rücken die schönen Dinge des Lebens in den Mittelpunkt, man gönnt sich etwas, man genießt.

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Aber viele werden vermutlich auch bewusster konsumieren, denn man hat gemerkt, dass man auch mit weniger auskommt und dass soziale Aspekte wie Freundschaft, Verlässlichkeit und Solidarität manchmal mehr zählen als Besitz. Die Folge könnte ein gestiegenes Qualitätsbewusstsein sein: von allem weniger, dafür nachhaltiger und langlebiger.

Hochwertige Uhren passen genau in dieses Schema.

Jetzt daran zu denken, was die Krise mit unseren Konsumgewohnheiten machen wird und sich darauf einzustellen ist politisch nicht korrekt? Mitnichten! Denn es wird eine Zeit nach Corona geben, in der die Freude am Einkaufen wieder aufleben wird. Wenn auch sehr wahrscheinlich in veränderter Form

„Der Markt wird sich nicht radikal verändern. Selbst wenn es sich um eine einzigartige, globale Krise handelt. Nein, es wird nicht alles kollabieren, auch wenn es Luxusgüter stark getroffen hat. Auf der anderen Seite wird diese Krise eine Reihe von Entwicklungen beschleunigen, die sich mit einer gewissen Oberflächlichkeit in unserer Art zu konsumieren, auseinandersetzen werden.“ Das sagt Yves Hanania (Gründer der auf Markenstrategie und -entwicklung spezialisierten Beratungsfirma Lighthouse und Autor des Buches ‚Le luxe demain, Les nouvelles règles du jeu‘ (Dunod-Verlag).

Maximilian Büsser, Gründer der avantgardistsichen Uhrenmarke MB&F, gehört zu denjenigen, die sich ganz konkret die Frage gestellt, ob man im Moment eine neue Uhr präsentieren und auf den Markt bringen darf. Seine Antwort lautet: „Ja!“

„Die aktuelle Lage ist, gelinde gesagt, absolut ungewöhnlich. Ist es überhaupt angebracht, gerade jetzt eine neue Uhr auf den Markt zu bringen? Einige werden Nein sagen. Andere wiederum finden: Ja, unbedingt, das Leben muss weitergehen. Wir sind uns des Ausmaßes der Corona-Krise absolut bewusst – und auch selbst direkt von ihr betroffen. Aber wir haben beschlossen, das Beste daraus zu machen und unseren Weg weiterzugehen.“

Und dieser Weg hat zur neuen „Horological Machine N°10“ geführt. Sie trägt den vielsagenden Namen „Bulldog“.

MB6F beschreibt dieses uhrmacherische Geschöpf so:

Ein runder, kompakter Körper aus Titan oder Rotgold, kombiniert mit einer großzügigen Saphirglaskuppel. Zwei hervorstehende Zeitanzeige-„Augen“ aus Aluminium, die jedem, der hinzuschauen wagt, grimmig entgegenblicken. Ein Halsband mit „Nieten“, anhand derer man die Zugfeder aufziehen und die Zeit einstellen kann. Stämmige und doch flexible „Beine“, die das Handgelenk fest umschmiegen. Und ein massives Gebiss. Vor allem aber ein großes Herz, das stetig mit einer Frequenz von 2,5 Hz (18 000 vph) schlägt.

Doch damit nicht genug. Die „Bulldog“ hat ein voll funktionstüchtiges, aufklappbares Gebiss, an dem sich die verbleibende Energie ablesen lässt. Ist es geschlossen, ist das Geschöpf Ruhe-Modus. Sind die blitzenden Zähne deutlich zu erkennen, dann ist die „Bulldog“ bereit und ihre Zugfeder ist mit 45 Stunden Energie aufgeladen.

 

Die „Bulldog“ von MB&F wird in zwei Serien lanciert: Korpus aus Titan Grade 5 mit blauen „Augen“ (Preis 109.500,00 Euro) und 18-Karat-Rotgold und Titankorpus mit schwarzen „Augen“ (Preis 125.000,00 Euro).

 

Sie waren für einen kleinen Moment von dieser außergewöhnlichen Kreation und deren Beschreibung abgelenkt und das C-Wort war in den Hintergrund getreten? Sehr schön! Denn das ist der beste Beweis, dass Uhren unsere Welt – zumindest unsere Gefühlswelt – ein kleines wenig besser machen können.

 

Daher freue ich mich schon jetzt auf all die neuen Zeitmesser, die in den nächsten Wochen und Monaten das Licht der Welt erblicken werden.

 

 

Tags : BulldogBüsserCoronaHeepmannKolumnemb&F
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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