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Heepmanns Kolumne: Für eine Öffnungsperspektive für den Einzelhandel bedarf es Mut und Kreativität

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Antje Heepmann, Redaktion WatchPro Deutschland

Der Handelsverband Deutschland (HDE) erneuert seine Forderung nach einer Öffnungsperspektive und einem schrittweisen Ausstieg aus dem aktuellen Lockdown für die rund 200.000 betroffenen Einzelhändler.

Lockerungsmaßnahmen müssten auch schon bei einem Inzidenzwert von über 50 möglich sein, so der HDE. Denn die notwendigen Hygienemaßnahmen für ein sicheres Einkaufen in der Pandemie würde ein umfassendes Hygienegutachten aufzeigen, das im Auftrag des HDE erstellt wurde. Gleichzeitig mache eine aktuelle Studie deutlich, dass das Arbeiten im Einzelhandel nicht zu erhöhter Infektionsgefahr führt.

Der HDE hat recht.

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Im Geschäft ist unter Einhaltung der gebotenen Hygieneregeln kein erhöhtes Infektionsrisiko anzunehmen. Was aber hinzukommen muss, ist ein Konzept für die Wege zum Einzelhandel. Volle Busse, S-Bahnen und Shoppingmalls sind sicher keine Orte, an denen man sich aktuell gut geschützt fühlt. Und wie verhindert man einen Shoppingtourismus, der aus einem kontrollierbaren, lokalen Infektionsgeschehen mit einer der gefürchteten Mutationen ein bundesweites Geschehen macht?

Hinzu kommt: Sollte die Nachfrage im stationären Handel schnell wieder annähernd das Vor-Corona-Niveau erreichen (was fantastisch wäre), dann kann diese jedoch kaum mit der massiv verringerten Anzahl an Kunden, die gleichzeitig ins Geschäft gelassen werden dürfen, befriedigt werden.

Wenn der Andrang bei den physischen Geschäften also wirklich trotz einer nach wie vor bestehenden unklaren Pandemie- und Impflage sehr hoch sein sollte: Wohin dann mit den ganzen Leuten, die man nicht ins Geschäft lassen darf? Lange Schlangen vor dem Geschäft oder ein professionelles (teures) Einlasssystem sind sicher nicht die Lösung. Das heißt der Multichannelweg wird so oder so noch eine ganze Weile unabdingbar bleiben und sich möglicherweise auch dauerhaft etablieren.

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Eine Persektive auf eine stufenweise Lockerung des Lockdowns und eine baldige Öffnung des Einzelhandels ist absolut wünschenswert und notwendig, ohne Frage.

Aber dabei müssen alle Aspekte bedacht werden. Bezüglich des Einzelhandels reicht meines Erachtens der Blick IN die Geschäfte alleine nicht aus. Dort wird man in großen Teilen schon jetzt verantwortunbgsbewusste Hygienekonzepte vorfinden. Hinzu kommen sollte der Blick vor die Ladentür. Ansonsten kann es mit einer möglichen Öffnung derselbigen ganz schnell wieder vorbei sein. Es ist also viel Kreativität gefragt und Mut für neue Wege.

Die „Hygienisch-medizinische Stellungnahme zum Beitrag des Einzelhandels zur Prävention und Kontrolle der COVID-19-Pandemie“ von Prof. Dr. med. Dr. h.c. M. Exner (im Auftrag des Handelsverbandes Deutschland HDE), schlägt unter anderem vor:

„In Abhängigkeit von der Größe der Verkaufsräume sollten die entsprechenden Zugangsregelungen gegebenenfalls durch Terminierung von Kundenbesuchen beziehungsweise Anwendung einer App, welche die Belegung der Verkaufsflächen mit Kunden einschließlich Mitarbeitern erfasst und reguliert, ergänzt werden.“

Ein guter Vorschlag, denn es würde zu einen entzerrteren Kundenaufkommen im und zumindest auch unmittelbar vor dem Geschäft führen. Darauf könnte man sich als stationärer Handel und die Kunden schon jetzt vorbereiten. Denn dass das stationäre Einkaufen noch einige Zeit lang nicht so sein wird, wie es vor Corona war, steht wohl außer Frage. Einkaufen mit Termin – sozusagen ein Personal Shopping-Date – wäre eine mögliche Alternative.

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