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Heepmanns Kolumne: Geneva Watch Days können als gelungen bezeichnet werden, aber …

geneva

Eine Messe mit all dem Trubel, zufälligen Begegnungen und unerwarteten Entdeckungen können Sie nicht ersetzen. Noch bis morgen tummeln sich in den Hotels und den eigenen Boutiquen 16 Luxusuhrenmarken und präsentieren sich der internationalen Uhren-Community.

Auch wenn die Geneva Watch Days infolge der sich ständig ändernden Reisebeschränkungen beziehungsweise Quarantäneauflagen doch nicht ganz so international ausfielen, wie es sich viele der teilenehmenden Marken gewünscht hatten.

Dennoch, nicht nur das Wetter war prächtig und sorgte für mondänen Flair und Urlaubsstimmung rund um den Genfer See mit seiner optimistisch sprühenden Fontaine. Auch die Gesichter der Markenverantwortlichen sahen – da wo erforderlich natürlich mit Mund-Nasenschutz bedeckt – ebenso entspannt aus, wie die ihrer Gäste. Dazu trug sicher auch das stilvolle, zum Teil gediegene Ambiente der Hotels bei, in denen sich die meisten Marken eingemietet hatten.

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Bei einem Aperol Spritz und kleinen schweizerischen Leckereien lässt es sich eben noch viel besser über Uhrenneuheiten und Neuigkeiten der Branchen plaudern. Und das kam an. Allein schon aufgrund der Abwesenheit von Separees beziehungsweise anonymen Messekabinen zeigten sich die Luxusbrands nahbar wie nie. Da mischten sich auch die Führungspersönlichkeiten gut gelaunt unters „Volk“.

Und das ist eine Tugend, die in Zukunft sicher ausschlaggebend sein könnte. Denn die jungen Erwachsenen von Heute, die die zahlungskräftigen Kunden von morgen werden können, wollen wissen, wer hinter eine Marke steckt, welche Menschen und welche Philosophie. Und sie wollen deren Authentizität überprüfen können.

Nicht ohne Grund lancierten zum Beispiel Marken wie Breitling und Bulgari gerade erst Kollektionen, die mit ihrem Design und Preis eine jüngere Generation ansprechen sollen – hier darf keine generationsbedingte Kunden-Lücke entstehen. Zu warten, bis die Stammkunden und Fans einer Marke „aussterben“, um sich dann auf die Suche nach Ersatz zu machen, wäre fatal.
Zwei Marken haben das Konzept der Nahbarkeit in Genf meiner Meinung nach besonders gut umgesetzt, jede auf ihre Weise.

So hat Maurice Lacroix gleich ein ganzes Hotel gemietet – keines der berühmten Luxusherbergen direkt am Genfer See, aber beste Lage in zweiter Reihe und mit einem Ambiente, in dem es sich wohlfühlen lässt. Das ganze Hotel ist gebrandet – dezent aber sichtbar –, es gibt verschiedene Bereiche, von der Gin-Bar über den Showroom, den gemütlichen Besprechungsraum bis hin zum schattigen Innenhof mit Bewirtung. „Wenn Sie möchten, dann bleiben Sie doch einfach und genießen oder arbeiten Sie dort“, sagte Stéphane Waser, Managing Director von Maurice Lacroix, nach unserem Interview zu mir. So sieht Gastfreundschaft aus. Das Eastwest-Hotel wird die Marke wohl auch während der nächsten Geneva Watch Days in Beschlag nehmen, dann möglicherweise schon im April.

Im Ritz Carlton hatte sich Bulgari, Hauptinitiator der Geneva Watch Days, eingemietet. Anderes Ambiente, gleicher Effekt. In einem großes Raum herrschte Lounge-Atmosphäre, es wurde geplaudert, ernsthaft diskutiert, es wurden Interviews gegeben, es wurde Aperol Spritz getrunken und es wurden Uhren angeschaut. Was will man mehr? Die Stimmung war jedenfalls bestens.

Antje Heepmann, Redaktion WatchPro Deutschland

Ob und wie sich das Ganze am Ende rechnet, darüber wird wohl frühestens nächste Woche nachgedacht. Vielleicht spielt es auch gar nicht die erste Rolle, sondern die Geneva Watch Days werden eher als Marketing-, denn als Verkaufsevent verstanden. Unterm Strich und angesichts der aktuellen Situation sind die Genfer Uhrentage sicher eines der wenigen positiven Signale der heutigen Zeit, das unserer Branche gut tun, inspirierend und motivierend wirken wird.

Aber: eine Messe wie die Baselworld ersetzen die Geneva Watch Days nicht. Auch wenn die Hotels und Boutiquen durchaus eine authentischere Atmosphäre bieten als eigens für einen temporären Messeeinsatz gebaute Stände – mir fehlte doch Entscheidendes.

Der Trubel auf den Gängen, das oft mehrfache Treffen von netten Menschen und Kollegen in Halle A, B und C, die man immer nur auf dieser einen Messe trifft, das Stolpern über Neuheiten, die man gar nicht auf dem Schirm hatte, die unerwartete Netzwerkerweiterung, der Messeklatsch und so weiter. All das bietet eigentlich nur eine große zentrale Veranstaltung.

Es ist wie bei einer großen Familie, die sich einmal im Jahr trifft – gerne zur Weihnachtszeit – und meist froh ist, wenn der ganze Aufruhr wieder vorrüber ist –, um sich kurz darauf wieder aufs nächste Mal zu freuen. Schön und anstrengend zugleich, aber auch unverzichtbar. Und zwischendurch werden noch einige Geburtstage gefeiert, nicht ganz so groß, aber genauso schön, eben anders schön – so wie die Geneva Watch Days.

Tags : Geneva Watch DaysHeepmannKolumne
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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