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Heepmanns Kolumne: Geneva Watch Days – Insel der Glückseligen?

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Ich gestehe, meinen Aufenthalt in Genf während der zweiten Uhrentage hat mir gefallen. Und all denjenigen, die ich dort getroffen und kennengelernt habe, auch.

Man muss aber auch eingestehen, dass es sich hierbei aufgrund der Zusammenstellung der Marken aus dem gehobenen Bereich und auch deren geringen Anzahl nur um die Zusammenkunft eines winzigen Teils der gesamten Branche handelte.

Hinzu kommt, dass angesichts der anhaltenen Pandemie auch nur diejenigen dort waren, deren eigene psychische Entspanntheit, physische und ökonomische Verfassung es auch zuließ und deren Reiseregularien des eigenen Landes die entsprechende Möglichkeit bot. Also diejenigen, die sich glücklich schätzen können, die Krise gut weggesteckt zu haben und/oder einfach das Wiedererwachen des (Branchen)-Lebens feiern wollten. Dem Vernehmen nach fehlte übrigens der deutsche Fachhandel in Genf mehr oder weniger vollständig.

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Zugeben muss man aber ebenfalls, dass sich auch die Protagonisten – sprich die ausstellenden Marken – glücklich schätzen können, dass der Wettergott wie schon im letzten Jahr den Geneva Watch Days in die Hände gespielt hat. Die Sonne lachte über dem Genfer See, die Temperaturen luden zum Verweilen an seinem Ufer ein und der Blick aus einer der vielen Suites in den Luxushotels, die als Showrooms dienten, bot Postkartenmotive. Es herrschte eine Atmosphäre voller Glamour, Luxus und Sorglosigkeit – ein Gefühl, das viele lange nicht gehabt hatten.

Die Rückkehr zur Realität gewährte mir dann das Pop-up-Event der Baselworld in der Event-Location L’ice Bergues. Hier spielten das Wetter, das Ambiente rundherum, die Schönheit des Genfer Sees und das fantastische Bergpanorama keinerlei Rolle – denn es gab keinen Blick nach Außen, kein Tageslicht.

Auf zwei Etagen tummelten sich – für mein Empfinden relativ beengt – zehn Marken sowie die Bühne, auf der zahlreiche Talks stattfanden. Ein echter Flashback in die Wirklichtkeit „echter“ Messen, und zwar ein authentischer.

Denn die neue Baselworld will gerade eines nicht mehr sein: elitär und abgehoben, sondern offen und aufgeschlossen für jedermann, mittendrin in der gesamten Branche, vom unteren bis zum gehobenen Preissegment werden alle gleich behandelt, schlichte Arbeitsatmosphäre statt Klotz und Klunker.

Also alles richtig gemacht? Ehrlich gesagt bin ich mir nicht so sicher, ob sich die Baselworld mit diesem Kontrastprogramm zum Easy Living der Geneva Watch Days um sie herum einen echten Gefallen getan hat.

Antje Heepmann, Redaktion WatchPro Deutschland

Ich muss gestehen, ich war ein ganz klein wenig enttäuscht. Aber natürlich stand auch ich unter dem Eindruck der wunderschönen Kulisse und Atmosphäre von Genf an einem sonnigen Spätsommertag und der Möglichkeit, endlich einmal wieder unter Menschen zu kommen.

Nicht auszudenken, wie die Stimmung bei Regen und 15 Grad gewesen wäre … dann wären die Wege – so kurz sie auch sein mögen – zwischen den verschiedenen Ausstellungsorten in Hotels wie dem berühmten Beau Rivage und Boutiquen sowie das abendliche Zusammentreffen weit weniger vergnüglich ausgefallen.

Dann hätten sich viele sicher einen behaglichen Ort gewünscht, an dem sich alle Aussteller unter einem Dach vereint hätten – so wie es die Baselworld bei ihrem Pop-up-Event in Genf gemacht hat und für die Zukunft in größerem Ausmaß plant.

Um kurze Wege geht es übrigens auch bei den Gedanken, die viele zum Fortbestand der Baselworld haben. Und zwar kurze Wege für Aussteller, die sich die Anreise zu einem der geplanten großen Events in Basel, den USA und Asien und den dortigen mehrtägigen Aufenthalt schlicht nicht leisten können. Und dennoch hochgradig spannend sind und viel Aufmerksamkeit bekommen würden und verdienen.

Als Alternative zu den drei großen Events sehen viele eine Art Roadshowkonzept unter der nach wie vor weltweit starken Marke Baselworld. Alle zwei Monate ein Event mit vielleicht 50 Marken rund um den Globus: auch damit könnte man dem Namensbestandteil World gerecht werden – und dem Bedürfnis vieler, nach eher kleineren, dafür aber persönlicheren Events.

Um es noch einmal deutlich zu machen, Geneva Watch Days und die Baselworld sind aktuell zwei völlig verschiedene Konzepte, die es nicht in ein Ranking zu bringen gilt. Wer mit wechem glückselig werden wird und wer nicht – die Zeit wird es zeigen. Vielleicht sind es ja sogar beide.

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