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Heepmanns Kolumne: Galeria Karstadt Kaufhof muss die Hürde E-Commerce endlich überwinden

Antje

Galeria Karstadt Kaufhof will führender Ankerhändler in deutschen Innenstädten werden. Dies geht aus dem Insolvenzplan des Warenhauskonzerns hervor, der WatchPro Deutschland vorliegt.

Neben der „Optimierung des Filialportfolios“ – sprich Standortschließungen –, gezielter Reinvestitionen zur Modernsierung der Filialen und der Umstellung auf sogenannte alternative Bewirtschaftungsformen (z.B. Depot und Konzessionsmodelle) sowie der Vereinbarung längerer Zahlungsziele will das zur Signa-Gruppe gehörende Unternehmen vor allem im digitalen Bereich aufholen und im Rennen um die allgemein steigenden Onlineumsätze Boden gut machen. Es ist nicht der erste Versuch.

Dafür wird viel Geld in die Hand genommen, Geld, das bei einer erfolgreichen Schadensersatzklage gegen die öffentliche Hand aufgrund des Lockdowns, auch vom Steuerzahler kommen würde. Hinzu kommen zigtausende Mitarbeiter, die um ihre Zukunft bangen. Die Verantwortung, die nun auf den Insolvenzverwaltern und dem Eigner René Benko lastet, wiegt also schwer.

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Ein wichtiger Punkt, um dieser gerecht zu werden, ist der Bereich E-Commerce – doch das ist nichts Neues bei dem Konzern, bislang hat er die Hürde nur noch nicht so erfolgeich genommen, als dass es als zukunftsfähige Strategie durchgehen würde.

„E-Commerce wird als ein zentrales strategisches Wachstumsfeld im Rahmen der Gesamtausrichtung des neuen Warenhauskonzepts definiert. Das Kernziel besteht darin, das Umsatz- und Gesamthandels volumen (d.h. inklusive der Umsätze von Marktplatzpartnern) von galeria.de weiter auszubauen. Die bestehende Technologie, auf der die beiden Shops Galeria-kaufhof.de und karstadt.de zur gemeinsamen Marktplatz-Plattform galeria.de zusammengeführt wurden, muss hierfür weiter ausgebaut und optimiert werden, um die aktuell bestehende Lücke zum Marktstandard zu schließen“, heißt es im Insolvenzplan.

Vor wenigen Jahren hatte es das Unternehmen schon einmal versucht, sich erfolgreich im Bereich E-Commerce zu positionieren. Im Jahr 2103 holte Karstadt den langjährige Deutschland-Chef von Yahoo, Terry von Bibra, und machte ihn zum Leiter des E-Commerce-Bereichs – für Karstadt nach eigenen Worten schon damals eine „Schlüsselposition“.

„Online ist nicht unsere Zukunft, unsere Zukunft heißt Omnichannel“, erklärte von Bibra damals, musste aber bereits 2014 eingestehen: „Unsere Online-Umsätze sind noch nicht zufriedenstellend.“ Ein knappes Jahr später verließ der Chief Retail Officer Omnichannel den Warenhauskonzern schon wieder und wechselte zu Alibaba Deutschland.

Und auch der Ex Karstadt-Chef Stefan Fanderl hatte digitale Ambitionen. 2018 kündigte er im Rahmen der Fusion mit Galeria Kaufhof an, einen gemeinsamen Onlinemarktplatz einzurichten, auf dem Dritte ihre Waren verkaufen können. „Karstadt ist dabei, sich erfolgreich zu einem vernetzten Marktplatz mit vielen Partnern zu entwickeln.“ Und noch Anfang dieses Jahres verkündete er im Interview mit dem Handelsblatt: „Wir wollen auf einen Onlineumsatz von 500 Millionen plus noch mal 500 Millionen Euro Marktplatzgeschäft kommen“, auch wenn es „noch Kinderkrankheiten“ gebe.

Möglicherweise waren diese Kinderkrankheiten in Kombination mit Corona doch zu hohe Hürden. Zumindest warf Fanderl, der nach der Fusion den Warenhausgiganten als CEO geleitet hatte, im Sommer das Handtuch.

Nun nimmt Galeria Karstadt Kaufhof unter dem Corona-Schutzschirm der BRD und mitten im Insolvenzverfahren also mal wieder aufs Neue Anlauf, um die längst fällige Hürde E-Commerce zu überwinden.

Damit dies gelingt, macht Signa-Chef noch einmal einen großen Betrag locker, das geht aus dem Insolvenzplan hervor. „In den kommenden fünf Jahren ist vorgesehen, dass die Schuldnerin nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens von den oben genannten EUR 650 Mio. mehr als drei Viertel in die Modernisierung der im Standortportfolio verbleibenden Filialen und den Rest in eine Weiterentwicklung der technologischen und digitalen (galeria.de) Infrastruktur investiert.“

Am Ende soll die sanierte Schuldnerin „wieder der führende Ankerhändler in deutschen Innenstädten“ sein. Aber nicht nur das. „Ergänzt wird das Angebot durch einen marktgerechten Online-Shop und eine Vielzahl von kanalübergreifenden Dienstleistungen (sog. Omnichannel-Services). So wird die Schuldnerin auch tatsächlich das Nummer 1 Warenhaus in Deutschland, dem bestehende und neue Kunden in Zukunft wieder vertrauen.“

Um die Liquidität zu erhöhen, sollen auch Schadensersatzansprüche gegen die öffentliche Hand aufgrund des Lockdowns geltend gemacht werden. Aber: „Die erfolgreiche Durchsetzung solcher Ansprüche ist offen und mit erheblichen Kosten und Prozessrisiken verbunden“, heißt es im Insolvenzplan.

Der Hürdenlauf für Galeria Karstadt Kaufhof ist im vollen Gange – hoffentlich strauchelt der Warenhausriese nicht. Dann wäre viel Geld verbrannt worden, viele Menschen würden ihre Arbeit verlieren und die Innenstädte würden ein wenig weiter veröden.

Tags : Coronae-commerceFanderlGaleriaHeepmanns KolumneKarstadtKaufhofKolumne
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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