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Heepmanns Kolumne: Galeria Karstadt Kaufhof – der Warenhauskonzern benötigt ein kleines, großes Wunder

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Galeria Karstadt Kaufhof hofft auf einen weiteren Kredit vom Staat und kritisert zugleich die staatlichen Maßnahmen.

Bereits im vergangenen Jahr war der zur österreichischen Signa Holding von René Benko gehörende Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof GKK unter den Rettungsschirm der Bundesregierung geschlüpft, hatte Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt und war eigenen Angaben zufolge Anfang Oktober 2020 schuldenfrei.

Dazu beigetragen hatten auch die Gläubiger, die auf Forderungen in Höhe von mehr als zwei Milliarden € verzichtet hatten. Nicht zu vergessen die zahlreichen Mitarbeiter, die aufgrund von Filialschließungen ihren Arbeitsplatz verloren.

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Im Herbst letzten Jahres wollte man neu durchstarten und erweiterte dafür unter anderem das Mangemenet um vier gut bezahlte Neuzugänge.

GKK-Chef Miguel Müllenbach sagte damals: „Wir sind wieder da. Galeria Karstadt Kaufhof ist ab Oktober schuldenfrei, hat ein zukunftsfähiges Filialportfolio und wird auch das Digitalgeschäft stark ausbauen. Mit den neuen Kollegen werden wir als Team agieren, voller Vertrauen und auf Augenhöhe. Damit zieht auch eine neue Kultur ein, die für unseren Erfolg als der innerstädtische Marktplatz der Zukunft extrem wichtig sein wird.“

Doch all das reichte nicht aus, zumindest nicht, um den weiteren Lockdown ab Mitte Dezember zu überstehen. Verbrannte das Unternehmen zu Beginn der Pandemie 80 Millionen € in der Woche, sind es mittlerweile 100 Millionen €.

Und so war es bereits Mitte Januar 2021 schon wieder so weit und der Konzern klopfte erneut beim Staat an, um einen Rettungskredit auszuhandeln. Das Ergebnis waren 450 Millionen € aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds.

Vier Monate später sind die Kassen schon wieder leer – helfen soll wiederum der Staat. Dieses Mal geht es um einen Kredit in Höhe von 200 Millionen €. Das manager magazin berichtete, dass Insidern zufolge die Liquidität der Warenhauskette noch etwa bis Ende Mai reichen würde.

Es sei zwar nicht ausgeschlossen, dass auch Signa-Eigentümer Benko zum wiederholten Male eigenes Geld beisteuern werde. Im Gegenzug soll er aber von der Politik eine verbindliche Öffnungsperspektive für den Handel fordern, so das manager magazin.

Und auch GKK-Chef Müllenbach wählt in einem Brief an die Mitarbeiter vom 27. April deutliche Worte: „Es ist schon ausgesprochen paradox, dass wir zwar dankenswerterweise von der Bundesrepublik Deutschland einen verzinsten Kredit zur Überbrückung bekommen haben, wir aber gleichzeitig durch den fortgesetzten und aus meiner Sicht nicht mehr alternativlosen Lockdown daran gehindert werden, das notwendige Geld für Zins und Tilgung zu verdienen.“

In den Ohren so manch mittelständischer Einzelhändler mag das wie Hohn klingen. Diese arbeiten am Limit und versuchen tapfer mit viel Engagement und Kreativität, via E-Commerce, Click & Collect, Test & Meet über die Zeit zu kommen – und warten dabei oftmals noch auf die Uberbrückungshilfe vom Staat.

Antje Heepmann, Redaktion WatchPro Deutschland

In punkto Galeria Karstadt Kaufhof kann man sich angesichts der astronomischen Kreditsummen auch nicht mehr des Gedankens erwehren, ob der Konzern das alles je wird zurückzahlen können.

Wie das manager magazin berichtet, muss GKK über sechs Prozent Zinsen für den ersten Rettungskredit zahlen, hat Markenrechte, Warenbestände und Klageansprüche als Sicherheiten an den Staat abgetreten. Nicht die besten Bedingungen für die dringend benötigten Umstrukturierungen des angestaubten Kaufhaus-Konzepts.

Anders als Herr Müllenbach in seinem Mitarbeiterbrief versucht glauben zu machen, trägt der Warenhauskonzern nämlich einen Gutteil Mitschuld an dem Ausmaß der Misere ist. Eine Modernisierung aller Standorte in Sachen Ambiente und Sortiment steht seit langem aus, nicht erst seit Corona. Und den Zug der Digitalisierung und des E-Commerce hat das Unternehmen schon vor vielen Jahren verpasst.

Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, der GKK im vergangenen Jahr durch das Schutzschirmverfahren geführt hat und dem Eigentümer René Benko weiterhin beratend zur Seite steht, verhehlt nicht, dass der Konzern Geld benötigt, um sich zukunftsfähig aufzustellen.

„In der Tat hatte der von der Bundesregierung angeordnete Lockdown das satte Liquiditätspolster in Höhe von mehr als 500 Millionen Euro innerhalb von etwa vier Monaten aufgezehrt. Aber nichtsdestotrotz muss Galeria Karstadt Kaufhof investieren. Gegebenenfalls in einem etwas längeren Zeitraum, aber in gleicher Höhe. Darauf darf keinesfalls verzichtet werden, sonst droht ein Tod auf Raten“, sagt er im Interview mit dem manager magazin. „Die Wahrheit ist aber auch, Galeria Karstadt Kaufhof, wie wir es heute kennen – mit einer eintönigen Gastronomie und einer schlechten Raumaufteilung –, ist auf Dauer nicht überlebensfähig. Man muss das geplante Zukunftskonzept umsetzen, das ein attraktives, stärker regionalisiertes Sortiment vorsieht, aber auch einer immer größer werdenden Pop-up-Store-Kultur gerecht wird; moderne Gastronomiekonzepte, gepaart mit verschiedenen Dienstleistungen, um ein jüngeres Publikum anzuziehen.“

Woher diese 500 Millionen € dafür kommen sollen, ist nicht klar. Der gewünschte Kredit in Höhe von 200 Millionen € wird nicht reichen, zumal eine vollständige Öffnung des Einzelhandels noch nicht gegeben ist. Und bei 100 Millionen €, die das Unternehmen pro Woche verbrennt, geht die Rechnung irgendwie nicht auf …

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