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Heepmanns Kolumne: Die Bewerbung für den Red Dot hat ihren Preis – „Und wenn schon!“

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Wie so oft in Deutschland, liegen Bewunderung für eine Sache und der innere Drang, Kritik zu üben, eng beieinander. Und so ergeht es auch dem Red Dot, dem Award der zwar seit Jahrzehnten zu den begehrtesten und renommiertesten Designauszeichnungen zählt, aber auch immer wieder für seine Vorgehensweise kritisiert wird.

Denn die Teilnahme kostet, vom „Designpreis als Geschäftsmodell“ ist immer wieder die Rede.

Und so schrieben beispielsweise Brigitte Koch und Christine Scharrenbroch im letzten Jahr auf faz.net: „Der Red Dot Designwettbewerb ist längst zu einem internationalen Geschäft geworden. Immer mehr Bewerbungen kommen auch aus Asien. Die Label wollen den roten Punkt als eine Art Gütesiegel für ihre Produkte verwenden. (…) Zwischen 270 und 430 Euro kostet die Anmeldung eines Produkts zum Wettbewerb. Bei der Auszeichnung mit einem Red Dot werden 3.900 Euro für die Erwähnung im Jahrbuch und auf der Internetseite sowie für die Aufnahme in die Ausstellung fällig. Wollen Unternehmen den Designpreis zu Werbezwecken nutzen, etwa auf der Verpackung, kostet das zusätzlich.“

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Antje Heepmann, Redaktion WatchPro Deutschland

„Und wenn schon“, kann man darauf eigentlich nur erwidern. Denn zum einen kostet die Durchführung eines internationalen Wettbewerbs, bei dem außerdem die prämierten Produkte nicht nach dem Zeremonie in einem Pappkarton im Archiv verstauben, sondern in Jahrbüchern, Museen und online präsentiert werden. Darüber hinaus ist es der hochkarätigen Jury durchaus zuzutrauen, bei den Tausenden Einsendungen diejenigen zu ignorieren, die keine besondere Gestaltungskompetenz aufweisen. Es bleibt sicher genug gutes Design übrig.

Immer mehr Einreichungen kommen aus Asien. Auch hier kann man getrost mit einem „Ja und?“ reagieren. Bei skandianvischem Design rufen viele reflexartig Hurra. Kommt etwas aus Asien, kommt schnell der Generalverdacht der mangelnden Eigenständigkeit ob der Kreativität auf. Beide Vorurteile können den klaren und objektiven Blick verstellen. Aber auch hier kann man sich getrost auf den Sachverstand der Jury verlassen.

Zudem geht es auch gar nicht darum, ein repräsentatives Bild vom Top-Qualitätsdesign der Gegenwart zu zeichnen – falls es so etwas überhaupt gibt.

„Die Red Dot Jury bewertet jedes Produkt fachgerecht und individuell anhand von verschiedenen Bewertungskriterien. Diese werden immer wieder an neue technische, gesellschaftliche, ökonomische und ökologische Anforderungen angepasst. Zu den Kriterien für die Evaluierung zählen Aspekte wie der Innovationsgrad, die Funktionalität und die Ergonomie des Produktes. Eine Auszeichnung im Red Dot Award: Product Design steht für hervorragende Designqualität, die Verbrauchern Orientierung gibt, ausgezeichnete Designprodukte zu erkennen“, erläutert Red Dot-CEO Professor Dr. Peter Zec, der den Award auch gern als TÜV-Plakette für gelungene Gestaltung umschreibt.

Und sicher kann man als Veranstalter des Red Dot mit Ausstellung, aufwändiger Zeremonie und Party auch Geld verdienen. Und auch das macht einen in Deutschland schnell verdächtig, ist aber doch eigentlich der Wunsch aller, allen voran derer, die sich für den Red Dot bewerben. Denn er zählt zu den wenigen Preisen, die auch einer breiteren, internationalen Öffentlichkeit bekannt und und in deren Wahrnehmung positiv besetzt sind. Der Red Dot eigenet sich daher trefflich zu Marketingzwecken, wovon die Gewinner auch gerne Gebrauch machen. Und selten gibt es Marketing zum Nulltarif.

Welche Uhren zu den diesjährigen Gewinnern des Red Dot gehören, erfahren Sie in der August-Ausgabe.

Tags : awardKolumneRed DotZec
Antje Heepmann

The author Antje Heepmann

Nach dem Studium der Germanistik begann ich 1999 meine journalistische Laufbahn als Volontärin beim Branchenmagazin „U.J.S. Uhren Juwelen Schmuck ”. Bis 2018 blieb ich zunächst als Redakteurin und später als stellvertretende Chefredakteurin bei der U.J.S. und war für Themen- und Konzeptplanung, Recherche, Artikelerstellung und den digitalen Auftritt zuständig. 2018 wechselte ich zur Fachzeitschrift „GZ Goldschmiede Zeitung“. Seit Oktober 2019 bin ich Teil des internationalen Teams von WatchPro und betreue redaktionell den deutschsprachigen Auftritt des Magazins für die Uhrenbranche.

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